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Entscheidung über Auto-Zölle am Freitag

EU will chinesische Selbstbeschränkung

Am Freitag wird die EU über die Strafzölle gegen chinesische Exporte von E-Autos entscheiden. Im Raum stehen Zölle von 36%, aber auch noch eine Kompromisslösung mit China. Das Land soll sich eine Selbstbeschränkung auferlegen.

Der EU-Ministerrat dürfte am Freitag (4.10.) Strafzölle für chinesische E-Autos beschließen. Laut einem Beschlussentwurf will die EU zusätzliche Zölle von bis zu 36% auf Importe chinesischer Elektrofahrzeuge erheben. Damit liegen die Zölle etwas niedriger als zunächst geplant. Sie sind aber noch immer eine massive Abwehrmaßnahme gegen Importe, die als unfair subventioniert empfunden werden. Davon sind aber auch deutsche Hersteller betroffen, die E-Autos in China produzieren und nach Europa importieren. 

China soll sich selbst ausbremsen

Es gibt noch einen weiteren Weg, den die EU mit China auslotet. Im Gespräch ist eine Selbstbeschränkung durch die chinesischen Hersteller. Die Idee: Die chinesischen Produzenten verpflichten sich, in Europa Mindestpreise für ihre Autos einzuhalten. Die Preise für ihre Autos müssten dann 20% bis 35% höher sein. 

Die chinesischen Hersteller könnten dann ihren Preisvorteil nicht ausspielen. Sie würden langsamer Marktanteil in Europa gewinnen. Dann wären europäische Hersteller konkurrenzfähig, so die Kalkulation. Für Hersteller aus dem Reich der Mitte würde das bedeuten, dass sie höhere Preise für ihre Autos erzielen und deutlich mehr Gewinn machen würden. Zölle hingegen würden nicht in ihre, sondern in staatliche Taschen fließen.

Selbstbeschränkung bremst Chinas Autohersteller nicht

Der Kompromiss könnte kurzfristig helfen, die europäische Autoindustrie vor dem chinesischen Wettbewerb zu schützen. Mittel- und langfristig dürfte sie aber keine große Wirkung haben. Denn es kommen weiter günstige Fahrzeuge aus China auf den Markt. Die chinesischen Hersteller verdienen mehr Geld und können den Gewinn über den Währungshebel (schwacher Yuan) auch noch beeinflussen. 

Der Kreditversicherer Atradius befürchtet negative Konsequenzen. „Die Einführung dieser Zölle könnte für die bereits angeschlagene Automobilindustrie verheerend sein", so Frank Liebold. Das größte Risiko bestehe darin, dass neue Handelsbarrieren zu einer veränderten Handelsdynamik führen. Chinesische Hersteller könnten versuchen, die Zölle zu umgehen, indem sie ihre Produkte in andere Märkte lenken. Das dürfte dort wiederum die Verkaufschancen westlicher Hersteller gefährden.

EU will europäische Autoindustrie schützen

Hintergrund: Das strategische Ziel der EU ist, die europäische Autoproduktion vor aggressiven chinesischen Preisstrategien zu schützen. Allerdings sind auch die EU-Länder hinsichtlich der Zölle gespalten. Frankreich befürwortet höhere Zölle. Seine Autoindustrie verkauft kaum in China und ist besonders durch chinesische Exporte bedroht. Denn französische Hersteller produzieren günstigere Autos der Kompakt- und Mittelklasse, wo chinesische Hersteller besonders stark sind. Gegen Zölle sind vor allem Deutschland und Spanien. Deutschland fürchtet chinesische Gegenzölle auf Luxusautos, Spanien auf Schweinefleischexporte. 2023 wurden Autos im Wert von 15 Mrd. Euro aus Deutschland nach China exportiert. Die Exporte nach China gehen aber stetig zurück.

Fazit: Zölle bremsen die Wettbewerbsfähigkeit strukturell aus und verteuern Produkte. Dennoch wird die EU Maßnahmen gegen Importe von E-Autos aus China nach Europa beschließen. Die Suche nach einem Kompromiss mit China ist der Versuch, harte Zölle und eine Niederlage im WTO-Verfahren zu vermeiden (29.8.).
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