Familienunternehmer mit neuer AfD-Strategie
Die Familienunternehmer haben das bisherige "Kontaktverbot" zur AfD aufgehoben und beginnt, die rigorose Brandmauer abzutragen. Die Lobbyorganisation, die rund 6.500 Familienunternehmen vertritt, hatte jüngst einen AfD-Vertreter zu einem parlamentarischen Abend eingeladen. Aus dem Verband hieß es analytisch klar: "Das Konzept, die AfD von allem auszuschließen, ist gescheitert. Wir verabschieden uns von Brandmauern."
Verschiebung der politischen Landschaft
Die Verschiebung der politischen Landschaft bekommt damit einen neuen Impuls. Wichtige Vertreter der Wirtschaft tasten sich an die rechtspopulistische Partei heran, die in Teilen rechtsextrem ist. Die neue Strategie der Familienunternehmer ist ein Signal. Denn die wirtschaftsliberale Mitte gilt traditionell als Teil des stabilen demokratischen Spektrums. Sie ist vorsichtig, risikoavers und auf Reputation bedacht. Allerdings ist sie auch pragmatisch und zu dem Schluss gekommen, dass der AfD nicht durch pauschale Ausgrenzung beizukommen ist.
Der Richtungswechsel der Familienunternehmer zeigt drei Entwicklungen:
- Der Pragmatismus verdrängt die Abgrenzung: Viele Mittelständler fühlen sich von der Regierungspolitik überfordert (hohe Energiepreise, Bürokratie, Steuerdruck, Standortunsicherheit). Die AfD spricht diese Themen in einer für Unternehmer anschlussfähigen Sprache an. Die Versuchung wächst, politisch „neue Optionen“ zu erschließen.
- Die Brandmauer bröckelt an der gesellschaftlichen Basis: Während Parteien, viele Medien und Großkonzerne die Abgrenzung aufrechterhalten (die Deutsche Bank hat den Familienunternehmer prompt einen Mietvertrag gekündigt), stellen Verbände immer lauter die Frage: Warum sollen wir mit einer Partei, die bundesweit in Teilen stärkste Kraft ist, nicht reden?
- Die politische Kultur verschiebt sich: Moralische Grenzziehungen treten in den Hintergrund. Das ist ein Zeichen für Normalisierung.
Kurswechsel verschärft strategisches Dilemma der Union
Der Kurswechsel der Familienunternehmer wird für die Regierung ein Problem. Denn er verschärft für die Union, deren Machtoptionen schwinden, ein strategisches Dilemma. Der Druck aus dem Unternehmer-Lager steigt, pragmatische Wege zu suchen, um Politik für Deutschland zu machen. Die Diskussionen über den richtigen Umgang mit der AfD dürften in der Union an Schärfe gewinnen. Je mehr Akteure die AfD als normale Kraft akzeptieren, desto schwieriger wird die pauschale Ausgrenzung der Partei.