NATO-Bruchlinien vertiefen sich: Europa reagiert militärisch
Auf dem Grönland-Gipfel in Washington hat sich der Vertrauensbruch zwischen den USA und Europa vertieft. Denn das Treffen zwischen den Außenministern der USA (Marco Rubio), Dänemarks (Lars Løkke Rasmussen) und Grönlands (Vivian Motzfeldt) im Weißen Haus führte nicht zu einem Durchbruch.
US-Präsident Donald Trump erneuerte offen seinen Anspruch auf Grönland. Dänemark und die grönländische Regierung bestanden auf Grönlands Recht auf Selbstbestimmung. In Grönland selbst lehnt laut Umfragen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (ca. 85 %) eine Zugehörigkeit zu den USA ab.
Europa kann einen US-Angriff auf Grönland nicht sicher ausschließen
Die EU kann auch nach dem Treffen ein militärisches Abenteuer Washingtons in Grönland nicht ausschließen. Vielmehr wird es in Europa inzwischen als realistische Möglichkeit einkalkuliert - undpräventiv agiert. Mit der „Operation Arctic Endurance“ reagiert Europa erstmals militärisch koordiniert auf Drohungen eines NATO-Partners. Frankreich hat Gebirgsspezialisten entsendet, Deutschland ein Erkundungsteam, Norwegen und Schweden beteiligen sich an dänischen Manövern.
Die Reaktion Europas ist Symbolik. Sie signalisiert: Europa hält ein Szenario für denkbar, in dem es eigene Interessen gegen die USA absichern muss. So kann die NATO institutionell nicht überleben (FB vom 08.01.). Europa muss ernsthaft einkalkulieren, dass völkerrechtliche und bündnispolitische Rücksichten für Washington im Zweifel nachrangig sind. Denn Trump stellt nicht mehr nur politische Forderungen, sondern bezeichnet Grönland für die USA explizit als sicherheitspolitisch relevant.