Generationen-Konflikt in der FDP
Die FDP steht vor ihrem Parteitag vor einem offenen Generationen-Konflikt um die neue Führung. Denn auf dem Parteitag (30./31.5. in Berlin) geht es - mal wieder - um Personal- und Richtungsentscheidungen, mit denen sich die Liberalen neu aufstellen und die Rückkehr in den Bundestag vorbereiten wollen. Aber die Ausgangslage für die Partei ist nach der verlorenen Wahl im Stammland der Liberalen schlechter als in vorigen Krisen.
Offiziell geht es vor dem Parteitag um Inhalte. Intern wird intensiv am künftigen Grundsatzprogramm gearbeitet. Dabei muss die FDP einen Zielkonflikt lösen. Denn Personal- und Programmfrage lassen sich nicht trennen. Wer die Partei führt, wird auch definieren, wie sie sich strategisch positioniert. Der Vorsitzende ist das Gesicht der Partei und steht für den Kurs in die Zukunft. Das Problem: Die FDP will jetzt zuerst über den neuen Kopf entscheiden. Erst danach soll die programmatische Feinjustierung erfolgen. Das ist kontrapoduktiv.
Kubicki gegen Höhne
Im Zentrum des Generationen-Konflikts stehen zwei Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wolfgang Kubicki, das erfahrene und bestens vernetzte „Schlachtross“ der Partei steht Henning Höne gegenüber, der als Vertreter einer jüngeren Generation gilt und insbesondere aus seinem Landesverband Nordrhein-Westfalen Rückenwind bekommt.
Kubicki bringt Erfahrung, Bekanntheit und Zeit mit. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil im politischen Betrieb, der hohe Präsenz verlangt. Höne muss seine Ambitionen parallel zum Tagesgeschäft organisieren. Genau darin liegt sein struktureller Nachteil – aber auch seine politische Chance.
Kubicki versucht, Höne vor sich herzutreiben
Kubicki ist sehr präsent, deutet einen Kurswechsel der Partei unter seiner Führung nach rechts an und stichelt in Richtung Höne. In der FDP rumort es deswegen. "Nichts davon ist abgesprochen, manches auch nicht klug für die Partei", klagt ein Insider gegenüber FUCHSBRIEFE. Darum wachse in der Partei der Widerstand gegen Kubicki. "Viele sehen in ihm - entgegen der eigenen Wahrnehmung - nicht mehr das Zugpferd, das die FDP wiederbeleben kann, sondern ein Auslaufmodell"
Der Wunsch nach einem klaren Neuanfang in der FDP ist spürbar. Darum deutet sich eine Kampfkandidatur an – mit offenem Ausgang. Die FDP könnte mit einem Neuanfang den Grundstein für ein Revival der Partei als wirtschaftsliberale Kraft mit Kompetenz und Sachverstand legen. Gerade im aktuellen wirtschaftspolitischen Umfeld wäre genau das gefragt.