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Zurück im Land der Masken

Rückkehr aus der Freiheit

FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag FUCHSBRIEFE
Ich habe zwei Wochen in Schweden geurlaubt. Es war ein Gefühl von Freiheit und Normalität. Alter Normalität. Zurück in Deutschland , empfinde ich den hiesigen Umgang mit Corona umso schizophrener. Ein Kommentar von FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber
Zwei Wochen Schweden liegen hinter mir. Zwei Wochen gefühlte Freiheit. Ohne Maskenmänner und -frauen. Mit Abstandsgebotsschildern in den Einkaufsläden, die man kaum wahrnimmt. Weil sich niemand daran hält. Dort gehen die Kinder täglich zur Schule und wachsen ohne Psychosen auf. Weil sie auf dem Schulhof herumtollen können und Achtjährigen nicht das Tragen von Masken auferlegt und Abstandhalten eingetrichtert wird.

Anders, unser Vermieter, begrüßt uns mit „offenem Visier“, aber mit Ellenbogencheck – bei den Deutschen kann man nicht wissen. Beim Abschiednehmen gibt er uns die Hand. Zum Nachbarschaftsfest auf dem Land kommen die Menschen, junge wie alte, aus dem Umkreis von zig Kilometern zusammen und feiern mit Musik das Ende der Coronazeit. Zwei Meter Abstand halten, heißt es in der Einladung und dann sitzen doch alle eng zusammen, trinken Kaffee und reden, darunter viele Alte, ohne Maske und ohne Angst.

Fremdenverkehr leidet

Freilich sind auch in Schweden Museen und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen. Man sah sich als ausgegrenzt an unter den EU-Ländern, denn Schweden ging von Anfang an seinen eigenen Weg. Das mag man in der EU nicht. Die Quarantänepflicht für Rückkehrer wurde erst Mitte Juli aufgehoben. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Tag hat man zur (beliebigen) Scheidezahl erklärt.

Schwedens Fremdenverkehr leidet, denn die Fremden bleiben in diesem Jahr aus. Wo in den Küstenstädten Westschwedens sonst Hunderttausende urlauben, sind die Schweden in diesem Jahr fast unter sich. Die skandinavischen Nachbarn meiden das Land ebenfalls. Die wohlhabenden Gäste aus Norwegen sind in der Heimat geblieben, ihre Sommerhäuser stehen leer. Deutsche sind nur selten anzutreffen. Auf den Ostseefähren, auf denen Pkw und Lkw sonst dicht an dicht stehen und auf dem Sonnendeck nur schwer Plätze zu ergattern sind, ist reichlich Luft.

Zurück im Land der Corona-Schizophrenie

In Schweden, so scheint es mir, wird die Grenze kontrolliert und dahinter beginnt die Freiheit. In Deutschland ist es umgekehrt. Man fährt ungehindert hinein. Dafür gibt es dann die täglichen Reglementierungen. Ich komme an im Land, wo der strenge Herr Söder als Corona-Held gefeiert wird, obwohl Bayern 2.622 „Corona-Tote“ beklagt und der vermeintlich lasche Herr Laschet zum Corona-Loser abgestempelt wird, obwohl das dichter besiedelte Nordrhein-Westfalen nur 1.739 Todesfälle „an und mit Corona“ verzeichnet.

Ich komme an im Land, wo man in der Öffentlichkeit tägliche Infektionszahlen wichtiger nimmt als tatsächliche schwere Erkrankungen. Wo man erst die Wirtschaft per Lockdown fast ruiniert, um sie dann mit Milliardenhilfen wieder aufzubauen. Wo Krankenhausmitarbeiter kurzarbeiten und Betten leerstehen und Schwerstkranke Zuhause bleiben (müssen), weil sie unter der "falschen", gerade nicht angesagten Krankheit leiden. Wo Humanität eins der höchsten Güter ist und alte Menschen einsam sterben, weil ihre Kinder nicht mehr zu ihnen ins Altersheim dürfen. Wo die Generation der antiautoritären Erzieher gerade eine autoritäre Staatsführung für richtig hält.

Zweierlei Maß

Wo erst eine Pandemie der Digitalisierung auf die Sprünge hilft. Wo man bei Demos gegen Rassismus schon mal ein Auge zudrückt, wenn „Abstandsregeln nicht eingehalten werden können“, bei Demos gegen die Coronamaßnahmen die Polizei aber rigoros vorgeht. Wo niemand schlüssig erklären kann, warum in den USA oder Brasilien so viele Menschen „an und mit“ Covid-19 sterben, im menschenreichsten Land der Welt, Indien, mit teilweise miserablen hygienischen Zuständen, aber offenbar nur vergleichsweise wenige.

Wo man in Bussen und Bahnen nur mit Placebo-Masken sitzen darf. Wo die Behörden besonders lange und intensiv coronafrei machen – man muss ja die Mitarbeiter schützen. Und wo einem der Frisör zuraunt: „Schön, dass sie wieder mal da sind. Mit Ihnen kann man wenigstens frei sprechen. Wissen Sie was: Lassen Sie die Maske weg.“ Und wo selbst die Liberalen sich nicht richtig trauen, gegen den Zeitgeist aufzumucken, der sich träge der bequemen Staatswirtschaft hingibt.

 

Covid 19 ist und bleibt mir ein Mysterium. Und die hiesigen Reaktionen darauf auch. Herzlich grüßt Sie Ihr Ralf Vielhaber

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