KMU-Finanzierung: Risiko demografischer Wandel
In den nächsten Jahren wird eine wichtige Stütze der Kreditfinanzierung für Unternehmen struktruell schwächer. Denn die Regionalbanken, also Volks- und Raiffeissen-Banken und die Sparkassen, werden spürbar Kunden und Einlagen verlieren. Derzeit sind die über 1.000 Regionalbanken in Deutschland ein wesentlicher Finanzier des Mittelstands. Die KMU (kleinen und mittleren Unternehmen) Deutschlands finanzieren etwa ein Drittel ihrer Investitionen über Bankkredite. Gut 60% dieser Kredite werden von Regionalbanken ausgegeben.
Für die Regionalbanken wird die demografische Entwicklung zum Problem. Bis 2045 wird die Bevölkerung Deutschlands sinken. Damit geht ein Schrumpfen der Einlagen einher. Bundesweit werden sie in 20 Jahren im Durchschnitt um 0,7% unter dem aktuellen Stand liegen. Ein Blick auf die Sektoren: Privatbanken können weiter mit einem Wachstum von 4,5% rechnen. Sparkassen verlieren 2,6% der Einlagen. VR-Banken müssen mit Rückgängen um 1,7% rechnen. Das zeigt eine Untersuchung des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Regionen in Deutschland sind unterschiedlich stark davon betroffen. Regional können Rückgänge um über 30% möglich sein.
Problem-Regionen im Blick
Wo die Bevölkerung am deutlichsten zurückgeht, werden VR-Banken und Sparkassen deutlich weniger Kredite geben können. Besonders davon betroffen ist Ostdeutschland, mit Ausnahme der Kreise um Berlin und der großen Städte.
Auch in den westlichen Bundesländern gibt es schrumpfende Regionen. Dazu zählen der Norden Bayerns und Baden-Württembergs und das gesamte Saarland, aber auch weite Teile von Rheinland-Pfalz, mit Ausnahmen der Regionen entlang des Rheins und an der Grenze zu Luxemburg. Der Norden Hessens und der mittlere Teil Nordrhein-Westfalens vom Ruhrgebiet bis ins Sauerland (Kreis Arnsberg) werden ebenfalls negativ betroffen sein, genau wie das südliche Niedersachsen, die Küstenregionen an der Nordsee.