Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
2883
Konservative Parteien haben ein Profil-Problem

Von der Brandmauer zum Linkskurs: Union richtet sich neu aus

CDU/Tobias Koch
Die Wahlen in Kanada, Australien und Großbritannien zeigen, dass die konservativen Parteien in den westlichen Ländern aktuell akut existenzgefährdet sind. Ohne ein Rückkehr zu Problemlösungen können konservative Parteien ihr Platz im politischen System nur schwer weiter behaupten. Dieser Befund sollte auch dem neuen deutschen Kanzler Friedrich Merz zu denken geben.

Die Union bereitet nur einen Tag nach dem Kanzler-Wahldebakel einen politischen Richtungswechel der Partei vor - und zwar nach links. Der neue Kanzleramtsminister Thorsten Frey (CDU) hat angeregt, den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU für die Linke aufzuheben. Ein solcher Beschluss gilt bisher für die Linkspartei und die AfD.  

Union überdenkt Unvereinbarkeitsbeschluss

Auslöser für die Neuorientierung nach links ist das peinliche Wahldebakel in der Kanzler-Wahl. Merz war im ersten Wahldurchgang gescheitert - ein einmaliger Vorgang in der Bundesrepublik. Um noch am gleichen Tag einen zweiten Wahldurchgang durchführen zu können, brauchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit zur Änderung der Geschäftsordnung. Die war nur mit Stimmen von Grünen und Linken zu erreichen. Die haben es möglich gemacht, dass Friedrich Merz (CDU) im zweiten Wahlgang doch noch Kanzler wurde. 

Der Vorstoß von Frey signalisiert, dass die Union in der Schwarz-Roten Koalition nur schwer konservative Politik wird machen können. Durch die Brandmauer zur AfD gibt es für die Union nur linke und grüne Kooperationspartner. Diese werden die Union im Zweifelsfall zwingen, weiter nach links zu rücken. Solange die Union an der Brandmauer festhält, bleibt sie von links abhängig. 

Krise der Konservativen in den Industrieländern

Die Union läuft auf dieser Marschroute Gefahr, das gleiche vernichtende Schicksal zu erleiden, wie andere konservative Parteien in Industrieländern. Denn die jüngsten Wahlen in Kanada, Großbritannien und Australien zeigen ein auffälliges Muster: Die konservativen Volksparteien verlieren an Glaubwürdigkeit und Zustimmung. Pierre Poilievre in Kanada, die Tories in Großbritannien und Peter Dutton in Australien erleben gerade hautnah eine strategische Krise des konservativen Mainstreams. Rechte und linke Ränder mobilisieren dagegen die Wähler. Ein Blick auf die Länder: 

  • In UK schrumpfen die Tories, während Nigel Farages Reform UK rasant zulegt. In einem Labour-Stammwahlkreis gewann Reform UK mit einem Vorsprung von sechs Stimmen. Die Tories waren im Wahlkreis Runcorn and Helsby mit 7,2% der Stimmen bedeutungslos. Sie stecken im Dilemma: Rechts verliert man an Farage, auf der Linken Seite gibt es bereits Labour und die Liberaldemokraten.
  • In Kanada verlor der konservative Parteichef Poilievre sein Mandat. Die Liberalen unter Mark Carney blieben an der Macht – getragen von einem Sicherheitsbedürfnis vieler Wähler, das Poilievres Stil nicht bedient. 
  • In Australien endete der Wahlkampf von Oppositionsführer Peter Dutton in einer historischen Niederlage. Sein Versuch, Trump zu kopieren ohne glaubwürdige Inhalte zu liefern, führte zu einem Totalabsturz. 

Allen drei Fällen ist eines gemeinsam ist: Konservative Parteien verlieren Wähler vor allem nach rechts, aber auch nach links. Der Grund: Es fehlen glaubwürdige und moderne Antworten auf reale Probleme. Die Herausforderungen sind in allen Ländern ähnlich. Dominierende Themen sind Wirtschaft, Sicherheit, Stabilität, Wohnungsnot, Bildung und Klimapolitik. 

Fazit: Die konservativen Parteien in den Industrieländern stecken in einer tiefen Krise und haben ihre Funktion als Zentrum der gesellschaftlichen Mitte verloren. Das ist kein Kommunikations-, sondern ein inhaltliches Profil-Problem. Die Union geht mit ihrem Linkskurs strategisch und politisch ein großes Risiko ein, denn sie fährt gegen den Mainstream des Bürgerwillens. Mittelfristig wandelt sie auf diesem Weg in die Bedeutungslosigkeit. 
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Privatschule

Wie Eltern Schulgeld absetzen

Eltern können bis 5000 Euro jährlich für das Schulgeld ihrer Kinder absetzen. Entscheidend ist, dass das Geld für den normalen Schulbetrieb ausgegeben wird.
  • Fuchs plus
  • Befragung zur Arbeitsorganisation

Homeoffice weiter im Trend

Seit Corona hat sich das Homeoffice durchgesetzt. Seit Jahren arbeiten in Deutschland gut ein Viertel der Beschäftigten von zuhause. Das hat auch Vorteile für die Arbeitgeber.
  • Fuchs plus
  • Erbschaft

Wie das Eigenheim steuerfrei bleibt

Wenn Ehepartner oder Kinder in ein geerbtes Eigenheim einziehen, dann bleibt es frei von der Erbschaftssteuer. Dabei gilt es jedoch einige Kleinigkeiten zu beachten.
Zum Seitenanfang