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Weihnachtsmärchen aus der Bundeshauptstadt

Wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut – ist das manchmal so gewollt.

Jahresempfänge sind dazu da, dass Menschen miteinander kommunizieren. Da jeder eine „Hundemarke" trägt – ein Namensschild mit Personen- und Unternehmensnamen – sind die Rollenverteilungen gewöhnlich klar. Jeder weiß, was er sagen will und darf. Doch manchmal kommt es zu „Versehen". Dann erfährt man etwas über Dichtung und Wahrheit. So erging es jüngst Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber.

Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit der Jahresempfänge in Berlin. Hier treffen sich bei zahllosen Hauptstadt-Events Vertreter von Verbänden, Bundestagsabgeordnete, Leitende aus den verschiedenen Industrien. Und immer auch ein paar Journalisten.

Mir vertraute sich dabei der politische Lobbyist eines DAX-Konzerns an, den ich zu seiner Arbeit befragte. Vielleicht wird er nicht sehr häufig danach gefragt, jedenfalls schien er nicht unglücklich, dass sich mal jemand näher dafür interessiert. Er habe pro Jahr eine Reihe von Kernfragen für sein Unternehmen zu bearbeiten, sagte er. Gewöhnlich gehe es um Schadensabwehr. Eindeutige Zielerreichungs-Vorgaben von Seiten des Konzerns gebe es dabei aber nicht.

Er müsse dann vor allem die Berichterstatter der zuständigen Bundestagsausschüsse sehen und mit ihnen diskutieren, den zuständigen Sachbearbeiter im Ministerium und möglichst auch den Abteilungsleiter. Auf den Empfängen hoffe er auf mit der Sache befasste Abgeordnete zu treffen, um auch sie (noch einmal) von der Position des Unternehmens zu überzeugen. So weit, so banal.

Mauern der Kommunikation

Ein wenig überraschend aber war für mich der Nachsatz. Es gebe zwischen der politischen Abteilung und der Kommunikationsabteilung eine „Mauer". Die Kollegen wüssten gar nicht – und sollten auch nicht wissen – was er mache. Denn: Die interne Position des Unternehmens und das, was nach außen kommuniziert würde, stimmten oft nicht überein, ja stünden sogar immer wieder in Gegensatz zueinander.

Ich fragte noch nach Beispielen, und er nannte sie. Allerdings werde ich sie nicht aufdecken, um den leutseligen Mann nicht zu desavouieren. Erst als er mir diese dargelegt hatte, begann er sich näher für mich zu interessieren. Dann versiegte der Redefluss.

Fazit:

Märchen werden also keineswegs nur zur Weihnachtszeit erzählt. Auf diese Weise habe ich noch einmal bestätigt bekommen, wie wichtig es ist, als Journalist (fast) alles zu hinterfragen – so, wie wir es tun. Vor allem, wenn es für einen schon „vorgekocht" ist. Das Gegenteil könnte nämlich richtig sein. Passt man nicht auf, wird man als Journalist selbst zum Märchenonkel. Frisch sensibilisiert grüßt Sie Ihr 

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