Lithium-Wettlauf in Europa
In Europa hat ein Wettlauf um den Abbau des kritischen Rohstoffes Lithium begonnen. Der ist für die Produktion von Batterien essenziell. Mit im Rennen: Das Unternehmen „Zinnwald Lithium“. Doch im Gegensatz zu konkurrierenden europäischen Wettbewerbern müssen die Sachsen noch privates Kapital einsammeln.
Abbau könnte 2030 starten
Zinnwald Lithium will im Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien in der drittgrößten Lagerstätte Europas ab 2030 das Leichtmetall fördern. Im Freistaat sollen dann in einer ersten Stufe bis zu 18 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr produziert werden. Das würde für die Herstellung von rd. 500 000 E-Autos reichen.
In Europa gibt es allerdings eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung. „Im Vergleich zu anderen Wettbewerbern in der EU haben wir gravierende Nachteile. In Frankreich, Großbritannien und Tschechien unterstützt der Staat mit Anschubfinanzierungen, Fördermitteln oder ist direkt Rohstoffunternehmen beteiligt. Dadurch verlieren wir Zeit und schwächen unsere Position“, sagt Marko Uhlig, Geschäftsführer von Zinnwald Lithium den FUCHSBRIEFEN.
Frankreich unterstützt Bergbauprojekt
Beispiel Frankreich: Der Staat beteiligt sich dort mit 50 Millionen Euro in einer Minderheitsbeteiligung an dem Lithiumprojekt "Emili" des Mineralienkonzerns Imerys. Die Mittel fließen in die finale Machbarkeitsstudie, die bis Anfang 2026 abgeschlossen sein soll. Ziel des Vorzeigeprojekts, das auch von Staatspräsident Emmanuel Marcron unterstützt wird, ist die jährliche Produktion von 34.000 Tonnen.
Hintergrund: Die EU hat wegen der hohen Abhängigkeit im Critical Materials Act das Ziel formuliert, bis 2030 zehn Prozent des jährlichen Bedarfes an strategisch kritischen Rohstoffen durch heimische Produktion zu gewinnen. Das Imerys-Invest ist von Brüssel bereits als strategisches Projekt anerkannt und kann deshalb von einer beschleunigten Abbaugenehmigung profitieren.
Wirtschaftlich realisierbar
Auch Lithium Zinnwald hat sich dafür beworben - noch ohne Erfolg. Bislang haben die Sachsen 40 Millionen Euro investiert. Die im März 2025 vorgestellte vorläufige Machbarkeitsstudie bestätigt die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit des Vorhabens. Das Investitionsvolumen liegt bei über 1 Mrd. Euro. Uhlig: „Der nächste Schritt, der weitere Investoren anziehen würde, ist die finale Machbarkeitsstudie. Um sie fertigzustellen, haben wir einen Kapitalbedarf in zweistelliger Millionenhöhe.“
Investoren gesucht
Mit der jüngsten Kapitalerhöhung im Juni 2025 wurden knapp 4 Millionen Euro von Investoren eingeworben. Als strategischer Ankerinvestor hat AMG Critical Materials NV seinen Anteil auf 29,3% erhöht. Dennoch muss Zinnwald Lithium in eine weitere Investitionsrunde gehen, um die endgültige Machbarkeitsstudie fertigstellen zu können und somit die für die Zulassung notwendigen Gutachten und Unterlagen zu erstellen. Staatliche Hilfen wie in Frankreich sind allerdings nicht in Sicht.