"Wir konzentrieren uns auf die spannendsten Elemente am Markt"
Sie betreiben eines der größten Lager für Seltene Erden in Deutschland. Welche Metalle befinden sich dort konkret?
Wir lagern physische Technologiemetalle und Seltene Erden, die im Gegensatz zu Gold, Kupfer oder Öl nicht an der Börse gehandelt werden. Dabei konzentrieren wir uns auf einige der spannendsten Elemente am Markt: Metalle, die für moderne Technologien unverzichtbar sind und aufgrund der steigenden Nachfrage und des begrenzten Angebots hohe Gewinnerwartungen mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium. Diese Metalle werden für leistungsstarke Permanentmagneten benötigt, die unter anderem in Drohnen, Elektrofahrzeugen und Windkraftanlagen stecken. Allerdings dominiert China nicht nur die Herstellung dieser Permanentmagneten, sondern auch die Verarbeitung der dafür benötigten Seltenen Erden.
Seltene Erden werden für unzählige Anwendungen benötigt. Wie funktioniert der Handel mit ihnen?
Wir kaufen die Metalle weltweit ein, wobei wir unsere Abhängigkeit von China zunehmend reduzieren. Rund drei Viertel der beschafften Ware gehen direkt an die Industrie. Das verbleibende Viertel stellen wir über Finanzdienstleister Privatanlegern zur Verfügung. Dieses Modell ermöglicht es uns, langfristige Abnahmeverträge mit Minen und Raffinerien zu schließen. Viele Industrieunternehmen scheuen solche langfristigen Bindungen, weil China die Preise stark beeinflussen kann und die weitere Entwicklung schwer kalkulierbar ist. Wir hingegen können diese Bindungen eingehen, übernehmen einen Teil des Risikos und halten die Metalle verfügbar, bis sie von der Industrie benötigt werden. So bauen wir Rohstoffbestände in Europa auf, die andernorts bislang kaum vorhanden sind.
Wie hoch können die Renditen ausfallen?
Bei physischen Metallen sprechen wir nicht von Rendite, sondern von Wertsteigerung. Zinsen oder Dividenden gibt es nicht, entscheidend ist allein die Preisentwicklung. Grundlage unserer Erwartung deutlicher Wertsteigerungen ist die strukturelle Knappheit: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot, weil neue Minen und Raffinerien nicht kurzfristig entstehen. Aus unserer Sicht beginnt damit ein Rohstoffzyklus, der die nächsten zehn bis 15 Jahre prägen dürfte.
Für zusätzlichen Schub sorgt die steigende Nachfrage der Rüstungsindustrie nach Metallen für Drohnen, Raketen und Nachtsichtsysteme. Gleichzeitig verschärft China seine Exportbeschränkungen. Was diese Kombination bewirken kann, zeigt Yttriumoxid: In China kostet ein Kilogramm zeitweise rund sieben US-Dollar, außerhalb des Landes werden bis zu 1.000 US-Dollar verlangt.
China besitzt bei einigen Seltenen Erden nahezu eine Monopolstellung. Worauf beruht diese Dominanz?
Seltene Erden sind geologisch gar nicht so selten. Sie kommen weltweit vor, allerdings nur selten in Konzentrationen, die einen wirtschaftlichen Abbau ermöglichen. Der eigentliche Engpass liegt in der aufwendigen Trennung und Aufbereitung: China förderte 2024 rund 60% der Seltenen Erden, kontrollierte aber etwa 91% der weltweiten Verarbeitung. Diese Dominanz beruht auf einer über Jahrzehnte aufgebauten Wertschöpfungskette.
Außerhalb Chinas gibt es bislang nur wenige Produzenten im industriellen Maßstab, von denen das größte Lynas Rare Earths ist. Das Unternehmen fördert in Australien, verarbeitet in Malaysia und beliefert Kunden weltweit; Japan zählt zu den wichtigsten Abnehmern. Hinzu kommt MP Materials mit der Mountain-Pass-Mine in Kalifornien. Mit massiver Unterstützung des US-Verteidigungsministeriums baut das Unternehmen seine Verarbeitungskapazitäten aus. An Chinas dominierender Marktstellung ändert das vorerst jedoch wenig.
Wie sieht es bei den Europäern aus. Hier taucht das Thema immer wieder auf, sind das alles nur Lippenbekenntnisse?
Europa hat das Problem erkannt, aber kaum industrielle Konsequenzen gezogen. Während andere handeln, diskutieren wir noch.
Wie erklären Sie sich das?
Die USA behandeln den Zugang zu kritischen Rohstoffen als Frage der nationalen Sicherheit. Sie haben die Verantwortung vor allem beim Verteidigungsministerium gebündelt und stellen Milliarden bereit – über Beteiligungen, Kredite, garantierte Mindestpreise und langfristige Abnahmeverträge. Das schafft ein deutlich besseres Investitionsklima: Unternehmen können Risiken absichern, schneller wachsen und gezielt weitere Teile der Wertschöpfungskette übernehmen.
Dabei holen sich amerikanische Unternehmen zunehmend bestehende Kapazitäten und Know-how aus Europa. USA Rare Earth übernahm 2025 den britischen Hersteller Less Common Metals, der Seltene-Erden-Oxide zu Metallen und Legierungen verarbeitet. 2026 vereinbarte Energy Fuels die Übernahme der Vacuumschmelze in Hanau, eines der weltweit führenden Unternehmen für Permanentmagneten. Europa baut also nicht nur zu wenig eigene Kapazitäten auf, sondern läuft Gefahr, auch die vorhandenen zu verlieren. Während wir die Förderung auf 27 Staaten verteilen und weiter abstimmen, schaffen die USA Fakten.
Warum sind Raffinerien bei Seltenen Erden der entscheidende Engpass?
Die Seltenen Erden kommen in Erzen meist gemeinsam vor und ähneln sich chemisch stark. Um sie mit hoher Reinheit voneinander zu trennen, sind zahlreiche aufeinanderfolgende Extraktionsschritte notwendig. Das ist technisch anspruchsvoll, teuer und mit einem hohen Einsatz von Chemikalien verbunden. Eine Anlage zu bauen, reicht deshalb nicht aus – entscheidend ist das Prozesswissen, um sie zuverlässig im industriellen Maßstab zu betreiben.
China hat dieses Know-how über Jahrzehnte aufgebaut und schottet es inzwischen gezielt ab. Seit 2023 verbietet das Land den Export wichtiger Technologien zur Gewinnung und Trennung Seltener Erden. Der Westen muss daher nicht nur neue Raffinerien errichten, sondern einen großen Teil des dafür notwendigen Prozesswissens selbst wieder aufbauen.
Welche Rolle spielen Sie dabei?
Genau dort setzen wir an. Gemeinsam mit unseren Investoren bauen wir Lieferketten außerhalb Chinas auf, denn chinesische Lieferungen sind inzwischen kaum noch verlässlich planbar. Wir haben selbst erlebt, dass bereits bezahlte Ware im Millionenwert beim Zoll festsaß und das Land plötzlich nicht mehr verlassen durfte. Für einen mittelständischen Händler ist das eine erhebliche Kapitalbindung – zumal sich Ansprüche in China nur schwer durchsetzen lassen.
Wer eine belastbare Lieferkette ohne China anbieten kann, verschafft sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Nach unserer Kenntnis sind wir im deutschsprachigen Raum derzeit der einzige Händler, der Terbiumoxid und Dysprosiumoxid nicht chinesischen Ursprungs liefern kann. Für Hochleistungs-Permanentmagneten sind das zwei der wichtigsten schweren Seltenen Erden.
Warum gibt es in diesem Markt so wenige Wettbewerber?
Der Markt ist ein Closed Shop. Entscheidend sind belastbare Kontakte und Vertrauen, die sich nicht kurzfristig aufbauen lassen. Wir haben uns dieses Netzwerk und die nötige Expertise über 14 Jahre erarbeitet.
Wie sieht es auf der Abnehmerseite aus? Kauft die Industrie direkt bei Ihnen?
Ja. Die Nachfrage ist so hoch, dass wir unser Lager innerhalb einer Woche verkaufen könnten. Ein Teil der Bestände gehört jedoch Privatanlegern, die einem Verkauf zustimmen müssen. Wir vermitteln diese Geschäfte individuell – es ist kein Börsenhandel, sondern ein betreuter Markt.
Wie können Privatinvestoren in die Assetklasse Seltene Erden investieren?
Privatanleger erwerben die Metalle physisch. Für Family Offices und größere Investoren stellen wir individuelle Portfolios aus Seltenen Erden zusammen, lagern die Bestände ein und vermitteln später den Verkauf an die Industrie.
Ab welcher Summe können Privatanleger in Seltene Erden investieren?
Das ist bereits ab 50 Euro monatlich möglich. Rechtlich handelt es sich nicht um einen Sparplan, sondern um einen wiederkehrenden Warenkauf: Jeden Monat werden physische Metalle erworben. Das verschafft uns Planungssicherheit und ermöglicht langfristige Lieferverträge. Besonders attraktiv für Anleger: Nach zwölf Monaten Haltedauer sind die Wertzuwächse steuerfrei.