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Hitzefrei und Halbtagsjob: Die Linken und der Rückschritt in der Arbeitskultur

Arbeiten in der "Chill-Gesellschaft"

Ein aktuelles Arbeitspapier der Linken schlägt vor, die Arbeitszeit drastisch zu reduzieren und „Hitzefrei ab 26 Grad“ einzuführen. Doch wie realistisch ist dieser Vorschlag in einer Gesellschaft, die sich immer mehr zu einer Ergebnisgesellschaft wandelt, die immer weniger leistet, sich aber immer mehr leisten will? In Deutschland macht sich eine Schlaraffenland-Mentalität breit, die wir uns nicht leisten können, meint FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Stefan Ziermann.

Wenn es nach den Linken geht, dann würde heute in Berlin 25% weniger gearbeitet - und morgen würde die tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden auf 4 Stunden halbiert werden. In vielen Gegenden in Deutschland wären die Arbeitstage ebenfalls deutlich verkürzt. Denn die Linke fordert in einem aktuellen Arbeitspapier "Hitzefrei ab 26 Grad". Ich unterstütze diese Idee selbstverständlich. Es wäre schön, jetzt mit meiner Familie im Schatten an einem See zu "chillen". 

Dieser Vorschlag zeigt mir aber einmal mehr, wie weit weg so mancher von der realen Entwicklung ist. Die durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten liegt inzwischen unter dem EU-Durchschnitt. 2011 lag sie noch um 1 Stunde höher. Im OECD-Durchschnitt werden pro Jahr 1.742 Stunden pro Jahr gearbeitet, in Deutschland 1.343 Stunden. Die Teilzeitquote ist auf 33% gewachsen. Die Anzahl der Urlaubstage in Deutschland ist eine der höchsten der Welt. Die Anzahl der Krankentage mit fast 20 ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Die Zahl der Burn-out-Fälle hat sich seit 2004 verzwanzigfacht. 

Gepflegtes Schlaraffenland-Mindset

Bei einigen macht sich ein Schlaraffenland-Mindset breit, bei dem Anspruch und Wirklichkeit völlig aus dem Gleichgewicht geraten sind. Es soll immer weniger geleistet, aber sich immer mehr geleistet werden. Das Aussähen dieses Mindsets beginnt schon in der Schule. Dort soll auf Noten und auf Hausaufgaben verzichtet werden. Die Früchte solcher werden aber bitter schmecken. 

Der globale Wettbewerb signalisiert glasklar: Wir leben längst nicht mehr in einer Leistungs-, sondern nur noch in einer Ergebnisgesellschaft. Das Bemühen allein ist nicht mehr entscheidend. Es ist irrelevant, wie lange jemand im Büro war und sogar wie schwer er gearbeitet hat. Am Ende zählt nur das Ergebnis. Das ist eine harte Erkenntnis. Aber das Gute daran ist: Die z. B. Künstliche Intelligenz verschafft uns viele Möglichkeiten, effizienter zu arbeiten, also bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit zu erreichen. Das ist eine gewaltige Chance.  

Erst die Leistung, dann das Ergebnis

Wer aber stets schon das Bestreben nach Eigeninitiative, Anstrengung und Zielorientierung entwertet, wird auch keine guten Ergebnisse mehr erzielen. Zudem ist Leistung - und ihr im besten Fall folgend ein Ergebnis - nicht nur ein ökonomischer Wert an sich, sondern auch sozialer Kitt. Leistung schafft Sinn, Teilhabe und - für den Sozialstaat immer wichtiger - auch Möglichkeiten. Wer also auf Leistungsanreize verzichtet, gefährdet langfristig den Lebensstandard aller.

Wenn die Politik weiterhin vielfach Anreize für ein leistungsloses Anspruchsdenken setzt, schwächt sie den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wer das Leistungsprinzip aufgibt, der darf sich nicht wundern, wenn am Ende auch das Ergebnis ausbleibt, meint Ihr Stefan Ziermann.
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