E-Autos fahren den Haushalt in ein Dilemma
E-Autos werden die Haushaltsprobleme beschleunigen. Denn der absehbar wieder höher subventionierte Hochlauf der Elektromobilität wird für den Bundeshaushalt teurer als vielfach angenommen. Eine Analyse von EY zeigt: Bis 2030 könnten dem Staat Einnahmen von rund 38 Mrd. Euro entgehen. Der zentrale Punkt ist aber weniger die direkte Förderung von E-Autos, sondern der kontinuierliche Wegfall der Mineralöl- bzw. Energiesteuer, einer der wichtigsten Verbrauchssteuern.
Die von EY zugrunde gelegten Annahmen sind realistisch. 2025 wurden rund 545.000 reine E-Autos (+45%) und 300.000 Plug-in-Hybride (+62%) neu zugelassen. EY rechnet in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich 1,24 Mio. Neuzulassungen pro Jahr für beide Antriebsarten zusammen. Selbst bei einer deutlichen Abflachung des Wachstums liegt diese Größenordnung im Bereich des Erwartbaren – zumal politische Zielmarken (15 Mio. E-Autos bis 2030) offiziell weiter gelten.
Hohe negative Effekte auf den Bundeshaushalt
Direkte Förderungen (3.000 bis 5.000 Euro je Fahrzeug) schlagen mit rund 3 Mrd. Euro zu Buche. Die Steuervorteile für E-Dienstwagen kosten rund 10 Mrd. Euro, die Kfz-Steuerbefreiung weitere 3,9 Mrd. Euro. Das ist relevant, aber nicht entscheidend.
Den größten finanziellen Effekt haben die entgangenen Einnahmen aus der Energiesteuer. EY beziffert das Minus bis 2030 auf rund 39 Mrd. Euro. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Stromsteuer (ca. 8,3 Mrd. Euro) gleichen das nur teilweise aus. Unter dem Strich summieren sich die Mindereinnahmen auf 21,5 Mrd. Euro Mindereinnahmen.
Politische Brisanz: Ein Systemfehler wird sichtbar
Die Zahlen legen einen grundlegenden Konstruktionsfehler offen. Der Staat finanziert Infrastruktur, Verkehr und Klimapolitik in hohem Maße über den Verbrauch fossiler Energie – und entzieht sich mit dem politisch gewünschten Umstieg auf Elektromobilität selbst die Einnahmebasis. Das ist ein strukturelles und wachsendes Problem.
Die Politik wird darum absehbar handeln und umsteuern müssen. Es ergeben sich drei Ableitungen.
- Der Zielkonflikt zwischen Klimapolitik und Haushaltsstabilität verschärft sich. Je erfolgreicher die Verkehrswende, desto größer das fiskalische Problem. Das erhöht den Anreiz, die Transformation langsamer oder teurer zu machen.
- Die Debatte über eine nutzungsabhängige Besteuerung von Mobilität wird neu geführt werden (Pkw-Maut, höhere Stromsteuern für Verkehrszwecke).
- E-Auto-Privilegien werden strukturell unter Druck geraten. Steuerliche Vorteile für Dienstwagen und die Kfz-Steuerbefreiung dürften perspektivisch immer schwerer haltbar sein, wenn gleichzeitig Haushaltslöcher wachsen.
Fazit: Elektromobilität ist klimapolitisch gewollt, fiskalisch aber unvollständig durchdacht. Der Staat fährt auf Sicht. Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet das, sich frühzeitig auf neue Belastungsmodelle einzustellen. Die nächste Phase der Verkehrswende wird weniger von Kaufprämien geprägt sein – sondern von der Suche nach neuen Einnahmequellen.