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Industrie verlässt die Deckung – und spricht Klartext

Klimapolitik am Wendepunkt: Industrie fordert Kurswechsel

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber © Foto: Verlag FUCHSBRIEFE
Die Industrie verlässt die Defensive in der Klimadebatte. Stimmen wie Evonik-Chef Kullmann fordern ein Ende ideologischer Zielvorgaben. Die Politik folgt einem chinesischen Narrativ – und gefährdet damit Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Stabilität. Ein Plädoyer für Freiheit, Realismus und Innovation von FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber.

Die Industrie verlässt die Schützengräben der Klimadebatte. Endlich. Ihre Vertreter positionieren sich – nicht mehr in Nuancen, sondern grundsätzlich. Und das ist gut so.

Zwei Lager, zwei Zukünfte

Evonik-Chef Christian Kullmann hat den Anfang gemacht. Er fordert, das Netto-Null-Ziel beim CO₂ aufzugeben. Das sei „volkswirtschaftlicher Irrsinn“. Auf der Gegenseite: der Bankenverband. Hauptgeschäftsführer Reiner Herkenhoff will die Ziele und Instrumente beibehalten, aber die Verfahren entschlacken. Für die Finanzindustrie fordert er ein „verlässliches, planbar ansteigendes CO₂-Preissignal“ und den nächsten Schritt im Emissionshandel – ohne Verzögerung oder Verwässerung. Die EU hat sich verpflichtet, bis spätestens 2050 keine Netto-Treibhausgasemissionen mehr zu verursachen. Seit Juli 2021 ist das Gesetz.

Realismus statt Ideologie

Ich bin bei Kullmann. Ich will nicht als Don Quichotte enden. Europa steht mit seiner Klimarettungspolitik allein da, Deutschland ganz besonders. Die USA haben sich unter Trump komplett von der „Klimarettung“ verabschiedet. Damit ist die Politik der UNO Makulatur. Die Net Zero Banking Alliance ist seit Oktober Geschichte. Das Bündnis sollte Banken dazu bringen, ihre Kredit- und Investitionsportfolios klimafreundlich auszurichten. Jetzt finanzieren die amerikanischen Großbanken wieder alles – braun wie grün, je nach politischer Deklaration. In Europa bekommen inzwischen sogar Rüstungsgüter einen grünen Anstrich.

Gates’ Kurswechsel – ein Signal

Donald Trump wird von den US-Konzernen hofiert. Einer der großen Finanziers der Klimaretter, Bill Gates, ist umgeschwenkt. Noch vor wenigen Jahren Parteigänger der Weltuntergangspropheten, sagt er heute: Kinder, macht mal halblang. Seine Worte: „Obwohl der Klimawandel ernsthafte Folgen haben wird – besonders für Menschen in den ärmsten Ländern – wird er nicht das Ende der Menschheit bedeuten. Die Menschen werden in den meisten Regionen der Erde auch künftig leben und gedeihen können.“

Innovation statt Klimasozialismus

Ich habe nie daran geglaubt, dass man den Klimawandel aufhalten kann. Ich bin für Innovationen – nicht für staatliche Industriepolitik unter dem Deckmantel der Klimarettung. Die führt in den Klimasozialismus. Es ist Zeit, auch die andere Seite des Klimawandels zu betrachten. 99 % der Forschungsliteratur beschäftigt sich mit Risiken. Und ja, die sind enorm: Wanderungsbewegungen, Wasserknappheit, Konflikte um Rohstoffe. Aber es gibt auch Chancen: eisfreie Zonen, neue Rohstoffquellen, neue Agrarflächen, neue Lebensräume. Wir kommen aus einer Kälteperiode. Warmzeiten waren – grosso modo – die besseren Zeiten.

Deutschland folgt dem chinesischen Narrativ

Die deutsche Industrie geht den Chinesen auf den Leim. China verkauft seine Industriepolitik als Klimapolitik. Dahinter steckt eine klare Strategie: Vorreiterrolle in Schlüsselbranchen. Deutschland folgt blind – und ruiniert seine Vorzeigeindustrien. Mit willfährigem Einverständnis aus den Chefetagen.

Kostenlawine für Unternehmen und Bürger

Kein Land folgt dem deutschen Beispiel. Herkenhoff produziert Wortwolken, wenn er sagt: „Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit sind kein Widerspruch – sie gehören zusammen.“ Saubere Technologien sind wünschenswert. Aber wie wünschenswert, sollte der Markt entscheiden – nicht die Politik.

Die Menschen sehen ihre Sicherheit schwinden – und sollen jetzt auch noch „das Klima“ retten. Zu enormen Kosten. 2045 wird ein CO₂-Preis von 180 bis 350 Euro pro Tonne erwartet. Heute: 75 bis 82. Das trifft nicht nur die Industrie, sondern jeden Einzelnen. Altersvorsorge geht für Gebäudesanierung drauf, fossiles Heizen wird unbezahlbar, Mobilität teuer. Gates bringt es auf den Punkt: „Es ist an der Zeit, das menschliche Wohlergehen in den Mittelpunkt unserer Klimastrategien zu stellen.“

Das kann nicht gutgehen. Wer sich positioniert wie der Bankenverband, ist blind für die Realität. Und erkennt nicht, was daraus folgt: Wer Klimaextremismus huldigt, bekommt politischen Extremismus. Ich will das nicht. Schluss mit dem Brüsseler Unfug, fordert Ihr Ralf Vielhaber

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