Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2008
Brexit

Dritter Weg gesucht

In Großbritannien wird angestrengt nach einem vorteilhaften Weg zum Brexit gesucht. Findet Großbritannien keinen dritten Weg, hat das Land die Wahl zwischen Pest und Cholera.
In Großbritannien wird angestrengt nach einem vorteilhaften Weg zum Brexit gesucht. Dabei stößt die Regierung um Theresa May auf eine starke EU-Kommission. Und die Briten lernen jetzt ziemlich schnell, dass die EU-Kommission und der ganze Brüsseler Apparat ziemlich einflussreich sind. UK hat nun die Wahl zwischen dem Norwegen-Modell oder der Schweizer Lösung, um den künftigen Status zu regeln. Beide Länder haben unterschiedliche Wege gewählt, mit der EU zu kooperieren. Brüssel wird den Briten jedenfalls wenig Angebote oder Zugeständnisse machen. Norwegen ist mit seinem EWR-Beitritt den einfacheren, aber stärker bindenden Weg gegangen. Das Land ist heute der am weitesten in EU-Strukturen integrierte Drittstaat. Es ist eine Art „Fax-Demokratie“, die die nachzuvollziehende EU-Gesetzgebung aus Brüssel mitgeteilt bekommt – und 1 zu 1 umsetzt. An der EU-Rechtsetzung ist das Land allerdings nicht beteiligt. Obendrein zahlt Norwegen gut 2 Mrd. Euro pro Jahr in den Gemeinschaftstopf. Die Schweiz hat sich für einen komplizierten Alleingang entschieden. Die Alpenrepublik ist kein EWR-Mitglied und muss darum jedes Abkommen mit der EU einzeln verhandeln. So hat sie in sieben sektoriellen Abkommen ihr Verhältnis mit der EU geregelt (Freizügigkeit, Handelshemmnisse, öffentliche Aufträge, Land- und Luftverkehr, Landwirtschaft und Forschung). Trotzdem musste sich die Schweiz den meisten Forderungen der EU beugen. Hinzu kommt eine Disziplinierungs-Klausel. Die besagt: Wird auch nur eines der sieben Abkommen von der Schweiz gekündigt, sind damit auch alle anderen vakant. Das soll „Rosinen-picken“ verhindern. Die Schweiz zahlt wie Norwegen 2 Mrd. Euro pro Jahr nach Brüssel – und hat bei der Gesetzgebung keinen Einfluss, muss aber automatisch umsetzen.

Suche nach Alternativen

Der Ausweg wäre ein dritter Weg. Denn Großbritannien hat noch ein inneres Problem. Das Votum der Schotten lautete eindeutig für den Verbleib in der EU. Insofern drängen die Schotten die Regierung in London, bei den Brexit-Verhandlungen so nahe wie möglich an der EU zu bleiben. Gelingt dies nicht, schwebt ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands als Damoklesschwert im Raum. Das ist etwas, dass London unbedingt verhindern will. Findet Großbritannien also keinen „dritten Weg“, hat das Land die Wahl zwischen Pest und Cholera. Denn weder das Norwegen-Modell noch der Schweizer Alleingang erfüllen die Ziele der Brexit-Befürworter. Die wollten die Freizügigkeit eigenständig regeln, nicht mehr an die EU zahlen und sich die Vorteile des Freihandels erhalten.

Fazit: Die Briten haben mit dem Brexit-Votum viel riskiert – und verloren. Allmählich schwant ihnen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen werden. Und die EU muss hart bleiben, schon um potenzielle Nachahmungstäter (Stichwort Nexit) abzuschrecken.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Dekarbonisierung: Andere Standorte attraktiver als Deutschland

Skandinavien bei Dekarbonisierung weit vorn

Obwohl die deutsche Regierung die ganze Wirtschaft auf Klimaneutralität trimmen will - wie die EU - bietet Deutschland keine guten Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierungsstrategie. Das zeigt eine Umfrage von EY unter Unternehmen. Andere Standorte sind attraktiver.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Geldpolitik bringt Euro-Kurs weiter unter Druck

Zinsschritt der Fed wird immer unwahrscheinlicher

Der Markt spiegelt derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von 20% für eine Zinssenkung im Juni wider. Die Frage in den kommenden Wochen wird sein, ob die Fed überhaupt zwei Zinssenkungen durchführen kann.
  • Fuchs plus
  • Trendwende in China wird greifbar

CNY macht Druck auf EUR

Die Wirtschaftsdaten in China sind durchwachsen. Aber die Währung hat eine klare Richtung eingeschlagen. Der Yuan macht zunehmend Druck auf den Euro. Aktuelle Daten aus dem Reich der Mitte machen eine größere Bewegung des CNY wahrscheinlich.
  • Fuchs plus
  • Taiwans Wirtschaft läuft rund

Wachstum und Inflation ziehen an

Der weltweite Technologiewettlauf ist voll entbrannt. Vor allem mit ihrer Halbleiterkompetenz haben sich Unternehmen wie TSMC ihren Ruf aufgebaut und hohe Wettbewerbshürden etabliert. Das Exportpowerhouse Taiwan bietet für Investoren im Tech-Sektor spannende Möglichkeiten an deren Erfolg und der starken Devise zu partizipieren.
Zum Seitenanfang