Warum Berlin in Washington wieder zählt
Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) innenpolitisch ein scharfer Wind um die Ohren weht, genießt er im Ausland wachsendes Ansehen. Besonders in den USA erfährt der CDU-Politiker derzeit viel Respekt. Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Merz die deutsch-amerikanischen Beziehungen aus einer diplomatischen Dauerkrise geführt – mit einer Mischung aus Klarheit, Pragmatismus und Zurückhaltung.
Washington honoriert vor allem, dass Merz zentrale politische Linien der US-Regierung unter Donald Trump aufgreift, ohne sich unterzuordnen. 5 % des BIP für Verteidigung, eine restriktivere Einwanderungspolitik und klare Worte gegenüber China zeigen: Berlin will sicherheitspolitisch ernst genommen werden.
Neue Ernsthaftigkeit in Berlin
Dabei verzichtet der Kanzler bewusst auf öffentlichkeitswirksame Kritik an Trump. Stattdessen setzt er auf Dialog und Symbolik – etwa mit dem Geschenk einer goldgerahmten Geburtsurkunde von Trumps deutschem Großvater. In Washington kommt das gut an – auch, weil Merz als Unternehmer gilt, nicht als Berufspolitiker.
In geopolitischen Fragen zeigt sich Merz entschieden: Die Angriffe Israels auf iranische Nuklearinfrastruktur nennt er „Drecksarbeit, die Israel für uns alle macht“. Auch Trumps Unterstützung Israels verteidigt er ohne Einschränkung. Deutschland steht außenpolitisch fest an der Seite der USA.
Transatlantisches Comeback
Merz' Kurs erinnert Beobachter im Ausland an die große Zeit der westdeutschen Außenpolitik: Konrad Adenauer und Ludwig Erhard hielten in Zeiten des Kalten Krieges eisern an der NATO fest – aus Überzeugung und aus Sicherheitsinteresse. Auch Merz sieht in Putin eine reale Bedrohung, gegen die nur ein starker Westen hilft.
Er weiß: Amerikas Präsenz in Europa ist kein Automatismus mehr. Deshalb tut Merz alles, um Deutschlands Rolle in der NATO neu zu definieren – nicht als Trittbrettfahrer, sondern als aktiver Verteidiger europäischer Stabilität. Damit wirkt er auch dem immerwährenden Misstrauen der europäischen Nachbarn entgegen.
Verlässlichkeit statt Strohfeuer
Ein moderneres, wehrhaftes Deutschland, eingebettet in ein transatlantisches Bündnis – so lautet die außenpolitische Vision des Kanzlers. Auch wirtschaftlich setzt Merz auf Marktkraft statt Subvention: „Wohlstand entsteht nicht durch Staat, sondern durch Arbeit, Technologie und internationale Wettbewerbsfähigkeit.“