Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2933
Wenn Politik Recht ersetzt: Merz, Iran und die Erosion des Völkerrechts

Zeitenwende im Kriegsrecht: Merz’ Logik und ihre globalen Folgen

„Verständlich“ statt „völkerrechtskonform“: Bundeskanzler Merz verschiebt den Maßstab zur Bewertung militärischer Gewalt – weg vom Recht, hin zur politischen Einordnung. Das macht Kriege global leichter begründbar und schwächt den gemeinsamen Rahmen. Wer so urteilt, riskiert am Ende das Recht des Stärkeren. Die Folge: mehr Bewegungsfreiheit für Regierungen, weniger Ordnung für die Welt.

Es gibt viele Einordnungen von Krieg. Manche sind völkerrechtliche Kategorien (Angriffskrieg, Verteidigungskrieg, humanitäre Intervention), manche politische Rechtfertigungen („legitim“, „gerechtfertigt“, „verständlich“), wieder andere Erzählkategorien („Unrechtsregime“, „Terrorstaat“, „Schutz der eigenen Bevölkerung“).

Politiker bedienen sich je nach Interessenlage mal aus der einen, dann aus den anderen Schubladen. Der Bundeskanzler hat am Wochenende in die dritte gegriffen, als er aufgefordert war, gegen die Militärschläge der USA und Israels gegen den Iran Stellung zu beziehen. Am Sonntag sagte Friedrich Merz: „Wir sehen das Dilemma, dass … mit völkerrechtlichen Maßnahmen … offensichtlich nichts zu erreichen ist.“ Und kategorisierte den Militärschlag gegen Teheran als „nachvollziehbaren, verständlichen“ Krieg.

Politische Einordnung statt Rechtsmaßstab

Vermutlich war das eine der zahllosen Impulsreden, die der Bundeskanzler in seiner noch kurzen Amtszeit gehalten hat. Er lässt kurz die Sonne durch die ansonsten dichte politische Wolkendecke brechen und erhellt die Szenerie, bevor erneut die politischen Nebelmaschinen zum Einsatz kommen.

Merz lässt klar durchblicken: Es macht sich vor allem im Westen eine neue Kriegslust breit, weil „mit völkerrechtlichen Maßnahmen … offensichtlich nichts zu erreichen ist“. Mit anderen Worten: Das Völkerrecht hat politisch ausgedient. Das ist eine Zeitenwende, zweifellos.

Der Preis des Völkerrechts

Das Völkerrecht hat keinen Staat oder Staatenbund davon abgehalten, Krieg zu führen. Aber es hat den Preis dafür nach oben getrieben. Es war ein Maßstab für die Welt. Wer gegen das Völkerrecht operierte, musste einen Ansehensverlust hinnehmen. Deutschland und Europa haben sich stets auf das Völkerrecht berufen, auch wenn sie nicht immer konsequent danach gehandelt haben. Merz räumt diesen Maßstab ab. Er ordnet das Völkerrecht als Firnis ein, die immer heftiger abblättert.

Sein Maßstab ist er selbst. Der Krieg sei verständlich. Weil er gegen ein Unrechtsregime geführt wird, weil der Iran zur Atombombe greift und eine immer größer werdende Gefahr für die Region und andere Staaten zu werden droht. Und weil das Mullah-Regime Iran die eigene Bevölkerung unterjocht.

Vom Recht zur Perspektive

Ich kann Merz und seinem Maßstab in diesem Fall folgen. Aber klar ist: Diese Linie zur Rechtfertigung und Einordnung von Kriegen wird weltweit verstärkt zur Anwendung kommen. Maßstab ist nicht mehr das Völkerrecht, sondern die jeweils eigene Sicht auf die Dinge.

Was damit ebenfalls verloren geht – und hier wird es konkret – ist ein Rechtfertigungsgrund, gegen Aggressoren einzuschreiten. Die EU hat dies zuletzt und besonders deutlich gegen Russland getan, das einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Einen Krieg, für den Russland ähnliche Begründungen hervorbrachte wie Merz im Falle des Iran. Konsequenterweise müsste die EU, müsste Deutschland auch die Stimme gegen USA und Israel erheben – wenn das Völkerrecht der Maßstab ist. Für den deutschen Bundeskanzler ein Ding der Unmöglichkeit.

Merz sprengt die argumentativen Ketten. Aber zu einem hohen Preis. Im Kern gilt nun das Recht des Stärkeren. Kurz: Es wird leichter, Krieg zu führen.
Neueste Artikel
  • Kapital steuert Zukunft – urgewald definiert Verantwortung neu

Die urgewald Stiftung startet ihre strengste Ausschreibung und fordert Haltung, Präzision und Wirkung

Illustriert mit Microsoft Copilot
Die urgewald Stiftung richtet ihr Vermögensmanagement neu aus. Gesucht wird ein Partner, der finanzielle Stabilität mit kompromissloser Nachhaltigkeit verbindet. Der Auswahlprozess folgt strengen Vorgaben – von klaren Ausschlusskriterien über transparente Kostenmodelle bis zum Beauty Contest vor den Gremien. Wer überzeugt, trägt zur Mission der Stiftung bei: Finanzströme in fossile Industrien und andere zerstörerische oder menschenrechtsverletzende Sektoren zu stoppen und Wirkung zu entfalten.
  • Fuchs plus
  • FUCHS-Produktcheck: Earth Strategic Resources Fund – R

Nachhaltiger Rohstofffonds für die Energiewende-Profiteure

Der Iran-Krieg lenkt den Fokus auf den Rohstoffmarkt: Steigende Öl- und Gaspreise und die Energiewende machen Rohstoffe wie Kupfer und Lithium attraktiv. Der Earth Strategic Resources Fund bietet Investoren mit Nachhaltigkeitsfokus Chancen, von diesem Boom zu profitieren. FUCHS-Kapital hat sich angesehen, ob Rohstoff-Exploration und Nachhaltigkeit erfolgreich kombiniert werden können.
  • Fuchs plus
  • Atomkraft-Renaissance: Brüssel setzt jetzt wieder auf Kernkraft

Energie: Deutschland setzt auf Kernfusion

Die EU vollzieht einen Strategiewechsel und setzt wieder auf kleine Atomkraftwerke. Für Deutschland ist das keine realistische Option. Allerdings könnte die Kernfusion den Industriestandort Deutschland stärken.
Zum Seitenanfang