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Rentenreform, Umlageverfahren, Gerechtigkeit: Warum der „Boomer-Soli“ am Kernproblem vorbeigeht

Der „Boomer-Soli“ ist keine Lösung, sondern unfaire Umverteilung

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bzw. die dort agierenden Forscher Stefan Bach, Maximilian Blesch, Annica Gehlen, Johannes Geyer, Peter Haan, Stefan Klotz und Bruno Veltri, will die Rentenlücke mit einer Sonderabgabe auf Alterseinkünfte schließen – innerhalb der Babyboomer-Generation. Das geht so nicht, emint FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. Wer das Umlagesystem ernst nimmt, muss die Kinderfrage zentral stellen - oder er soll es ganz abschaffen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und mit ihm auch die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, will aus dem Umlagesystem Rente ein Umverteilungssystem machen. Sie nennen es "Boomer Soli". Die wohlhabende Rentner aus der Generation der Babyboomer, also aus den Geburtsjahrgängen der 1950er und 1960er Jahre – sollen für die weniger Wohlhabenden ihrer Alterskohorte mit aufkommen, um auf diese Weise "Generationengerechtigkeit" herzustellen.

Abgesehen von der Problematik der zeitlichen Abgrenzung … Wer das deutsche Rentensystem erhalten will, muss zuerst eines akzeptieren: Es ist ein Umlagesystem. Und das funktioniert nur, wenn genügend Menschen arbeiten – sprich: wenn genügend Kinder geboren, erzogen und befähigt wurden und werden, später in Lohn und Brot zu stehen. Die Renten der einen hängen direkt an der Erwerbsarbeit der anderen. Im Grunde eine einfache Rechnung, die aus verschiedenen politischen Erwägungen meist unter den Tisch gekehrt wird.

Das DIW verteilt innerhalb der Generation – und verteilt falsch

Das DIW-Papier tut so, als ließe sich dieses System retten, indem man einfach "intragenerativ" – innerhalb der Generation der Boomer – neu verteilt. Es schlägt vor, einkommensstarke Rentner der Babyboomer-Generation durch einen „Boomer-Soli“ zur Kasse zu bitten, um die Altersarmut innerhalb ihrer Kohorte zu lindern. Eine kollektivistische Idee, die auf zweifache Weise grotesk ungerecht ist.

Kinderlose profitieren, Eltern zahlen doppelt

Erstens: Das Papier unterschlägt, dass der demografische Druck nicht durch eine ganze Generation erzeugt wurde, sondern durch individuelle Entscheidungen – insbesondere die, keine Kinder zu bekommen. Es waren und sind eben nicht die Babyboomer, sondern ganz konkret zu viele Kinderlose, die das System heute aus dem Gleichgewicht bringen. Wer aber Kinder großgezogen hat, hat nicht nur zur künftigen Beitragsbasis beigetragen, sondern meist auch auf Karriere, Gehalt und in der Folge auf Rente verzichtet – und das unter höheren finanziellen Belastungen.

Sicher, es gibt auch die, die ungewollt keine Kinder bekommen können. Das ändert aber nichts daran, dass sie finanziell von den Vorteilen dieser "Minderbelastung" profitiert haben und profitieren. Allen steuerlichen und abgabentechnischen Ausgleichszahlungen zum Trotz.

Der Bruch mit dem System ist bereits vollzogen

Zweitens: Der „Boomer-Soli“ bricht selbst mit dem System, das er vorgibt, retten zu wollen. Er erhebt eine Sonderabgabe auf Alterseinkünfte – auch auf solche, die außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung erworben wurden: Betriebliche Renten, „Rürup-Renten“, "Riester-Renten“ (§ 22 Nr. 5 EStG), Beamtenpensionen, Sonstige Versorgungsbezüge (z. B. von leitenden Angestellten, Managern), Erwerbsminderungsrenten, Hinterbliebenenrenten, Unfallrenten, Kapitalerträge , Mieteinkünfte. Diese Einkünfte werden dann – abzüglich eines Freibetrags – mit einem festen oder progressiven Satz belastet (im Papier: pauschal 10 %). 

Das ist keine Reparatur im System, das ist ein Eingriff von außen. Ein Eingriff, der die Beitragslogik aushebelt und die Lebensplanung jener ignoriert, die pflichtbewusst in ein System eingezahlt haben – und nebenbei noch Kinder großzogen, welche das System heute überhaupt erst am Leben erhalten.

Wenn man schon bereit ist, die Systemlogik aufzugeben, dann bitte richtig: Dann gehört nicht nur das Einkommen betrachtet, sondern auch der Beitrag zur Gesellschaft – durch Erziehung, Pflege, Solidarität. Dann müssen endlich Kinder als Beitrag zur und Basis der Rentenversicherung anerkannt werden – und Kinderlose stärker in die Pflicht genommen werden, denn sie gefährden die Statik des Systems. Alles andere ist Etikettenschwindel – und ungerecht über alle Generationen hinweg, meint Ihr Ralf Vielhaber
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