Spediteure warten auf Ladenetze
Die deutschen Speditionen werden bei der Umrüstung ihrer Fahrzeugflotten auf E-Lkw solange zurückhaltend investieren, bis die Ladesäuleninfrastruktur bundesweit flächendeckend aufgebaut ist. Das ist die Einschätzung des Branchenverbandes BGL gegenüber FUCHSBRIEFE. Der Grund. "Die Unternehmen müssten sicher sein, dass sie Fahrtwege problemlos bewältigt könnten und sich die höhere Anschaffungskosten für E-LKW rechneten." Das sagte BGL-Sprecher Martin Bullheller den FUCHS.
Die bundeseigene Autobahn GmbH hat jetzt Aufträge für den Aufbau von E-Lkw-Ladesäulen an 124 Rastanlagen vergeben. Insgesamt sollen 836 einzelne Ladepunkte aufgebaut werden. 447 davon sind Megawatt-Ladestationen (MCS), mit denen ein Lkw innerhalb von wenigen Minuten sehr große Energiemengen laden kann. Mit den 124 Stationen wird Deutschland nach Berechnungen des Bundesverkehrsministeriums so weit abgedeckt, dass der E-Fernverkehr im gesamten Bundesgebiet möglich ist. Bis 2030 sollen alle Ladestationen gebaut sein, um die Emissionen auf dem Pfad zur Klimaneutralität signifikant zu steigern.
Hohe Anschaffungskosten für E-Lkw
Weil E-Lkw in etwa das Doppelte eines Diesel-Lkw kosten und zusätzliche Investitionen für die Ladeinfrastruktur auf den eigenen Autohöfen nach sich ziehen, müssen sie laut dem BGL gut ausgelastet werden. Gelingt das nicht, drohen dem Spediteur Verluste. Ein konventioneller Diesel-Sattelzug kostet etwa 100.000 bis 177.000 Euro, die vergleichbare elektrische Variante über 250.000 bis 300.000. Für leichtere E-Lkw (12–18 Tonnen) liegen die Preise zwischen 100.000 und 140.000 Euro. Trotz der hohen Anschaffungskosten amortisieren sich E-Lkw durch geringere Betriebskosten, Mautvorteile und den Einsatz von günstigem Depot-Strom in der Regel innerhalb von 4 bis 6 Jahren.