Commerzbank muss AG bleiben
Nachdem sich die Politik parteiübergreifend lange gegen eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit gestemmt hat, ist jetzt ein Umdenken erforderlich. Denn nach dem Auslaufen des freiwilligen Andienens besitzen die Mailänder 44,37% der Commerzbank-Aktien. Mit derivativen Instrumenten kommt die italienische Großbank schon auf mindestens 47,59%. Damit ist die Mehrheit in greifbarer Nähe.
Die bisherige Strategie der Bundesregierung ist also krachend gescheitert. Die Politik wollte die Übernahme verhindern und hat daher stets Gespräche mit UniCredit-Chef Andrea Orcel abgelehnt. Doch jetzt bereitet die Bundesregierung Verhandlungen vor. Da der deutsche Staat noch 12,11% der Aktien hält, hat er tatsächlich ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.
HVB-Szenario darf sich nicht wiederholen
Das Ziel muss sein, dass Mittelständler weiterhin Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungen bekommen. Dies war und ist die zentrale Funktion der Commerzbank für die deutsche Wirtschaft. Entscheidend wird dabei sein, dass die Bundesregierung absichert, dass die Finanzierungsentscheidungen weiterhin nicht in Mailand, sondern in Frankfurt erfolgen.
Es dürfen sich keinesfalls die Vorgänge nach der Übernahme der HypoVereinsbank durch die UniCredit wiederholen. Damals hatten die Italiener ebenfalls versprochen, das Gros der Tätigkeiten und viele Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Anschließend folgte ein Personalabbau nach dem anderen und die Verantwortlichkeiten wurden sukzessive nach Mailand verlagert. Schließlich wurde die HypoVereinsbank 2023 zur „UniCredit Bank GmbH“ degradiert.
Commerzbank muss AG bleiben
Hier kommt der Rechtsform eine entscheidende Bedeutung zu, denn die Geschäftsführung einer GmbH ist gegenüber dem italienischen Mutterkonzern weisungsgebunden. Anders sieht dies bei der Rechtsform der AG aus. Die Bundesregierung muss hier Härte zeigen und darauf bestehen, dass die Commerzbank dauerhaft als AG bestehen bleibt.
Glücklicherweise steht es um die Mittelstandsfinanzierung nicht so düster, wie es oft dargestellt wird. So drängen diverse Auslandsbanken verstärkt in den deutschen Markt der Mittelstandsfinanzierung. Dabei werden sie sich künftig nicht länger aufs Rosinenpicken beschränken können, sondern in die Breite gehen. Das erzwingt allein schon der Wettbewerb.
Konsolidierung überfällig
Weiter sehen wir schon seit vielen Jahren eine Fusionswelle nach der anderen bei den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. Mit einer Bilanzsumme von aktuell 603 Mrd. Euro erscheint auch die Commerzbank im internationalen Vergleich als Zwerg. Die Konsolidierung wird dazu führen, dass diese Institute mit ihren dann längeren Bilanzen in der Lage sind, auch größere Mittelstandsfinanzierungen zu stemmen.