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Griechenland

Akt 4 im Schuldendrama

Tragödie oder Happy End? | © Getty
Das griechische Schuldendrama befindet sich im 4. Akt. Akt 5 kennt zwei Varianten: die Katastrophe und die Katharsis (Ende gut, alles gut).
Das griechische Schuldendrama steuert auf den klassischen letzten Akt zu. Drei Akte liegen bereits hinter uns. Akt vier läuft.
  1. Exposition: Die handelnden Personen – der neue linke Finanzminister Griechenlands, Yanis Varoufakis, Regierungschef Alexis Tsipras, als Gegenspieler Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble, Kanzlerin Angela Merkel und einige Nebendarsteller wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker – werden eingeführt. Die neuen, unverbrauchten griechischen Akteure hauen gegenüber Europa und insbesondere den Deutschen mit ihrer „Austeritätspolitik“ auf den Putz. Der dramatische Konflikt kündigt sich an.

  2. Komplikation, steigende Handlung – mit erregendem Moment (Katastase): Die Situation verschärft sich. Varoufakis gibt eine Interviewserie, Tsipras glänzt in Umfragen in der Heimat, die öffentliche Meinung wogt zwischen Sympathie und Antipathie hin und her. Schäuble ist zerknirscht.

  3. Peripetie mit der Umkehr der Glücksumstände des Helden: Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt (Klimax). Der Grexit ist in aller Munde. Athen verliert massiv an Rückhalt, in Europas Hauptstädten, beim IWF und auch in Washington. Selbst die deutschen Gewerkschaften rücken insgeheim von den „unverschämt auftretenden“ Griechen ab.

  4. Die Retardation, der 4. Akt, läuft gerade. Es ist die fallende Handlung – mit aufschiebenden Momenten. Europa breitet den Mantel des Schweigens über die Angelegenheit. Keine öffentliche Diskussion mehr, bevor die Griechen nicht die ausgearbeitete Reformliste liefern. Die Handlung verlangsamt sich, um in einer Phase der höchsten Spannung auf die bevorstehende Katastrophe hinzuarbeiten.

Für den 5. Akt gibt es zwei Varianten. a) Es kommt zur Katastrophe: Griechenland wird offiziell zahlungsunfähig, die Protagonisten werden verdammt. Eintreten wird jedoch Variante b), die Katharsis, die Läuterung der Athener Regierung. Griechenland wird unmittelbar vor Fälligwerden der nächsten großen Rückzahlungstranche an den IWF am 12. Juni über 1,6 Mrd. Euro ein ausgearbeitetes Reformprogramm vorlegen. Die Finanzminister der Eurozone werden dies in einer Nacht- und Nebelaktion billigen und frisches Geld gewähren. Alle sind verwandt und glücklich, es kommt zur Massenumarmung.

Fazit: Europa hat den richtigen Weg gewählt, mit dem Thema umzugehen. Erst Ende Juni wollen sich die Finanzminister wieder offiziell damit befassen. Bis dahin muss und wird Athen geliefert haben. 

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