Neues Rentenkonzept: Folgen für Unternehmen
In den nächsten Wochen wird heftig über die Empfehlungen der Rentenkommission gestritten werden. Morgen übergibt die Rentenkommission offiziell ihr Konzept der Bundesregierung. Noch vor der Sommerpause will sich die Koalition auf einen Fahrplan einigen. Bereits jetzt sind die Eckpunkte durchgesickert und sorgen für Kritik.
Im Kern empfehlen die Experten einen späteren Ruhestand, keine Rente mit 63 mehr, den Einstieg in eine kapitalmarktgedeckte Zusatzrente, die das Rentenniveau sogar auf 50% steigen lassen soll, sowie die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors. Im Einzelnen die drei wichtigsten Änderungen:
- Ab 2032 soll das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise angehoben werden. Ab 2041 soll es dann alle zehn Jahre um sechs Monate steigen. Das bedeutet, dass ab dem Jahr 2090 die Rente mit 70 Realität wird. Die Rente mit 63 ohne Abschläge soll abgeschafft werden, weil sie als zu teuer gilt. Allerdings schlagen die Experten Ausnahmeregeln für Beschäftigte vor, die besonders belastende Arbeitsbiografien oder gesundheitliche Einschränkungen haben.
Mehr Rente durch Kapitaldeckung
- Zur staatlichen Rente empfiehlt die Kommission eine verpflichtende kapitalmarktgedeckte Zusatzrente für alle Beschäftigte nach dem Vorbild Schwedens. Paritätisch zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der der Endstufe zwei Prozent des Bruttolohns. Das Geld soll in einem staatlich gelenkten Fonds angelegt werden. Bis er Erträge abwirft, sollen staatliche Zuschüsse dafür sorgen, dass auch die Renten künftiger Generationen über dem heutigen Niveau liegen.
- Abgeordnete und Selbstständige ohne berufsständische Absicherung zahlen verpflichtend in die Rentenkasse ein. Perspektivisch soll das auf die Beamten ausgeweitet werden. Allerdings schlägt die Kommission vor, dass Bund und Länder schnellstmöglich weniger Personal verbeamten und dies auf hoheitliche Aufgaben begrenzen. Zudem sollen beitragsfreie Minijobs regulär wegfallen und ausschließlich für Schülerinnen und Schüler möglich sein.
Mittelstand warnt vor höheren Belastungen
Die ersten Reaktionen auf die Kommissionsvorschläge fallen unterschiedlich aus. Während DIW-Präsident Marcel Fratzscher bezweifelt, dass die Vorschläge der Kommission ausreichen, um die Rente langfristig zu stabilisieren, Altersarmut zu bekämpfen und die Jüngeren deutlich zu entlasten, bewerten Wirtschaftsverbände wie der VDMA die Vorschläge als vielversprechendes Paket.
Aus Sicht des industriellen Mittelstandes ist es laut dem VDMA entscheidend, dass die Rentenreform vor allem die Kosten dämpft. „Dass die Beiträge vorerst steigen sollen, ist für Betriebe und Beschäftigte eine zusätzliche Belastung, die zwingend durch Beitragssenkungen in den anderen Sozialversicherungen kompensiert werden muss“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.