Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2235
Gemeinsame Ziele in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Großbritannien rückt näher an die EU

Großbritannien und die EU © nmann77 / stock.adobe.com
Der Brexit hat die Beziehung zwischen Großbritannien und der EU belastet. Der wahrscheinliche Sieg der sozialdemokratischen Labour-Partei wird das abmildern. Der Motor dieser Entwicklung werden die Verhandlungen zur Verteidigungs- und Ukraine-Politik sein.

Großbritannien wird der nach Wahl (Donnerstag) wieder deutlich näher an die EU heranrücken. Das ist die Einschätzung politischer Beobachter aus London im Gespräch mit FUCHSBRIEFE. Der Schlüssel für die neue Annäherung ist die Sicherheitspolitik. 

Der Sieg der Labour-Partei mit ihrem Vorsitzenden Keir Starmer ist nahezu sicher. Labour wird dann die Konservativen von Rishi Sunak ablösen. Die Partei hat dann 14 Jahre regiert. Sofortige weitreichende Veränderungen in der britischen Politik sind nicht zu erwarten. Ausgeschlossen ist auch ein kompletter rollback in Richtung EU-Beitritt. Im Wahlprogramm heißt es: „With Labour, Britain will stay outside of the EU. Ein Wiedereintritt in die EU ist daher keine Option. Darum meidet Starmer Reizworte wie Binnenmarkt und Zollunion.

UK-Annäherung über die Verteidigungspolitik

Großbritannien wird unter Labour künftig einen ähnlichen Status wie die Schweiz anstreben. Das Ziel Londons wird sein, mit der EU bilaterale Verträge auszuhandeln. Dafür müsste Großbritannien auf die EU zukommen und Brüssel die Forderungen geschmackhaft machen.

Die erste Suche nach mehr Gemeinsamkeiten und bilateralen Lösungen wird es auf dem Feld der Sicherheits- und Verteidigungspolitik geben. Denn daran hat UK und die EU mit Blick auf den Ukrainekrieg ein großes Interesse. Hinzu kommt, dass in den USA Donald Trump erneut US-Präsident werden könnte. Das dürfte von Europa mehr gemeinsame Anstrengungen für eine gemeinsame Verteidigungspolitik abverlangen. Wir hören von unserem Korrespondenten aus London, dass UK sehr zügig eine enge Zusammenarbeit (Verteidigung, Rüstung) mit Deutschland und Frankreich anstreben wird.

Großbritanniens Anliegen an die EU

Auf anderen wirtschaftlichen Gebieten wird Großbritannien dann nach gleichem Muster nachziehen. Denn die Briten sind seit dem Brexit unzufrieden mit dem Status quo. Das belegen diverse Studien. Die britische Wirtschaft leidet unter den gestiegenen Preisen und dem Fachkräftemangel leidet. Zudem wird das Reisen massiv erschwert. 

In bilateralen Verträgen könnten diverse Themen zu beiderseitigem Vorteil gelöst werden. So ist ein Veterinärabkommen denkbar, mit dem für das britische Volk wichtigem Ziel, die Lebensmittelkosten zu senken. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, strebt die Labour-Partei außerdem die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen an. Ob Brüssel den Ball aus UK annimmt, ist noch abzuwarten.

Labour-Sieg ist gut für Brüssel

Für Brüssel wird das Wahlergebnis eine politische Entlastung sein. Denn während Frankreich nach rechts rückt, schwenkt UK nach links. Der Sieg der Labour-Partei öffnet Brüssel die Möglichkeit, den EU-kritischen rechtspopulistischen Partei in der EU ein anderes politisches Gravitationszentrum entgegenzusetzen. 

Fazit: Großbritannien wird durch den Sieg der Labour-Partei wieder näher an die EU rücken. Strategisch wird London bilaterale Verträge mit Brüssel anstreben. Das könnte Unternehmen Erleichterungen bringen. Der Verhandlungseinstieg wird eine koordinierte Sicherheits- und Verteidigungspolitik sein.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • OLG-Entscheidung: Unverbindliche E-Mail-Anfragen führen nicht zu Buchungsverträgen

Dienstreise: Anfrage ist noch kein Vertrag

Eine Zimmeranfrage per E-Mail stellt noch keinen verbindlichen Beherbergungsvertrag dar. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt/M entschieden.
  • CDU in der selbstgewählten politischen Isolation

Gefesselt auf der Brandmauer

Die CDU steckt in der strategischen Sackgasse fest. Trotz Wahlerfolg in Baden-Württemberg fehlt der Union ein politisches Druckmittel, da sie jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Diesen selbstmörderischen Kurs wird die Union mit Merz nicht mehr lange aushalten, meint FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Stefan Ziermann.
  • Fuchs plus
  • Rohstoff-Sicherung: Wettbewerbsverzerrung in Europa

Lithium-Wettlauf in Europa

Die Europäische Union fördert die Produktion kritischer Rohstoffe, um unabhängiger von Importen zu werden. Im Erzgebirge könnte schon 2030 der Abbau von Lithium anlaufen. Doch die Länder in Europa gehen strategisch sehr unterschiedlich vor. Das führt zu einem stark verzerrten Wettbewerb um die Rohstoff-Sicherung in Europa.
Zum Seitenanfang