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Deutschland muss einfacher werden

Wie der Fachkräftemangel zum Segen werden kann

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber
In Deutschland herrscht Personalnot. Zudem ist das Land überreguliert. Beides gehört zusammen. Wir und unsere Politiker werden dazu umdenken müssen. Je rascher desto besser, meint FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. Dann kann aus dem Fluch des Fachkräftemangels ein Segen für das Land werden.

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht. Ich weiß nicht, ob ein Deutscher das Bonmot erfunden hat; auf Deutschland und „die Deutschen“ passt es allemal. Angetrieben vom Wunsch, Gerechtigkeit und Klarheit zu schaffen, gibt es für alles und jedes Detailregelungen, und das am besten noch unterschiedlich je nach Bundesland: siehe Grundsteuer-Erhebung.

Angefangen vom Steuerrecht bis hin zur Handwerksordnung und Ausschreibungsregelungen verlieren wir uns im Dickicht von Klein-Klein. Das Ergebnis ist nicht nur ein Mangel an Transparenz – man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr; diese Intransparenz führt zudem noch zu einem latenten Gefühl von Übervorteilung. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut …

Fehlen wirklich 360.000 Beamte?

In Deutschland fehlen 360.000 Beamte, behauptet der Chef der Beamtengewerkschaft dbb, Ulrich Silberbach. Das ist vielleicht richtig, wenn alles so bleibt, wie es ist. Wenn es die liebste Beschäftigung der Politik bleibt, den 1.773 Bundesgesetzen mit 50.738 Paragrafen und 2.795 Bundesrechtsverordnungen mit 42.590 Paragrafen jedes Jahr Hunderte hinzuzufügen. Hinzu kommen die Gesetze und Rechtsverordnungen der sechzehn Länder.

Doch das muss es ja nicht. Gesetze mit automatischem Ablaufdatum, das ist schon lange im Gespräch. Das mag alles nicht der Weisheit letzter Schluss sein und kritisierbare Folgen haben. Aber niemand und nichts ist perfekt. Dieses Streben nach Perfektion werden wir aufgeben müssen, wo es nicht wettbewerbsfähig ist. Also faktisch in fast allen Bereichen.

Überforderung auf allen Gebieten

Unsere Behörden sind längst überfordert. Und die Bürger sind es auch. In den Finanzämtern stapeln sich die Grundsteuerformulare, die Beamten kommen nicht nach. Dabei hat ihnen der Bürger schon eine Menge Arbeit abgenommen. Zum „Lohn“ darf er jetzt länger auf seinen Lohn- und Einkommensteuerbescheid warten.

Unternehmen wie Privatleute haben es satt, immer mehr behördliche Aufgaben übernehmen zu müssen, um die Beamtenschaft zu entlasten. Bei der Grundsteuer streiken die Menschen im Großmaßstab. Nicht nur, weil sie die Neuregelungen vielfach als ungerecht empfinden und der vorgeblichen Aufkommensneutralität keinen Glauben schenken. Noch nie ist so offenbar geworden, dass der Bürger den Job des Verwaltungsbeamten übernimmt, weil der Staat es nicht mehr auf die Reihe kriegt, für die Umsetzung der eigenen Gesetze zu sorgen.

Kontrolle ist gut, Vereinfachung wäre besser

In Bussen und Bahnen haben es die Städte vielfach aufgegebenen zu kontrollieren, wer mit und wer ohne Fahrschein unterwegs ist. Es gibt kein Personal. Und es gibt kein bundesweites Ticket für den ÖPNV. Jeder Fahrgastverbund hat seine eigenen Regelungen. An jeder Stadtgrenze gelten andere Bedingungen. Es gibt viele Gründe, warum das so ist. Aber es gibt nur sehr wenige, warum das so bleiben soll. Außer, dass wir uns gerne selbst im Weg stehen wollen.

Das wird sich ändern (müssen). Deutschland wird einfacher werden (müssen). Denn dem wachsenden Fachkräftemangel werden wir weder durch – vielfach unqualifizierte – Einwanderung Herr, noch allein durch die Digitalisierung. Die Zauberworte heißen vielmehr Pauschalierung und Entschlackung. Weniger ist mehr, das gilt auch in der Gesetzgebung und bei Verwaltungsakten. Bei der Bund-Länder-Gemeinde-Finanzierung verwischen seit Langem ohnehin die Grenzen. Gehen wir also endlich an die Kompetenzen ran. 

Ähnliches gilt für die Gewerke

Ein guter Freund erzählte mir am Wochenende, dass die Renovierung seines Hauses eine als Subauftragnehmer arbeitende polnische Firma durchgeführt hätte. Dabei hätten sich die Handwerker, sagte er augenzwinkernd, nicht immer an alle Regeln gehalten. Die polnischen Tischler nahmen auch kleinere Arbeiten vor, die eigentlich Maler, Maurer und Elektriker hätten durchführen müssen. Ja, es gibt Gründe dafür, Gewährleistung beispielsweise, aber muss das so sein? Es sei jedenfalls alles zu seiner vollsten Zufriedenheit erledigt worden und nach inzwischen fünf Jahren haben sich kein Mangel gezeigt. „Die Deutschen denken zu kompliziert“, habe einer der Handwerker zu ihm gesagt. Das stimmt wohl.

Es geht doch

Spätestens bei der Einrichtung von LNG-Terminals haben wir erlebt, dass es auch anders geht. Not kennt kein Gebot. Doch warum immer warten, „bis die Hütte brennt“? Unsere Ansprüche schrauben wir doch faktisch ohnehin herunter. Bei der Ausbildung in der Schule, auf den Universitäten, in den Gewerken. Wir lassen ausländische Abschlüsse zu, damit Menschen hier arbeiten können.

Das ist nicht immer gut. Aber es ist pragmatisch und lösungsorientiert. Und wir sind gerade in einer politisch disruptiven Phase, um es mal Neudeutsch auszudrücken. Liebgewonnene Unverrückbarkeiten in der Politik werden gerade über Bord geworfen. In der Energiepolitik, Außenpolitik, Verteidigungspolitik. Warum also nicht auch hier. Es täte uns so gut. Und wir müssten weit weniger über Fachkräftemangel lamentieren. Der Fluch kann zum Segen werden, meint Ihr Ralf Vielhaber
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