GKV-Sparpaket schwächt Pharmastandort D
Die GKV-Reform könnte zu einer erheblichen Belastung für die Pharma-Branche werden. Das problematische daran: Bislang ist die Pharmaindustrie auch in der Rezession einer der wenigen Lichtblicke in Deutschland gewesen. Die Branche hat Jobs aufgebaut und kräftig in die Produktion investiert. Doch das wird sich jetzt ändern. Die US-Zölle und jetzt das Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken setzt den Unternehmen zu.
Mit der Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung könnte die Schlüsselindustrie abrutschen. Statt weiter zu wachsen und den Standort D zu stabilisieren, droht eine ähnliche Entwicklung wie in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Die Branche könnte zum nächsten Sorgenkind werden. „Das Spargesetz wird den bisherigen Aufwärtstrend der pharmazeutischen Branche in Deutschland beenden. Vor allem der dynamische Herstellerrabatt nimmt den Unternehmen Planungssicherheit.“ Das sagt vfa-Präsident Han Steutel. Die Folge: Künftig werden Investitionen und Jobs außerhalb Deutschlands aufgebaut.
Deutsche Referenzpreise gelten international
Hinzu kommen Effekte, die bei einer auf die Stabilisierung der Krankenkassen gerichteten Betrachtungsweise schnell übersehen werden. Da die deutschen Preise für Medikamente in rund 30 Ländern als Referenz gelten, verlieren pharmazeutische Ausfuhren an Wert und wirken sich negativ auf die deutschen Exporte aus.
Beispiel USA: Nach Einschätzung des Verbandes werden sich auch die Vereinigten Staaten, das Exportland Nummer 1 für die heimischen Pharmaprodukte, künftig an deutschen Preisen orientieren. Allein im US-Geschäft dürften der Branche bis 2030 dadurch zwölf Milliarden Euro verloren gehen, mit Folgen entlang der Wertschöpfungskette. Den Minderausgaben in der GKV stehen so Verluste bei Steuern und Abgaben in Milliarden-Höhe gegenüber.
Investitionseinbrüche erwartet
Unter dem Strich wird sich auch dies auf den deutschen Standort auswirken. Allein bei den Investitionen rechnet die Branche wir mit deutlichen Einbrüchen. Laut dem vfa werden bis in das Jahr 2030 deutlich mehr als vier Milliarden Euro für Hightech-Produktion und Forschung verloren gehen. „Das wird Deutschland in Zukunft fehlen. Das wird die Wirtschaftskraft schwächen“, sagt Steutel.
Die Pharmaindustrie steht hierzulande für rund 300.000 Arbeitsplätze und eine weit überdurchschnittliche Wertschöpfung. Jeder Euro Wertschöpfung in der Branche erzeugt zwei Euro zusätzliche Wertschöpfung in anderen Branchen. Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 49 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik.