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Beitragszahler subventionieren die Allgemeinheit – und niemand spricht darüber

Rentensystem in der Krise: Was wirklich geändert werden muss

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber
Die schwarz-rote Bundesregierung peitscht in dieser Woche das Rentenpaket 2025 durch den Bundestag – oder sie wird Geschichte sein. Die heftige Kritik am Paket basiert auf falschen Voraussetzungen: Die Rentenkasse ist kein reines Versicherungsmodell, sondern ein Mischsystem aus erarbeiteten Rentenansprüchen und Sozialpolitik. Beitragszahler tragen Milliarden für Fremdlasten. Zeit für eine Reform, die ehrlich macht und Familien belohnt.

Der heftige Konflikt um die „zu teure“ Rente ist eine Debatte auf falscher Basis. Denn das gesetzliche Rentensystem ist eine Mischform aus erarbeiteten Renten und einem hohen Anteil an Sozialmaßnahmen, die eigentlich in den Sozialhaushalt gehören. Eine Trennung tut not, um die Debatte zu entschärfen und die eigentliche Problematik des Schneeballsystems der umlagefinanzierten Rente offenkundig zu machen: Es ist kein Konflikt der Generationen, sondern einer zwischen Familien mit Kindern und Trittbrettfahrern ohne Kinder, die sich am Fortbestand des Systems nicht beteiligen.

Unter dem Deckmantel „Rente“ werden Leistungen abgewickelt, die nichts mit Beiträgen zu tun haben: Kindererziehungszeiten, Pflegeleistungen, Fremdrenten, Ost-Aufwertungen, Mütterrente. Sozialpolitik pur – aber bilanziert als „Rente“.

Milliarden-Subventionen zulasten der Beitragszahler

Die Dimension ist gewaltig: 35 bis 40 Prozent der Rentenausgaben sind rentenfremd. Bundeszuschüsse sollen das ausgleichen, doch sie reichen nicht. 2023 betrug das Delta zwischen Zuschüssen und nicht gedeckten Leistungen 39,8 Milliarden Euro. Das bedeutet faktisch: Beitragszahler subventionieren die Allgemeinheit – nicht umgekehrt. Beamte, Selbständige und Abgeordnete sind entlastet, obwohl sie indirekt profitieren; durch "soziale Befriedung" aus der Rentenkasse.

Historisch ist das kein Zufall: Schon Kanzler Helmut Kohl (CDU) nutzte die Rentenkasse als „Kriegskasse“, um die deutsche Einheit sozialpolitisch zu stemmen. Ost-Aufwertungen und Fremdrenten wurden über die Rentenversicherung abgewickelt – und dieser Mechanismus wirkt bis heute fort.

Mütterrente und die Reformperspektive

Die Mütterrente ist ein Zuschlag zur gesetzlichen Rente für Kindererziehungszeiten. Anspruch hat nur, wer selbst in der Rentenversicherung versichert ist. Wer nie eingezahlt hat, geht leer aus. Künftig könnte die Mütterrente entfallen, wenn Rentenpunkte neu vergeben werden. Das wäre ehrlicher und transparenter.

Vergleich mit Aktienrente ist irreführend

Die gesetzliche Rente ist ein Umlagesystem, das zusätzlich Soziallasten trägt. Ein Vergleich mit kapitalgedeckten Modellen wie der Aktienrente hinkt. Fair wäre nur, den Versicherungsanteil isoliert und auf Barwert berechnet gegenüberzustellen.

Ich mache folgende Rechnung auf: Wenn wir die Soziallasten (35–40 % der Ausgaben) komplett entfernen, dann sinkt der Bedarf für Rentenzahlungen drastisch. Die Beitragsmittel (305 Mrd. EUR) würden dann nicht mehr gegen 350 Mrd. € Gesamtausgaben stehen, sondern nur gegen die „erarbeiteten“ Renten von rund 219 Mrd. €.

Das Rentenniveau könnte deutlich höher sein

Das bedeutet: Die Beitragsmittel würden die erarbeiteten Renten voll decken. Es gäbe sogar einen Überschuss von ca. 86 Mrd. EUR (305 Mrd. EUR Beiträge minus 219 Mrd. EUR Rentenzahlungen). Mit diesem Überschuss könnte man das Rentenniveau deutlich erhöhen oder die Beitragssätze senken.

Die theoretische Rente wäre also nicht 1.210 EUR, sondern höher als heute, weil die Beitragszahler nicht mehr Sozialpolitik mitfinanzieren müssten.

Reform: Trennen, belohnen, ehrlich machen

Mein Vorschlag zielt auf Transparenz und Fairness. Die Rentenreform muss die Trennung zwischen Rente und Sozialpolitik vollziehen. Rentenfremde Leistungen aus der Rentenkasse herausnehmen und aus dem Gesamthaushalt finanzieren. Den Versicherungsanteil privatisieren. Kinder sichern das Umlagesystem – ohne sie zerschellt der Schneeball an der Realität. Daher: Für jede erzogene Kinder-Jahrgang (oder pro Kind) wird eine feste Anzahl von Rentenpunkten gutgeschrieben — rechtlich als „beitragsäquivalente“ Gutschrift, nicht als Steuerleistung, ggf. mit "Deckel" (2 Kinder).

Weg mit dem Kuddelmuddel. Die Regierung und die Gesellschaft kann sich dann entscheiden, wie sie mit den Sozialleistungen aus der Rentenkasse umgehen will: höhere Steuern, oder Kürzungen an anderer Stelle, oder neue Schulden, oder langfristig Kürzung / Neuordnung dieser Leistungen. Das wäre auch ein hervorragender Ansatz für ein politische Positionierung der Parteien, meint Ihr Ralf Vielhaber
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