Regierung kommt Pharma-Branche entgegen
Die Bundesregierung verhandelt mit der Pharmabranche erhebliche Entlastungen, um weitere Investitions- und Stellenstreichungen zu verhindern - und im besten Falle die angedrohten Einschnitte zu verhindern. Hintergrund: Nina Warken (CDU) verkündete bei der Gesundheitsreform Milliarden-Einsparungen bei der Pharmaindustrie. Arzneimittelhersteller haben daraufhin Investitionen in Milliardenhöhe in Deutschland gestrichen.
Bliebe es bei Warkens Plänen in der Gesundheitsreform, will Boehringer Ingelheim Vorhaben in Höhe von 900 Millionen Euro streichen. Eli Lilly kündigte an, Milliardeninvestition beim Aufbau des Produktionsstrandortes in Alzey zu halbieren und auch Pfizer stellt laut CEO Albert Bourla bereits Milliarden-Beträge auf den Prüfstand. Zudem haben mehr als 30 Pharmachefs am Wochenende Kanzler Friedrich Merz um ein persönliches Gespräch gebeten, bei dem sie ihm die Dringlichkeit der Lage und den Bedeutungsverlust des Standortes erklären wollten.
Schnieder fürchtet um Standort
Zur Seite springen der Branche inzwischen Gesundheits- und Landespolitiker, die einen Stellenkahlschlag in der Pharmaindustrie verhindern wollen. So fürchtet etwa der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) um seinen Pharmastandort und pocht auf Änderungen im geplanten Sparpaket Warkens. Besonderen Handlungsbedarf sieht Schnieder bei der Rabattierung auf Medikamenten, für die die Unternehmen intensiv geforscht haben.
Das ist auch einer der entscheidendsten Kritikpunkte der Branche. „Der geplante dynamische Herstellerabschlag ist aus Investitionssicht besonders problematisch, weil seine künftige Höhe von Faktoren abhängt, die einzelne Unternehmen nicht beeinflussen können: Konjunktur, Einnahmen der GKV, Demografie und gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Genau solche Unsicherheiten fließen in internationale Investitionsentscheidungen ein“, sagt vfa-Präsident Han Steutel, der die Interessen von 49 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik vertritt.
vfa sieht überproportionale Belastung
Laut dem vfa liegt der Herstelleranteil an den Arzneimittelausgaben seit Jahren stabil bei etwa zwölf Prozent der GKV-Leistungsausgaben. Dazu leiste die pharmazeutische Industrie bereits erhebliche Sparbeiträge durch Festbeträge, individuelle und gesetzliche Rabatte. 2025 lagen diese Beiträge nach Angaben des Verbandes bei rund 29 Milliarden Euro. Steutel: „Investitionen in der pharmazeutischen Industrie werden international vergeben. Deutschland steht dabei im Wettbewerb mit den USA, China und anderen europäischen Standorten. “