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Editorial

Die Börsen sind zu euphorisch und scheinen blind für Risiken

Probleme werden derzeit verdrängt und nicht gelöst. Chefredakteur Stefan Ziermann warnt, dass die stetige Aufwärtsentwicklung der Börsen nicht unendlich weitergehen kann.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

der Jahresauftakt an den Börsen war fulminant. Nach der gründlich verunglückten Jahresendrally haben die Börsen nun einen Dragster-Start aufs Parkett gelegt. Ohne den Fuß vom Gaspedal zu nehmen ging es seit Weihnachten steil bergauf. Im Dow summiert sich das Plus auf fast 20%, im DAX auf 10%.

So kann es weitergehen denken viele Anleger. Aber es wird so nicht weiter gehen. Die Börsen sind gerade zu euphorisch und blind für Risiken. Oder etwa nicht?

Nehmen die Börsen vielleicht nur schon den nächsten Aufschwung vorweg? Wir bezweifeln das. Aber selbst wenn es so wäre: Die Bewertungen an den Aktienmärkten, voran in den USA, sind auch auf dem aktuellen Niveau schon hoch.

Hinzu kommt, dass viele Probleme nur in den Hintergrund gerückt, aber nicht gelösst sind. Sowohl der Handelsstreit zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über der abkühlenden Konjunktur.

Die Börsen zeigen gerade nur, dass sie absolut der Macht der Notenbanken vertrauen. Sie setzen nicht auf die Realwirtschaft, sondern auf weiterhin billigstes Geld und überbordende Liquidität. Genau diese beiden Faktoren sind es aber, die wesentliche Marktkräfte außer Kraft setzen und die Realwirtschaft dauerhaft schwächen. Genau darin liegt der Auslöser für den nächsten Ausrutscher.
Stefan

 

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