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Inklusion und Teilhabe auch bei Corona

Stellvetretender Chefredakteur Stefan Ziermann. Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe sind in Deutschland ein hohes Gut. Es ist uns gesellschaftlich wichtig, dass wir möglichst "jeden mitnehmen" und "niemanden ausgrenzen". Das - so scheint mir - ist ein gesellschaftlicher Grundkonsens, der in den vergangenen Jahren sogar immer wichtiger geworden ist. Darum ist es für mich nicht nachvollziehbar und nur schwer erträglich, dass in der Corona-Politik das Gegenteil gemacht wird.
Kaum wird es Winter, ziehen die Corona-Zahlen wieder kräftig an - und mit ihnen die Genervt- und Gereiztheit bei den Deutschen. Viele wollen sich inzwischen schon gar nicht mehr mit dem Thema befassen. Ich denke aber, genau das geht aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht. Zumindest nicht bei dem Pfad, den Deutschland in seinem wirren Management und dem Versuch der Bewältigung der Corona-Krise einschlägt. 

Um es vorweg zu schicken: Ich bin geimpft - und auch genesen. Ich habe mich zwei Monate nach meiner zweiten Impfung mit Corona infiziert - und die Krankheit nach einem harmlosen fünftägigen Verlauf zum Glück problemlos überstanden. So weit, so gut und so gesehen stehe ich voll auf Seiten der Mehrheit der Deutschen und der Politik. 

Irritierende politische Spaltung

Dennoch empfinde ich die politisch forcierte Teilung der Gesellschaft in zwei Klassen als falsch. Sicher: Viele Geimpfte sind davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Ungeimpfte aber auch. Beide haben ausschließlich für sich entschieden. Daraus zu schließen, dass Geimpfte mehr und Ungeimpfte weniger Rechte auf gesellschaftliche und soziale Teilhabe haben, leitet fehl. Hinzu kommt: Wir wissen nicht, wie lange und gut die Impfungen wirken. Schon deswegen halte ich Vorsicht für angebracht. Zu viele wissenschaftliche und medizinische Fragen sind diesbezüglich unbeantwortet. 

Vor allem aber ist es für mich irritierend, diese Spaltung in einem Land zu erleben, das Teilhabe, Gleichberechtigung und Inklusion an anderen Stellen derart forciert, dass manche auch das schon als ungesund und ungerecht empfinden. Es ist gesellschaftlich wichtig, dass auch arme Menschen in Museen gehen können und dass immer mehr Positionen nach diversen politisch korrekten Quoten besetzt werden. 

Es gibt inklusive Wege im Umgang mit Corona

Dass mit der deutschen Corona-Politik aber etwa 25% aller Menschen von ihrer gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden, wird von der Mehrheit akzeptiert - und teilweise erbittert verteidigt. Wie wird sich ein Land entwickeln, in dem ein Viertel aller Menschen nicht mehr mit dem ÖPNV fahren sollen, kein Kino, Theater usw. mehr erleben sollen? Und wie fühlen sich diejenigen, die im Restaurant sitzen und genau wissen, dass der Kollege oder Nachbar "draußen bleiben muss". Ich fühle mich schon bei dem Gedanken nicht wohl.
  
Vielleicht ist mein "Kulturschock" gerade nur besonders groß, weil ich eine Woche nicht in Deutschland war. Ich habe die vergangenen 7 Tage auf den Kanaren (Spanien) verbracht. Auch dort gibt es die Krankheit. Aber ich habe einen völlig anderen Umgang mit ihr wahrgenommen als hierzulande. Es gibt dort keine Debatte darüber, ob ein Mensch geimpft ist oder nicht. Es gibt auch nicht den illusorischen Anspruch, dass die Impfung ein Allheilmittel ist. Und ja, ich weiß: Viele Menschen in Spanien sind geimpft. Aber auch dort nimmt die Zahl der Impfdurchbrüche zu. Dennoch ist mir aufgefallen: Eine Krankheit und auch eine Impfung sind Privatsache. Weder in Restaurants, noch in Clubs geht es um irgendwelche G´s. Einzig und allein das Tragen einer Maske zählt - und alle Menschen sind gleich und dürfen am Leben teilhaben.   

Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand

Am Deutschen Bundestag steht: "Dem deutschen Volke" und nicht "Den Geimpften". In der Nationalhymne heißt es: "Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand". Aber Corona-Recht wird gesetzt, damit die Freiheit wieder zunehmend und ungleich  beschränkt und so die Einigkeit untergraben.

Fazit: Diese Ausgrenzungspolitik ist falsch und gefährlich. Sie erodiert unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wohlstand. Darum müssen wir weiter über den richtigen Corona-Kurs diskutieren und einen gemeinsamen Weg für alle finden. Ihr Stefan Ziermann

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