Hinweis
Bitte beachten Sie, dass es am Samstag, den 07.08.2021 von 9:00 bis voraussichtlich 12:00 Uhr wegen Wartungsarbeiten zu Beeinträchtigungen kommen kann. Wir bitten um Ihr Verständnis!
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
3476
Politisches green washing

Grüner Anstrich für ungebremstes Schuldenmachen

FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber © Foto: Verlag
Green washing gibt unternehmerischem und staatlichem Handeln einen grünen, nachhaltigen Anstrich. Leider fehlt darunter die Substanz. Derzeit wird fast jede neue Schuldenmilliarde grün angestrichen und mit dem "Umbau" der Wirtschaft begründet. Das ist Schindluder treiben mit dem Begriff der Nachhaltigkeit, findet FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber

Nachhaltigkeit ist grün: Kaum eine Schuldenmilliarde, die gerade nicht mit diesem attraktiven Etikett versehen wird. Und es ist so flexibel: ethisch, ökologisch, sozial – darunter fällt alles und jedes, wenn man nur will. Die Finanzindustrie ist regelrecht geil auf die neuen Schulden, die unter diesem Stichwort aufgenommen werden (sollen). "Green Bonds" verkaufen sich gut. Das Motto: Alles wird grün, alles wird gut.

Grünes Schuldenmäntelchen

Dabei machen die Regierungen unter dem Beifall eines wachsenden Teils der Ökonomenzunft gerade das Gegenteil. Sie fahren einen Kurs, der das Wort Crash schon beinhaltet. 11 Billionen – so hoch sind die Ausgaben der Staaten weltweit zur Pandemiebekämpfung. Und der IWF als eine supranationale Organisation ermahnt die Regierungen, ihre "Stabilisierungsausgaben" nicht zu früh zurückzufahren. Die EU fightet gerade um ein Paket über 750 Mrd. Euro. Und versieht es mit den Aufklebern "green deal" und "NextGenerationEU". Ja, die kommenden Generationen müssen dafür blechen.

In Deutschland bremsen die Länder die verfassungsgemäße Schuldenbremse aus und sichern sich Schuldenvorräte auf Jahre hinaus. Kostspielige politische Projekte auf Länder- und kommunaler Ebene werden angeschoben, die mit der Pandiemie nichts zu tun haben: auch ihnen wird gerne ein grünes Mäntelchen umgehängt.

Teure (unhaltbare) Versprechungen

Neben den direkten Schulden laufen auch die indirekten völlig aus dem Ruder. Nach den Analysen des Freiburger Wissenschaftlers Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen für die Stiftung Marktwirtschaft entspricht Deutschlands Nachhaltigkeitslücke in absoluten Zahlen jetzt einem Gesamtschuldenstand der öffentlichen Hand von 11,9 Billionen Euro.

Der deutlich größere Teil – rund vier Fünftel – entfällt dabei auf die implizite, d.h. heute noch nicht direkt sichtbare, Staatsschuld. Diese beträgt 285,2% des BIP (9,8 Billionen Euro). Dahinter verbergen sich alle durch das heutige Steuer- und Abgabenniveau nicht gedeckten staatlichen Leistungsversprechen für die Zukunft, nicht zuletzt diejenigen der Sozialversicherungen. Sie werden zwar über viele Jahre hinweg fällig. Aber durch die Rentenzeit der Babyboom-Generationen werden sie zu einer neuen Belastungsqualität der öffentlichen Haushalte führen.

Wenn der Königsweg nicht funktioniert, wird es schwierig

Die neuen Schulden brauchen eine Deckung. Und die kann nur durch Wachstum entstehen. Gerade jetzt aber wird von einer Art inklusiven (nachhaltigen) Reform des Kapitalismus geträumt, die die Umwelt schont, die Arbeiterschaft ebenfalls, einen gewaltigen und stetig wachsenden Sozialstaat finanziert und das bei schrumpfendem Erwerbspotenzial qualitativ wie quantitativ.

Ifo-Chef Fuest, der die staatliche Konjunkturstützung für grundsätzlich richtig hält, bringt es auf den Punkt: Wenn wir aus den Schulden nicht herauswachsen („Königsweg“), wird es schwierig. „Ein Schuldenschnitt (für Italien und andere überschuldete Staaten) wäre denkbar“. Bei uns eine temporäre Vermögenssteuer, möglicherweise beschränkt auf Immobilien, um eine Kapitalflucht zu verhindern.

EZB lässt sich vor den politischen Karren spannen

Die EZB tut wiederum nicht nur als Finanzier ihren Teil dazu. Sie lässt sich auch anderweitig vor den politischen Karren spannen. Die Europäische Zentralbank stellt sich mittlerweile hinter die Bemühungen der EU-Kommission, die internationale Bedeutung des Euros gegenüber dem Dollar zu stärken. Dazu muss der Euroraum wachsen. Als voraussichtlich künftige Mitglieder des Euroraums sind Kroatien und Bulgarien aufgerufen. Dabei steht Bulgarien weit oben auf den internationalen Korruptionsindizes. Good governance – gute "Unternehmensführung" als Nachhaltigkeitsprinzip der EU? Wohl kaum. Merke: Je inflationärer ein Begriff gebraucht wird, desto geringer ist dessen Substanz. 

Nachhaltigkeit: Das ist, so umgesetzt, der Wunderglaube einer Generation von Träumern. Träumen ist zwar schön, aber das Erwachen oft schmerzhaft. So wird es auch diesmal sein, erwartet Ihr
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Licht mieten, Geld und C02 sparen

Beleuchtung clever mieten

Intelligente, energieeffiziente und CO2-sparende Beleuchtungsmodernisierung hat als Mietmodell zahlreiche Vorteile. LED-Beleuchtung senkt messbar die Kosten und verringert den Unterhaltsaufwand. Mieter schonen das Kapital und sind immer auf dem aktuellsten Stand der Lichttechnik.
  • China: Don't shoot the pianist

It’s Socialism, Stupid!

Chinesischer Volkskongress. Copyright: Picture Alliance
Der Reformdruck in China hoch, die internationalen Märkte haben letzte Woche mit Enttäuschung auf die Kehrtwende in der Bildungspolitik und die stärkere Regulierung von Technologie-Unternehmen reagiert. Im Handelskonflikt bauen die Amerikaner zeigen die Reaktionen der Chinesen, dass der Konflikt sich fest fährt. Die USA bauen nun mehr Druck auch beim Verteidigungspartner Deutschland auf, den langfristigen wirtschaftlichen Nutzen der Technologie-Transfers nach China neu zu bewerten.
  • Australien profitiert von China

Bemerkenswerte Erholung in Down Under

Australien profitiert von China. Copyright: Pexels
Australiens Wirtschaft ist bislang auf klarem Erholungskurs. Dennoch bleiben die Währungshüter zurückhaltend in Bezug auf Zinserhöhungen. Die damit entstehende Zinserwartung sollte dem AUD zumindest sehr viel Stabilität verleihen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bakterien erzeugen Erdgas aus CO2 und Wasserstoff

Gas aus CO2 mit Bakterien produzieren

Gas aus CO2 mit Bakterien produzieren. Copyright: Pexels
Ein Gasspeicheranbieter will Erdgas aus Wasserstoff und CO2 herstellen - mit Hilfe von Bakterien. Das Gas könnte helfen, die Dunkelflauten im Winter zu überwinden, wenn wenig erneuerbare Energien hergestellt werden.
  • Fuchs plus
  • Fuchs-Depot vom 05. August 2021

Auf Einkaufstour in Österreich

Zwei Neuzugänge aus Österreich schaffen es in dieser Woche in das FUCHS-Depot aufgenommen zu werden. Unser Depot liegt zudem weiter sicher im Markt und ist auch gegen größere Börsen-Kapriolen gut gerüstet.
  • Fuchs plus
  • Auch starke Quartalszahlen bringen Börse nicht aus der Ruhe

Neuer Monat – altes Spiel

Die Börsen treiben in der Sommerflaute bräsig vor sich hin. Copyright: Pexels
Die Börsen treiben in der Sommerflaute bräsig vor sich hin. Auch die Quartalsberichtssaison kann daran trotz guter Meldungen nichts bewegen. Die Fed nimmt sie allerdings zum Anlass, um weiter vorsichtig die Zinswende anzumoderieren.
Zum Seitenanfang