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Wer zahlt für Kinderlose? Der verdrängte Konflikt im Sozialstaat

Pflege, Rente, Elternunterhalt: Warum Familien im Sozialstaat doppelt zahlen

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag
Familien tragen den Sozialstaat doppelt: mit Beiträgen und mit Kindern. Kinderlose zahlen mit, aber nicht hinreichend für die reale Tragfähigkeit von Rente und Pflege. Wenn nun auch noch die 100.000-Euro-Grenze beim Elternunterhalt fällt, wird eine Schieflage verschärft, über die zu lange nicht offen gesprochen wurde. FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber stößt die Debatte an.

Kinder haften bei der Pflege für ihre Eltern. Jetzt will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Einkommensgrenze von 100.000 Euro Jahreseinkommen beim Elternunterhalt kippen. Fiskalisch ist das ein naheliegender „Move“. Doch tatsächlich ist dies ein weiterer Tritt vors Schienbein der Lebensform Familie.

Mir stellt sich da sofort die Frage: Wer zahlt für die Kinderlosen? Der (bisherige) Zusatzbeitrag von 0,6 Prozentpunkten bei der Pflegeversicherung ist gemessen an den heutigen Pflegekosten ein Witz. Über ein Berufsleben von 40 Jahren kommt da im Normalfall bestenfalls ein niedriger fünfstelliger Betrag zusammen. Weit kommt man damit bei den heutigen Pflegekosten nicht. Danach zahlt die Allgemeinheit – eben auch jene, die schon ihre eigenen Eltern pflegen oder für deren Pflege aufkommen müssen. Für Unterhalt haftet die gerade Linie. Beim Erben können dagegen auch Seitenverwandte zum Zug kommen.

Der Sozialstaat ist nicht hinreichend solidarisch

Ich finde: Der Sozialstaat von heute ist dysfunktional. Er krankt nicht am Generationenkonflikt, sondern an der Besserstellung von Kinderlosen gegenüber Familien. Deshalb ist er auch NICHT hinreichend solidarisch. Wer Kinder hat, hält das gesetzliche Rentensystem in seiner heutigen Ausformung grundsätzlich aufrecht. Wer keine hat, tut das nicht hinreichend. Denn egal, wie hoch die Rentenbeiträge Kinderloser auch sind: Rentenbeiträge schaffen Rechtsansprüche. Sie schaffen aber keine künftigen Beitragszahler. Diese „Vorsorge“ leisten nur Familien.

Natürlich hat niemand Kinder, um die Sozialsysteme aufrecht zu halten. Wer die Diskussion auf dieses Gleis schiebt und am besten noch von „Mutterkreuz“ schwadroniert, will eine notwendige Diskussion bewusst im Keim ersticken. Natürlich gibt es Menschen, die keine Kinder bekommen können. Sie will ich dafür nicht „angreifen“. Faktisch profitieren sie jedoch durch geringere Belastungen. Der Sozialstaat belohnt Kinderlosigkeit materiell stärker, als die Debatte wahrhaben will. Viele reden sich und anderen ein, in die „heutige Welt“ können man keine Kinder mehr „setzen“. Teilweise ist dieser Unsinn ernst gemeint, teilweise eine Ausrede.

Die Diskussion um den Sozialstaat auf die richtige Spur bringen

Kinder spenden sehr viel Freude. Aber sie schränken auch ein: bei der Karriere, im Urlaub und beim Partymachen. Finanziell kosten sie ein kleines Vermögen.

Der Sozialstaat krankt daran, dass wir das in der öffentlichen Debatte nicht thematisieren wollen. Stattdessen palavern wir immer weiter vom „Generationenkonflikt“. Doch was unterscheidet den kinderlosen Babyboomer von der Kinderlosen der Generation Z? Nichts. Entscheidend ist nicht das Geburtsjahr, sondern ob jemand Kinder großzieht oder nicht. Streiten wir also darüber, wünscht sich Ihr Ralf Vielhaber.
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