Energie und Landwirtschaft verbinden
Die EU hat die Einführung von E20 an den Tankstellen erwogen - zu Sicherung der Versorgung und der Stabilisierung der Preise. Passiert ist seitdem noch nichts. Parlamentarier drängen deshalb auf eine Entscheidung.
„Neben der Elektromobilität ist Bioethanol eine der Technologien, die uns von den immer wieder zu befürchtenden Preisschocks bei fossilen Brennstoffen unabhängiger macht“, sagt Peter Liese, klimapolitsicher Sprecher der EVP-Fraktion und Vordenker für den Einsatz Nachwachsender Rohstoffe in Europa gegenüber den FUCHSBRIEFEN. Leider habe er bislang über die Ankündigung der Kommission hinaus noch keine klare Auskunft erhalten, wann der konkrete Gesetzgebungsvorschlag genau komme. „Ich dränge darauf, dass das bald passiert.“, sagt Liese.
Landwirte begrüßen Biosprit
Dann könnte die Entscheidung zügig umgesetzt werden. Unternehmen wie Bayer, Südzucker oder Verbio verfügen über das erforderliche Knowhow und Produktionskapazitäten. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und auch Landwirtschaftsminister Alois Rainer unterstützen die Einführung von Biokraftstoffen. Die Wende könnte, wenn sie beschlossen ist, schnell zur Verbesserung der Versorgungssicherheit und sinkenden Preisen an den Zapfsäulen führen, so wie es in den Vereinigten Staaten, Brasilien oder Indien schon der Fall ist.
„Wenn wir die Möglichkeit haben, solche Kraftstoffe im eigenen Land zu produzieren, sollten wir sie nutzen. Das hilft dem Klima und macht uns unabhängiger von fossilen Importen. In diesen unsicheren Zeit gilt: Versorgungssicherheit entsteht nicht am Weltmarkt, sondern vor der eigenen Haustür“, sagt Landwirtschaftsminister Alois Rainer. Der DBV geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir fordern die EU-Kommission auf, Normierung und Rechtsrahmen für E20 zügig zu schaffen“, sagt DBV-Klima- und Energieexperte Johann Meierhöfer.
Bayer und BP kooperieren in den USA
Für die landwirtschaftlichen Betriebe bedeute eine höhere Beimischungsquote einen zusätzlichen, planbaren Absatzkanal für Getreide und Zuckerrüben – insbesondere für Roggen und Futterweizen aus Grenzstandorten, so Meierhöfer gegenüber FUCHSBRIEFEN weiter. „Das stabilisiert Erzeugerpreise in einem Umfeld zunehmend volatiler Weltagrarmärkte, eröffnet wirtschaftliche Perspektiven in strukturschwachen Regionen und sichert qualifizierte Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Feld bis zur Raffinerie.“
Welche Perspektiven damit verbunden sind, zeigen der Leverkusener Chemiekonzern Bayer und der britische Ölmulti BP. Unter der Marke „newgold“ vermarkten die Konzerne für die Produktion von Biokraftstoffen demnächst die Ölsaat Camelina (Leindotter). Dabei bringt BP seine Expertise in den Bereichen Kraftstoffe und Raffinerie ein, während Bayer seine Kompetenz in der Saatgutentwicklung sowie sein Netzwerk in der Landwirtschaft nutzt.
USA sind Vorreiter
Den Markt für Biodiesel, erneuerbaren Diesel und nachhaltige Flugkraftstoffe schätzen sie bis 2040 auf 150 Milliarden Liter im Jahr, eine Verdreifachung des heutigen Volumens. „Wir sehen Biokraftstoffe als einen wichtigen Baustein für eine sichere, bezahlbare und klimafreundlichere Energieversorgung, insbesondere in Sektoren wie Transport, Luftfahrt und Schwerindustrie, die kurzfristig schwer zu elektrifizieren sind. Unser Ansatz ist es, die Landwirtschaft stärker mit der Energiebranche zu verbinden “, sagt Frank Terhorst, Leiter Strategie und Nachhaltigkeit für die Bayer-Division Crop Science, den FUCHSBRIEFEN.
Dass der Fokus der Unternehmen auf den USA, liegt ist leicht zu erklären. Laut Terhorst ergebe sich dort aus dem besonders attraktiven Marktumfeld: Klare politische Rahmenbedingungen verbindliche Beimischungsquoten, gezielte Förderprogramme und eine gut ausgebaute Infrastruktur würden Planungssicherheit und ermöglichen Skalierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette schaffen „Wir sehen aber auch durchaus Potenzial in Europa in den nächsten Jahren. Hierfür müssen aber die politischen Rahmenbedingungen stimmen“, sagt Terhorst. Mit anderen Worten: Jetzt sind EU und Bundesregierung am Zug.