Energie: Deutschland setzt auf Kernfusion
Die Renaissance der Atomkraft in Europa ist durch die EU eingeleitet, Deutschland wird neue industrieelle Chancen aber hauptsächlich in der Kernfusion nutzen müssen. Sie wissen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte auf einem Nuklearkongress in Paris die bisherige Abkehr von der Kernkraft in Europa als „strategischen Fehler“ bezeichnet und eine „Renaissance der Kernenergie“ gefordert.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) schließt einen energiepolitischen Kurswechsel für Deutschland aber weiter aus. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer sieht das anders. Er sagte den FUCHSBRIEFEN, dass Deutschland als große Industrienation sehr genau beobachten müsse, welche Entwicklungen es weltweit gebe und nutzbringend Technologien nicht ohne Not aufgeben solle. Allerdings ist das das Knowhow für den Bau klassischer Akw bereits verkauft. Deutschland wird darum nicht vom Auf- und Ausbau kleiner modularer Reaktoren (SMR) profitieren, die eine klimaneutrale Energieversorgung in der EU sichern sollen.
Deutschlands Chance: Kernfusion
Deutschlands große Chance liegt in der Nutzung der Kernfusion. In dieser Spitzentechnologie nimmt Deutschland weltweit eine Führungsposition ein. „Hier gibt es vielfältige unternehmerische Aktivitäten und Deutschland ist in der Forschung international führend." So schätzt das Guido Knott, CEO bei Preussen-Elektra gegenüber FUCHSBRIEFEN ein. Seine Prognose: "Ein kommerziell betriebener Fusionsreaktor könnte in den nächsten 15 bis 20 Jahren in Deutschland Strom liefern“.
Laut Knott hat Deutschland kein eigenes Knowhow mehr, um SMR zu entwickeln. "Wir könnten sie vielleicht betreiben, aber in unserem regulatorischen Umfeld ist das wirtschaftlich nicht darstellbar“, so Knott. In der Kernfusionstechnologie habe Deutschland aber immer noch einen Vorsprung. Die Kernfusion, bei der leichte Atomkerne verschmelzen, z. B. mit Wasserstoff, ist im Gegensatz zur Kernspaltung herkömmlicher AKWs sauberer, sicherer und sogar theoretisch ergiebiger. Beide Verfahren setzen enorme Energiemengen frei und sind weitgehend klimaneutral. Bei der Kernfusion entstehen aber keine langlebig hochradioaktiven Abfälle, sondern Materialien, die nach einigen Jahrzehnten wiederverwendet oder freigegeben werden können.
Energie-Kehrtwende der EU
In der EU werden einige Länder auf den Bau von SMR setzen. Brüssel will den Bau von SMR mit 200 Millionen Euro aus dem Emissionshandel fördern. Bis 2030 sollen sie in der der EU etabliert sein. Zuvor hatte bereits der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder die Rückkehr zur Kernkraft in Deutschland mit der SMR-Technologie gefordert. "Wenn es Innovationen gibt, die am Ende bezahlbar, gut für unsere Energieversorgung und für Klima sind, wäre es töricht, wenn Deutschland dann weiter abseits steht", so der CDU-Ministerpräsident weiter.
China setzt auf Atomkraft
Eines der weltweit ambitioniertesten Akw-Ausbauprogramme hat China. Bereits heute sind dort 58 Kernkraftwerke mit einer installierten Nettogesamtleistung von 56,93 GW am Netz, über 30 befinden sich im Bau und noch einmal so viel in Planung. Bis Mitte des Jahrhunderts will China den Atomstromanteil auf 15% verdreifachen.