Geldtipp #58: Warum eine Steuer auf fiktive Kursgewinne kontraproduktiv wäre
Im Mittelpunkt steht die politische Debatte über eine mögliche Besteuerung sogenannter fiktiver Gewinne. Anlass ist ein Blick in die Niederlande, wo eine Steuer auf unrealisierte Wertsteigerungen eingeführt wird. Die Diskussion wird als Warnsignal für deutsche Anleger verstanden, insbesondere vor dem Hintergrund steuerpolitischer Forderungen aus der SPD.
Eine Steuer auf fiktive Gewinne bedeutet, dass Vermögenswerte jährlich zum Stichtag 31. Dezember bewertet werden. Kursgewinne werden besteuert, auch wenn kein Verkauf stattgefunden hat und kein Geld zugeflossen ist. Dieses „Steuer-ohne-Cash“-Problem gilt als zentrales Gerechtigkeits- und Liquiditätsproblem: Anleger könnten gezwungen sein, Wertpapiere allein zur Steuerzahlung zu verkaufen.
Verlustvortrag wäre möglich
Verluste können in die Zukunft vorgetragen werden, eine rückwirkende Verrechnung ist zumindest derzeit nicht vorgesehen. Das verschärft das Risiko, da Steuerzahlungen auf Buchgewinne nicht automatisch mit späteren Kursverlusten ausgeglichen werden.
Betroffen wären vor allem Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen, Zertifikate, Fremdwährungskonten und Kryptowährungen. Laufende Erträge wie Zinsen und Dividenden bleiben steuerpflichtig wie bisher, fließen aber tatsächlich zu. Immobilien sind in den Niederlanden ausgenommen: Wertzuwächse werden erst beim Verkauf besteuert, was Umschichtungsanreize zugunsten von Immobilien schafft.
Niederlande: Freibetrag geplant
Geplant ist in den Niederlanden ein Anleger-Freibetrag von 1.800 Euro pro Person und Jahr. Er schützt kleinere Depots, verliert aber bei wachsendem Vermögen schnell an Wirkung. Langfristig würde die jährliche Besteuerung von Buchgewinnen den Zinseszinseffekt deutlich bremsen. Rechenbeispiele zeigen: Die Nettorendite sinkt spürbar, das Endvermögen kann über Jahrzehnte zehntausende Euro niedriger ausfallen.
Wirkung auf kapitalgedeckte Altervorsorge wäre fatal
Besonders kritisch wird die Wirkung auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge gesehen. Eine solche Steuer stünde im Widerspruch zum geplanten Altersvorsorgedepot, das gerade den steuerfreien Zinseszins in der Ansparphase fördern soll. Deshalb wird bezweifelt, dass das niederländische Modell in Deutschland eins zu eins übernommen wird. Gleichzeitig gibt es politische Stimmen in Berlin, die eine solche Besteuerung grundsätzlich befürworten.
Für den Fall, dass eine entsprechende Steuer doch kommt, werden praktische Vorsorgestrategien genannt: Liquiditätspuffer für Steuerzahlungen, Rebalancing vor Jahresende, Überwachung von Ausschüttungen in Nähe des Freibetrags sowie saubere Dokumentation aller Erträge, Kosten und Jahresendwerte.
Fazit: Die Steuer auf fiktive Gewinne ist bislang ein Szenario, kein Gesetz. Ihre Einführung wäre jedoch ein gravierender Eingriff in Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Anleger sollten das Thema ernst nehmen, die politische Entwicklung beobachten und ihre Portfolios so strukturieren, dass Liquiditätszwänge möglichst vermieden werden.
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