Trumps Strategie: Chaos als Kalkül
Donald Trumps Politik wirkt zwar erratisch, folgt aber einem klaren Ziel. Ein Blick auf die jüngsten Entscheidungen: Zölle werden angekündigt, zurückgenommen, verschärft. Verbündete werden öffentlich vorgeführt, internationale Regeln infrage gestellt.
"Wer Trumps Agieren als planloses Hin und her abtut, verkennt den strategischen Kern." Das sagt Alexander Wolf, Leiter des Hauptstadtbüros der Hans-Seidl-Stiftung den FUCHSBRIEFEN. Seien Einschätzung: Trump gehe sehr zielgerichtet vor. Diese strategischen Konstanten werden sich auch erkennen lassen, wenn sich der US-Präsident von Mittwoch bis Freitag in Peking mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping trifft und über Handelskonflikte sowie den Iran-Krieg spricht.
Chaos als Methode
Entscheidend ist, die US-Politik konsequent durch die China-Brille zu betrachten. „Vieles ergibt eine innere Logik“, sagt Wolf. Der frühere Trump-Stratege Steve Bannon beschrieb die Methode offen als „Flood the Zone“: maximale Unruhe, ständige Reizüberflutung, strategische Desorientierung der Gegenseite. Institutionen, Medien und Verbündete kommen kaum hinterher, geschweige denn zu koordinierten Antworten. „Dieses Übersteuern ist nicht zufällig und bindet Aufmerksamkeit, lähmt Gegenwehr und verschleiert die eigentlichen Prioritäten“, erklärt Wolf.
Die Reise ins Reich der Mitte, die ursprünglich im März geplant war, wegen des Irankrieges aber verschoben wurde, zeigt die Prioritäten, die Trump in seiner Außenpolitik legt und auch die immer wiederkehrende harsche Kritik an Europa verständlicher macht „Für Washington ist China seit über einem Jahrzehnt der zentrale systemische Herausforderer“, betont Wolf. Europa spiele inzwischen nur noch eine Nebenrolle. "Trump spricht das nur unverblümter aus als seine Vorgänger.“ Denn die Verschiebung der Prioritäten der US-amerikanischen Außenpolitik Richtung Pazifik ist bereits unter dem Demokraten Barack Obama eingeleitet worden.
Sicherheitspolitik im Fokus
Das erklärt auch die Wirtschaftspolitik Trumps mit Zöllen, Exportkontrollen, der Halbleiterpolitik und dem Druck auf Verbündete. Sie hat vor allem ein Ziel: kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und Chinas technologischen Aufstieg zu begrenzen. Gerade im Halbleiterbereich wird diese Strategie offensichtlich. Die gezielte Förderung heimischer Produktion, die Ansiedlung von TSMC-Kapazitäten in den USA und die Einschränkung von Chip-Exporten nach China folgen keiner kurzfristigen Handelslogik, sondern einer sicherheitspolitischen.
Trump, sagt China-Kenner Wolf weiter, hat keinen klassischen Masterplan. Aber er folge einer konsistenten Leitidee: Amerikas Ordnungsmacht darf nicht durch Abhängigkeit erodieren – vor allem nicht gegenüber China, das sich weltweit mit einer aggressiven Außenwirtschaftspolitik Einfluss sichere. Entscheidend ist: Die USA unter Trump sind bereit, dafür sogar Wohlstand zu opfern „Washington akzeptiert kurzfristige ökonomische Kosten zugunsten langfristiger strategischer Kontrolle“, sagt Wolf. Das sei auch der große Unterschied zur europäischen Außenpolitik.
Europa zwischen Analyse und Handlungsstarre
„Die USA handeln – Europa erklärt“, fasst Wolf zusammen. „Wir analysieren sehr gut, aber wir zögern, wenn es um Konsequenzen geht. Während Washington klare Prioritäten setze, hoffen viele europäische Akteure auf eine Rückkehr zur alten Normalität: günstige Energie, offene Märkte, transatlantische Stabilität. Diese Hoffnung ist trügerisch.