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Liberale: Totgesagte leben länger

Kubicki übernimmt – Chance für die FDP

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag FUCHSBRIEFE
Wolfgang Kubicki wird FDP-Chef – und damit zur vielleicht letzten realistischen Chance der Liberalen. Bekannt, streitbar, unabhängig: Er bringt Profil und Erfahrung in einer Phase, in der Sichtbarkeit überlebt. Warum gerade er der richtige Mann zur richtigen Zeit ist – und weshalb Geduld jetzt zur wichtigsten Ressource der FDP wird, sagt FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber

Wolfgang Kubicki ist die richtige Wahl für die FDP. Es zeichnet die Liberalen aus, dass er sich gegen eine Gegenkandidatin durchgesetzt hat, die mehr war als eine Zählkandidatin, und durchaus knapp mit rund60 Prozent der Stimmen (zu 40 Prozent für Marie-Agnes Strack-Zimmermann) zum neuen Parteichef gewählt wurde.

Kubicki ist in der Öffentlichkeit bekannt. Vermutlich ist er der bekannteste lebende und aktive liberale Politiker in Deutschland.

Bekanntheit und Profil als Überlebensfaktor

Kubicki ist streitbar. Er redet (meist) Klartext. Beides hält die FDP in den Medien – das ist eine Überlebensfrage für eine Partei, die unterhalb der Fünf-Prozent-Schwelle dümpelt.

Kubicki ist unabhängig: Er ist ohne Ziehvater auf seinen Posten gekommen. Er steht am Ende seiner politischen Karriere und muss niemandem mehr gefallen. Er hat wirtschaftlich ausgesorgt und ist nicht auf den Posten als MdB angewiesen.

Unabhängigkeit und Erfahrung

Er ist in allen Themen zumindest so weit „drin“, dass er ohne größere sachlich-fachliche Patzer Stellung beziehen kann.

Kubicki hat von dem Thema Ahnung, das derzeit mit Abstand das wichtigste für Deutschland ist: die Wirtschaft.

Fachwissen und politische Flexibilität

Und er ist flexibel genug, um nicht wie die Union in die Brandmauer-Falle zu tappen. Er hält stets ausreichend Distanz zu den Nationalkonservativen im rechten Parteienspektrum, ist aber nicht der Ausgrenzungsneigung verfallen, die die Demokratie mehr schädigt als jede Zusammenarbeit mit der AfD, der in Umfragen derzeit stärksten Partei in Deutschland.

Kubicki ist ein geduldiger Ungeduldiger: ungeduldig als Mensch, als Typ; geduldig aus der Erfahrung des Alters (74 jahre). Er weiß, dass er und die FDP jetzt einen langen Atem brauchen und die Umfragewerte nicht kurzfristig nach oben schießen werden.

Geduld und strategischer Zeithorizont

Kubicki ist erfahren. Er hat sich ein dickes Fell zugelegt. Kritik an seiner Person ist ihm nicht gleichgültig, aber sie „triggert“ ihn auch nicht, wie etwa Kanzler Friedrich Merz.

Erfahrung gibt ihm die Geduld, die er benötigt, um auf den Zeitpunkt hinzuarbeiten, an dem die FDP wieder gebraucht wird – weniger als Mehrheitsbeschafferin wie in den Zeiten der alten Bundesrepublik, sondern als Stimme mit klaren Überzeugungen: für Eigenverantwortung und für einen Staat, der Regeln setzt, aber nicht alles steuert; einen Staat, der nicht nur fördert, sondern auch fordert.

Perspektive und Rolle der FDP

Eine Stimme, die auch das Scheitern akzeptiert und sich traut, unbequeme Diskussionen zu führen. 

Ich glaube an die Zukunft der FDP. Nicht nur, weil Totgesagte länger leben. Der liberale Geist ist in Deutschland weiterhin lebendig – und seine Stunde wird wieder kommen. Es braucht dafür Geduld. Und einen Wolfgang Kubicki, meint Ihr Ralf Vielhaber
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