Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1781
Pipeline nach Europa geplant

Israel wird zur Erdgas-Macht im Östlichen Mittelmeer

Israel ist zur Erdgas-Großmacht im Mittelmeer geworden. Hier ein Kooperationsprojekt mit den Ägyptern im Leviathan-Feld. © Picture Alliance
Israel hat die letzten Hürden zur Förderung von Erdgas aus dem Mittelmeer in größerem Stil überwunden. Nun will das Land seine Förderkapazitäten ausbauen. Man hofft auf neue Mittel für die Staatskasse. Auch die Europäer sind in die Pläne eingebunden.

In diesem Monat ist Israel zu einer Erdgas-Macht im Östlichen Mittelmeer aufgestiegen. Jahrzehntelang hatten israelischen Regierungen immer wieder über den Mangel des Landes an natürlichen Energien geklagt. Jetz nimmt Tel-Aviv Erdgas-Lieferungen aus dem neuen Leviathan-Feld nahe der israelischen Mittelmeerküste nach Jordanien und Ägypten auf. Zwar hatte Jordanien schon bisher israelisches Gas bezogen. Dies aber nur in bescheidenen Mengen aus dem israelischen Tamar-Feld, das seit 2017 produziert. Hauptabnehmer des israelischen Erdgases ist Israel selbst.

Noch vor 20 Jahren hatte das östliche Mittelmeer als ausgesprochen “gasarm” gegolten. Israelische Explorationen führten dann aber zuerst zur Entdeckung des Tamar- und später des Leviathan-Feldes. Die Erkundungen von BP im ägyptischen Teil des östlichen Mittelmeers ergaben dort zunächst keine großen Gasmengen. Das änderte sich allerdings als die italienische ENI-Gruppe die Explorations- und Förderrechte von BP erwarb. ENI fördert inzwischen Gas, das nach Ägypten geliefert wird. Aber weder Ägypten noch die ENI sind offenbar in der Lage, dieses Gasvorkommen international auszuspielen. Im nordöstlichen Mittelmeer explorieren seit mehreren Jahren Zypern und die Türkei. Dabei gibt es immer wieder lebhaften - teils von Kriegsschiffen begleiteten - Streit über den genauen Verlauf der Seegrenze zwischen beiden Ländern. Das verschärft sich dadurch, weil die Insel Zypern zwei Staaten beherbergt, von denen der eine ausschließlich von der Türkei außenpolitisch anerkannt ist.

Deutlicher Widerstand von Gerichten abgeschmettert

In Israel hatte sich die Nutzung des Leviathan-Feldes um mehrere Jahre verzögert. Der Grund waren (und sind) anhaltende schwere Auseinandersetzungen zwischen der Politik, den an Leviathan beteiligten israelischen Unternehmen und der amerikanischen Gruppe Nobel Energy. Es geht um die Gewinnbesteuerung und den Wunsch vieler Politiker, Leviathan in staatlicher israelischer Hand zu betreiben. Dazu aber fehlte es letztlich an Fachleuten und auch an Kapital. Folglich kommt schließlich doch eine Partnerschaft mit den Amerikanern zustande; sie werden zumindest von einem Teil der israelischen Politiker ohnehin als "Schutzmacht” des Landes angesehen.

Die einheimischen israelischen Gegner dieser Regelung beschritten den Rechtsweg. Sie versuchten, das Projekt zu Fall zu bringen, indem sie immer wieder auf die besonderen Risiken und Gefahren des Gastransports hinwiesen. Noch während der letzten Wochen der Vorbereitung der Gaslieferungen - im Dezember 2019 - schlossen sich mehrere israelische Kommunen diesen Protesten an. Sie verlangten die umgehend Stilllegung von Leviathan zum Schutz der Küstenbewohner vor der Vergiftung und anderen Gesundheitsschäden. Von Seiten der Gerichte wurden diese Vorstöße aber allesamt abgeschmettert. Leviathan konnte im Dezember endgültig in Betrieb gehen.

Pipeline nach Europa geplant

Inzwischen geht es um die Nutzung der riesigen Gasmengen über die Lieferungen nach Israel, Jordanien und Ägypten hinaus. Israel hat bereits einen Rahmenvertrag mit Zypern und Griechenland abgeschlossen. Außer der Versorgung dieser beiden Länder mit Gas will das Land eine 2.000 Kilometer lange Pipeline nach Italien zur Vermarktung des Leviathan-Gases in die EU bauen. Die beteiligten Staaten gehen davon aus, das Leviathan vier Prozent des gesamten europäischen Gasbedarfs decken kann und damit zu einem Konkurrenten der russischen Gaslieferungen würde. Damit aber wüchse Israels politisch-wirtschaftliche Position sowie die Chance, Gas auch mit Tankern an Dritte zu verkaufen, vor allem über den schnell an Bedeutung gewinnenden internationalen Sportmarkt für Erdgas. Und für die israelische Staatskasse wird Leviathan schon bald zu einer erheblichen Einnahmequelle werden.

Fazit: Die Entscheidung zum Bau einer solchen Pipeline kann auch die Diskussion um den Bauabschluss von Nordstream 2 noch einmal beeinflussen. Denn das Argument, dass sich die Europäer zu sehr von Russland abhängig machen, zählt dann weniger.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Mindestzins muss angegeben werden

Pflichtangaben bei Überziehungskrediten

Pflichtangaben bei Überziehungskrediten. Copyright: Pixabay
Kreditinstitute bitten bei Überziehung des Kontos ihre Kunden derzeit mit rund 10% zur Kasse. Um keinen Ärger mit Kunden zu bekommen, müssen die Banken sehr genau die Konditionen angeben.
  • Fuchs plus
  • Dänemark hebt die Corona-Maßnahmen auf

Kopenhagen auf Londons Pfaden

Nyhavn in Kopenhagen. Copyright: Pexels
Fast alle Corona-Maßnahmen in Dänemark entfallen ab heute. Die wenigen noch bestehenden, werden im Herbst gestrichen. Damit folgt Kopenhagen dem von London eingeschlagenen Weg. Das wird Signalwirkung haben - auch auf Deutschland.
  • Fuchs plus
  • Licht mieten, Geld und C02 sparen

Beleuchtung clever mieten

Intelligente, energieeffiziente und CO2-sparende Beleuchtungsmodernisierung hat als Mietmodell zahlreiche Vorteile. LED-Beleuchtung senkt messbar die Kosten und verringert den Unterhaltsaufwand. Mieter schonen das Kapital und sind immer auf dem aktuellsten Stand der Lichttechnik.
Neueste Artikel
  • Im Fokus: Österreich-Aktien

Lukrative Titel zwischen Alpen und Donau

Lukrative Titel zwischen Alpen und Donau. Copyright: Pexels
Österreichs Wirtschaft brummt. Nachdem in der Alpenrepublik die Corona-Maßnahmen weitestgehend zurückgenommen wurden, läuft der Tourismus wieder an, das zurückgehaltene Geld wird ausgegeben und auch der Osteuropa-Handel kommt wieder in Fahrt. Davon profitieren auch österreichische Aktien.
  • Fuchs plus
  • Übernahme der Wartungskosten

Streit um Wartung der Rauchmelder

Streit um Wartung der Rauchmelder. Copyright: Pixabay
Rauchmelder erkennen Brände bereits in der Entstehungsphase und warnen frühzeitig durch ein lautstarkes, akustisches Signal. Bis zum 31. Dezember 2020 mussten deshalb in allen Wohnräumen deutschlandweit Rauchwarnmelder angebracht sein. Fragt sich nur, wer jetzt die regelmäßig anfallenden Wartungskosten übernimmt.
  • Fuchs plus
  • Gericht rettet Legal-Tech-Unternehmen das Geschäftsmodell

Vermieter müssen sich nun doch mit Inkassofirmen herumschlagen

Gericht rettet Legal-Tech-Unternehmen das Geschäftsmodell. Copyright: Pixabay
Legal Tech Startups rollen den juristischen Dienstleistungsmarkt auf. Sie kümmern sich um die ‚kleinen Ansprüche‘ aus Fluggastrechten, um Bußgeldbescheide und um die Einhaltung der Mietpreisbremse. Berliner Gerichte mussten entscheiden, ob die Abtretung von Mieterinteressen an eine Inkassofirma vom Vermieter untersagen werden kann.
Zum Seitenanfang