Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1152
Stiftungsanlagen auf dem Prüfstand

Mehrheit der Stiftungsfonds nicht stiftungskonform

Viele Stiftungsfonds müssen überprüft werden. Copyright: Pexels
Stiftungsfonds sollen Vorständen ohne nennenswerte Vermögens-Expertise die Geldanlage vereinfachen. Eine Untersuchung ergab jedoch jüngst, dass viele dieser Fonds gar nicht stiftungsgeeignet sind. Das hat Konsequenzen - im schlimmsten Fall sogar aufsichtsrechtlicher Art.

Die meisten Stiftungsfonds sind nicht stiftungskonform. Zentraler Grund: Sie haben ein (zu) ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Wettlaufer Wirtschaftsberatung zum Stichtag 31.7. Als Datenbasis dienten 53 vom Experten für vermögensverwaltende Fonds MMD ANALYSE & ADVISORY GmbH als Stiftungsfonds klassifizierten Fonds. Frank Wettlauffer war selbst lange Zeit Leiter des institutionellen Bereichs einer Schweizer Privatbank.

Lediglich sechs der 53 untersuchten Fonds haben eine Kostenquote von unter 30%. Hier liegt die aufsichtsrechtlich kritische Grenze. Davon weisen zwei allerdings Mindestanlagesummen von 1 bzw. 10 Mio. Euro auf. Aktienfonds, die zwar oft eine höhere Rendite erwarten lassen, sind bei Stiftungen nicht en vogue. Kritisch:

18 – also ein Drittel der Fonds – haben Kostenquoten zwischen 50% und 103%. Sie sollten schon aus rechtlichen Gründen gemieden werden (s. Tabelle unten). 29 Stiftungsfonds – also gut die Hälfte – haben Kostenquoten zwischen 32% und 48%. Damit erfüllen sie – teilweise gerade noch – das Sparsamkeitsgebot.

Sinkende Renditen – steigende Kostenquote

Stiftungen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Kosten niedrig zu halten. Denn sie sollen möglichst viel Geld für ihre guten Zwecke einsetzen können. Die Kostenquote soll daher bei nicht mehr als 30% liegen. Diese Schwelle ergibt sich aus der üblichen Aufgreifschwelle, ab der die Stiftungsaufsicht die Verwaltungskosten moniert; zum anderen von den Kosten die das Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) für angemessen ansieht, um das Spendensiegel zu erhalten.Da die wenigsten Stiftungsvorstände über eine nennenswerte Expertise in der Geldanlage verfügen, managen sie ihr Stiftungsvermögen über einen Vermögensverwalter oder eine Bank. Diese legen ein Stiftungsdepot an und managen das Vermögen nach den Vorgaben der Stiftung.

Vor der akuten Niedrigzinsphase war das auch relativ unproblematisch. Seitdem hat sich jedoch gerade auf der Anleiheseite die Renditeerwartung stark negativ entwickelt, auf zuletzt 1% p.a. – und das ist noch eine optimistische Annahme. Für Aktien nimmt die Untersuchung 6%, für sonstige Anlagen 3% als erwartete Rendite an. Bei Mischfonds hat sich dadurch die Gesamtrendite verkleinert, bei gleichbleibend hohem Kostendruck. 

Fazit: Vorstände sollten das Stiftungsvermögen eingehend prüfen (lassen). Bei einer Überschreitung der Kostenquote drohen aufsichtsrechtliche Risiken. Eine höhere Aktienquote – und damit höhere Risiken – sind unumgänglich. Ein Hoffen auf „bessere Zeiten“ empfiehlt sich nicht.

Empfehlung: Halten Sie Ausschau nach günstigeren Alternativen. Das setzt Vermögensverwalter und Banken unter Druck, die wiederum so zum Handeln gezwungen werden. Auch eine Auflage eines eigenen aktiven Fonds durch die Kooperation mehrerer Stiftungen ist denkbar.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • EZB optimiert die Finanzierungsbedingungen für Staaten

Lagarde will Kreditumfeld optimieren

Die EZB hat auf ihrer ersten Ratssitzung interessante Hinweise auf ihre künftige Anleihenkauf-Politik gegeben. Daraus können Anleger relativ sicher ein wenig Rendite schlagen. Auch den Euro hat die Notenbank leicht angeschoben.
  • Fuchs plus
  • Breite Palette pflanzlicher Ersatzprodukte

AAK läuft wie geschmiert

Auch Vegetarier und Veganer nutzen zum Braten Öle und Fette - aber nur auf pflanzlicher Basis. Lieferant solcher Gourmet- und Semigourmet-Öle und -Fette ist das schwedisch-dänische Unternehmen AAK. Es ist ein weltweit führender Hersteller solcher pflanzlicher Öle.
  • Fuchs plus
  • Hinweise zum Verwendungszweck gehören auf die Verpackung

Produktinformationen gehören auf die Verpackung

Es geht um die Gesundheit. Deshalb dürfen kosmetische Mittel diese auf keinen Fall gefährden. Das ist das Hauptziel der EU-Kosmetikverordnung. Es geht dabei auch um die richtige Anwendung. Deshalb sind eindeutige und lesbare Deklarationen wichtig. Aber dürfen die Informationen nur in einem Firmenkatalog des Herstellers und nicht auf der Verpackung des Produkts stehen? Der Europäische Gerichtshof (EuGH) macht dazu eine klare Ansage.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Finanzmarktfirmen Corona-gefährdet

4.000 Finanzmarktfirmen existenzbedroht

Die Folgen der Corona-Pandemie im Unternehmenssektor werden in diesem Jahr zum Vorschein kommen. Wie heftig es werden könnte, zeigen auch Zahlen aus Großbritannien, die die Finanaufsicht herausgegeben hat.
  • Fuchs plus
  • Produktbeschreibungen sind selten urheberrechtlich geschützt

Urheberrechtsschutz für jeden Werbetext?

Urheberrechte für Schriftwerke, Musik, Fotos oder Filme entstehen nur dann, wenn die Produkte ein bestimmtes Maß an „Schöpfungshöhe“ erreichen. Das Landgericht (LG) Frankenthal musste klären, ob ein Händler schon durch einfache Aufzählung technischer Daten bei einem zu verkaufenden Fahrspurassistenten in einem Online-Shop gegen das Urheberrechtsgesetz (UrhG) verstoßen hat.
  • Fuchs plus
  • Moderne Lagerhäuser und Warenverteilzentren

Boomende Nachfrage nach Lagerhäusern

Im vergangenen Jahr erlebte Großbritannien geradezu einen Nachfrageboom nach modernen Lagerhäusern und Warenverteilzentren. Viele Investoren kommen aus dem Ausland. Das hat verschiedene Gründe.
Zum Seitenanfang