Überregulierung und Unsicherheit bremsen den Mittelstand
Die Hauptgründe für die jahrelange Investitionszurückhaltung sieht KfW-Chef Stefan Wintels in den schlechten Rahmenbedingungen und der Überregulierung. Das erklärte er im Gespräch mit FUCHSBRIEFE. Wintels: „Wir müssen strukturell dafür sorgen, dass der Mittelstand attraktive Rahmenbedingungen hat, unternehmerisches Handeln wieder belohnt wird und auch ein Vertrauensvorschuss da ist, statt einer Überregulierung.“
Die „Nebelwand“ der Unsicherheiten erschwere Investitionsentscheidungen. Der Irankrieg, gestörte Lieferketten und eine Inflation von voraussichtlich 3% plus verunsichern die deutschen Unternehmen zusätzlich. Darum hat auch die KfW ihre Wachstumsprognose für 2026 gesenkt (noch optimistisch auf +0,7%).
Rückläufige Investitionen seit 2019
„Wegen dieser Gründe sehen wir eine starke Investitionszurückhaltung. Das aber nicht erst in den letzten Monaten, sondern strukturell schon seit etwa 2019“, sagt Wintels. Beleg: Laut einer KfW-Umfrage nannten Mittelständler überbordende Bürokratie, Fachkräftemangel und schlechte Rahmenbedingungen als ihre größten Probleme. Obgleich auch die Finanzierungsbedingungen restriktiver werden, sind sie nicht das dominante Problem des deutschen Mittelstands. Vor diesem Hintergrund plädiert Wintels für Reformen.
Mittelstandsförderung um 75% ausgebaut
„Unternehmer treffen ihre Investitionsentscheidungen aufgrund von langfristigen Erwartungen. Deswegen ist es wichtig, dass wir den Standort stärken." Die KfW steht bereit, Investitionen mit "möglichst attraktiven Konditionen mitzufinanzieren“, sagte Wintels weiter.
Tatsächlich werden die Finanzierungsinstrumente der KfW für den Mittelstand deutlich stärker nachgefragt als in den vorangehenden Jahren. Das Finanzierungsvolumen der KfW ist im vergangenen Jahr um 75% auf 23,5 Mrd. Euro gestiegen. Als Beispiele für stark nachgefragte Programme nannte Wintels die Förderprogramme für Erneuerbare Energien und Digitalisierung sowie den „Klassiker“ der ERP-Kredite.