Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
3741
Finanzwirtschaft in der Transformation

HUK auf Wachstumskurs

HUK Coburg-Chef Klaus-Jürgen Heitmann
KI revolutioniert die Wirtschaft. Durch ihren Einsatz können Produktionsprozesse effizienter werden und Kosten gesenkt werden. FUCHSBRIEFE sprach mit HUK-Coburg-Chef Klaus-Jürgen Heitmann, wie Künstliche Intelligenz den Konzern transformiert und wie sich Deutschlands größte Autoversicherer strategisch ausrichten will.

Die HUK-Coburg hat im vergangenen Geschäftsjahr ein glänzendes Ergebnis vorgelegt. Schreiben Sie die guten Zahlen auch 2026 fort?

Die HUK-COBURG wächst auch in diesem Jahr weiter über Marktdurchschnitt. Sie ist nicht nur in der Autoversicherung auf (Rekord)-Wachstumskurs, sondern auch in den weiteren Sparten, wie Haftpflicht-, Unfall- und der Sachversicherung und der Rechtsschutzversicherung. Die Sparten Leben und Kranken verlaufen ebenfalls auf hohem Niveau. Was mich besonders freut: wir sind nicht nur Marktführer in der Autoversicherung mit 14,5 Millionen versicherten Fahrzeugen, sondern auch Marktführer in Haftpflicht und Hausrat mit insgesamt über 8,9 Millionen Verträgen.

In der Kraftfahrtversicherungs-Sparte, ihr Kerngeschäft, sind Sie in die Gewinnzone zurückgekehrt. Was waren die Gründe? Eine verbesserte Schaden-Kosten-Quote?

Ja, entscheidend war die Schaden-Kosten-Quote von 96,2%. Sie ist damit wieder deutlich unter der ertragsrelevanten Zahl von 100%. Damit verdienen wir wieder Geld in unserem Ankerprodukt. Und das, obwohl die Werkstattpreise und auch die Lohnkosten stetig steigen. Wir haben unsere Tarife angepasst und Risiken besser bepreist. Gleichzeitig haben wir Prozesse verschlankt und digitalisiert. Und wir profitieren von effizienteren Strukturen im Schadenmanagement.

Welche Rolle spielen dabei die Partnerwerkstätten und die Beteiligung an pitstop?

Unsere Partnerwerkstätten sind ein wichtiger Hebel. Sie sichern Qualität, Geschwindigkeit und verlässliche Kosten. Davon profitieren sowohl Kunden als auch unsere Schadenquote. Bei unserem Engagement bei pitstop geht es um Autoservice-Dienstleistungen, nicht um Schadensteuerung bei Unfallreparaturen. Wir möchten Verbraucherinnen und Verbrauchern Serviceangebote rund um Mobilität machen. Ziel ist es, über unsere Versicherungsangebote hinaus relevant zu bleiben.

Werden Sie Partnerschaften und Beteiligungen erweitern?

Wir sind offen für neue Partnerschaften. Entscheidend ist, dass sie dem Kunden einen Mehrwert bringen. Mehr Service, höhere Nutzerfreundlichkeit, bessere Preise. Wo das gegeben ist, prüfen wir auch weitere Partnerschaften.

Der deutsche Automobilmarkt stagniert. Woher kommen die Zuwächse bei der HUK?

Wir gewinnen Marktanteile. Viele Kunden wechseln wegen Preis-Leistung und kommen aufgrund einer Empfehlung. Wir nennen das Pull, Zuwächse kommen verstärkt über die digitalen Kanäle der HUK und der HUK24.

Über die KfZ-Versicherung schaffen Sie Touchpoints zu den Kunden. Wie wirkt sich das auf die anderen Geschäftsbereiche aus?

Das Auto ist überwiegend der erste Berührungspunkt. Wer uns dort erlebt, fragt danach oft auch nach Haftpflicht, Hausrat oder Leben. Wir nutzen diese Touchpoints für Beratung, aber ohne Druck. So wächst das Gesamtgeschäft organisch.

Die HUK-Coburg bietet auch verschiedene Finanzanlagen und Sparprodukte an, darunter beispielsweise das Park Depot mit festen Zinsen, hauseigene Welt-Fonds und ETFs oder Lösungen für die private Altersvorsorge. Werden Sie diesen Geschäftsbereich ausbauen?

Ja, vor dem Hintergrund der Entwicklungen unserer Sozialsysteme und den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, wollen wir auch in diesen Sparten weiter wachsen. Bereits jetzt wird unsere Premium-Rente sehr gut angenommen. Außerdem werden wir für das Altersvorsorgereformgesetz entsprechende Produkte anbieten, die aufgrund unserer Kostenführerschaft sehr konkurrenzfähig sein werden.

Ihre digitale Tochter HUK24 zählt seit Jahren zu den Wachstumstreibern des Konzerns. Im vergangenen Geschäftsjahr lagen die Beitragseinnahmen bei 1,8 Mrd. Euro. Schreibt sich diese Entwicklung fort? Oder anders gefragt? Wann knackt ihre Tochter die zwei Milliarden-Beitragsgrenze?

HUK24 wächst seit Jahren überdurchschnittlich. Ob wir die zwei Milliarden nächstes oder übernächstes Jahr erreichen, hängt vom Markt ab. Der Trend spricht aber klar dafür. Entscheidend ist: Wachstum bleibt profitabel.

Welche Rolle spielt inzwischen der Einsatz von KI. Virtuelle Sprachassistenten wie der von Apple entwickelte Siri oder Gemini von Google führen bereits interaktive Gespräche. Sieht so auch die Zukunft der HUK-Kundenberatung aus?

KI spielt bereits eine Rolle, aber im Hintergrund. Sie hilft uns, Anfragen zu sortieren und Prozesse zu beschleunigen wie zum Beispiel bei Hagelereignissen mit einem Bot. Die Zukunft ist hybrid: Mensch plus Technik. Komplexe Themen bleiben beim persönlichen Berater.

Nochmal nachgehakt: Sprach-Assistenten können auch in Zukunft Kundenberater ersetzen? Sie könnten ja auch die menschliche Fehlerquote minimieren.

Sprach-Assistenten können unterstützen, nicht Menschen ersetzen. Sie sind gut für einfache Fragen, rund um die Uhr. Bei komplexen oder emotionalen Themen wollen Kunden Menschen. Fehlerquote senken wir durch Tests, Kontrolle und klare Grenzen für KI.

Nehmen wir das Beispiel Schadensregulierung. Wie sieht der Einsatz der KI bei der HUK aus?

Die KI kann helfen, nicht allein entscheiden. KI beschleunigt die Prüfung und schlägt Lösungen vor. Die finale Entscheidung liegt bei uns. Gerade in strittigen Fällen bleibt der Mensch unverzichtbar.

Wenn KI einfache Arbeiten übernimmt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie Personal abbauen, weil ... 

... Routinearbeiten weniger werden, Beratungsarbeit aber mehr. Wir wollen Effizienzgewinne nutzen, um Service zu verbessern. Und aktuell stellen wir in Coburg und bundesweit Personal ein, um unsere Serviceleistungen weiter zu verbessern und unsere Teams zu unterstützen und zu entlasten.

Wieviel investieren Sie in die digitale Transformation?

Wir investieren seit Jahren im dreistelligen Millionenbereich. Das umfasst IT, Daten, KI und Schulung der Mitarbeitenden. Digitalisierung ist für uns ein Dauerprojekt, kein Einzelprogramm. Wir haben zum Beispiel unsere Onlinequote im Kfz‑Neugeschäft seit 2016 um 81% gesteigert.

Die fortschreitende Digitalisierung erfordert eine neue IT-Infrastruktur und Cloud-Lösungen. Wie weit sind Sie vorangeschritten?

Teile unserer Systeme laufen bereits in modernen Cloud-Umgebungen. Andere, besonders kritische, migrieren wir Schritt für Schritt. Sicherheit und Stabilität haben dabei Vorrang vor Tempo.

Wo soll die HUK-Coburg im Jahr 2030 stehen?

Wir wollen auch 2030 einer der führenden Privatkunden-Versicherer in Deutschland sein -mit sehr hoher Kundenzufriedenheit und starker Marke. Digital exzellent, aber menschlich erreichbar. Und finanziell solide – im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter. Zusätzlich bauen wir uns als Anbieter für Mobilitätsservices auf. Wir wollen eine digitale Plattform mit günstigen Angeboten rund um Mobilität aufbauen.

Fazit: KI wird auch die Versicherungswirtschaft revolutionieren. Doch der Mensch ist gerade in der Kundenbetreuung noch über Jahre unverzichtbar.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • ESG im Private Banking - Die Ratingstufen der FUCHSBRIEFE Prüfinstanz

Vom Novizen zum Großmeister - Die fünf Grade nachhaltiger Beratung

Illustriert mit ChatGPT
Die FUCHSBRIEFE Prüfinstanz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Frage, wie nachhaltig vermögende Kunden beraten werden. Seit dem ersten Nachhaltigkeits-Rating im Jahr 2011 („Wer kann nachhaltig?“) hat sich das Bild stetig weiterentwickelt. Heute unterscheiden wir fünf Entwicklungsstufen, die inhaltlich klar gefasst und mit eingängigen Begriffen versehen sind. Welche Institute werden sich dieser Herausforderung in diesem Jahr wohl stellen?
  • Monitoring bestätigt positiven Eindruck bei der TOP Vermögen AG

Grünes Signal für TOP Vermögen

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Die TOP Vermögen AG gewährt der FUCHSBRIEFE PRÜFINSTANZ Einblick in ihre Organisations- und Beschwerdestrukturen. Der Vermögensverwalter aus Starnberg setzt auf persönliche Kundenbeziehungen, kurze Entscheidungswege und eine ausgeprägte Empfehlungskultur. Vertrauensampel und die Ampel zu Selbstauskunft stehen auf Grün. Lesen Sie hier.
  • Fuchs plus
  • Nachhaltigkeit im Stresstest der Finanzwelt

Deutschland, Österreich und die Schweiz entdecken ESG neu

Illustriert mit ChatGPT
Wer den ESG-Zug bereits auf dem Abstellgleis sieht, sollte nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz blicken. Drei aktuelle Studien zeichnen ein anderes Bild. Banken, Vermögensverwalter und Fondsanbieter ziehen sich nicht aus nachhaltigen Finanzthemen zurück. Sie verlagern den Fokus. Klimarisiken, Transformationspläne, ESG-Daten und regulatorische Nachweise rücken in den Mittelpunkt. Aus einem Marketingbegriff wird zunehmend ein Instrument der Steuerung. Damit beginnt eine neue Stufe.
Zum Seitenanfang