Hellgrünes Licht für neue Gaskraftwerke
Noch vor der Sommerpause könnten neue Gaskraftwerke in Deutschland ausgeschrieben werden. Hintergrund: Das Kabinett hat den Gesetzentwurf von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche durchgewinkt. Die Gaskraftwerke sollen die Grundlast der Stromversorgung in Deutschland rund um die Uhr sicherstellen - unabhängig von Sonne und Wind.
Neue Gaskraftwerke sollen schon H2-ready sein
Die Versorger stehen schon in den Startlöchern. Stimmt der Bundestag zu, werden schon im Sommer 11 Gigawatt Leistung ausgeschrieben. Uniper, RWE und EnBW, die großen drei der deutschen Energiebranche, planen nach einer Umfrage der FUCHSBRIEFE bereits den Bau neuer Anlagen. Die sollen später auch auf Wasserstoffbetrieb (H2-ready) umgestellt werden können. Vattenfall, EWE und die MVV winken dagegen ab.
„Erneuerbare Energien brauchen eine Lebensversicherung - und die heißt gesicherte Leistung", erklärt Reiche. Wer den Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg ernst meint, müsse jetzt flexible Kraftwerke und neue Kapazitäten auf den Weg, so die Ministerin. Mit dem Gesetz (StromVKG) wird laut Ministerium der Rahmen geschaffen, damit auch zukünftig ausreichend zuverlässige Kraftwerke zur Verfügung stehen. Die Ausschreibungen an gesicherter Leistung folgen in mehreren Runden in den Jahren 2026, 2027 und 2029.
2027 und 2029 wird erneut ausgeschrieben
Nach Inbetriebnahme spätestens 2031 müssen die Anlagen über einen Zeitraum von 15 Jahren verfügbar sein. Zur Teilnahme an den Ausschreibungen sind ab 2027 dann auch bestehende Kraftwerke sowie steuerbare Kapazitäten berechtigt. Der Neubau der Kraftwerke wird notwendig, weil Deutschland bis 2038 aus der Kohleverstromung austeigt.
Welcher Versorger sich mit wie vielen Neubauten beteiligt, wird sich in den kommenden Wochen klären. „Die Anzahl der Anlagen hängt von finalen Ausschreibungsbedingungen ab. Nach einem Zuschlag und vollständiger Genehmigung könnten wir in Scholven und Staudinger zügig in die Umsetzung gehen“, sagte ein Uniper-Sprecher. Von der EnBW heißt es: „Die im StromVKG fixierten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, das Ausschreibungsdesign und ein Zuschlag in den Ausschreibungen sind entscheidend für den Umfang von Investitionen der EnBW.“
RWE ist vorne dran
Weit fortgeschritten in seinen Planungen ist der RWE-Konzern. Die Essener planen bereits konkret, an bestehenden Standorten wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 3 Gigawatt zu bauen. Mögliche Kraftwerksstandorte in NRW sind Weisweiler, Werne und Voerde in NRW. Vorverträge für die wichtigsten Komponenten wurden schon abgeschlossen. „Unsere Planungen und Genehmigungen sind weit vorangeschritten. Voraussetzung für entsprechende Investitionsentscheidungen sind Zuschläge bei der geplanten Ausschreibung“, heißt es dazu aus der Konzernzentrale.
Profitieren wird von dem Gesetz auch Siemens Energy, mit GE und Mitsubishi einer der weltweiten Marktführer in der Konstruktion und Fertigung von Gasturbinen. „Wir wollen gerne einen veritablen Anteil der auszuschreibenden Kapazitäten liefern und sind mit unseren Kunden schon in enger Abstimmung“, sagte Siemens-Energy-CEO Christian Bruch bei der Vorlage der Q2-Zahlen. Das Problem: Die Lieferzeiten für eine Turbine liegen inzwischen bei vier Jahren, das Werk in Berlin ist voll ausgelastet. „Wir laufen auf allen Zylindern, erhöhen aber jedes Jahr die Kapazitäten“, sagte Bruch weiter.
Siemens Energy meldet Rekorde
Siemens Energy erzielt mit 17,7 Mrd. Euro ein neues Allzeithoch bei den Aufträgen. Wachstumstreiber waren ein erneuter Rekordauftragseingang bei Gas Services und ein sehr starker Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei Grid Technologies. Gas Services geht in diesem von einem vergleichbaren Wachstum der Umsatzerlöse von 16% bis 18% und einer Ergebnis-Marge vor Sondereffekten von 14 % bis 16 % aus. Gepusht wird das Geschäft auch in den USA, wo Gaskraftwerke zur Energieversorgung des boomenden Rechenzentrumsmarktes stark nachgefragt werden.