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Gigafabrik bei Berlin soll dem Unternehmen Subventionen bringen

Tesla will abkassieren

Elon Musk nutzt geschickt das deutsche Subventionssystem und führt die Politik vor. Copyright: Picture Alliance
Das US-Hype-Unternehmen Tesla benötigt dringend staatliche Subventionen. Darum ist die Ansiedlung in Deutschland mit der Gigafabrik vor den Toren Berlins für Elon Musk so interessant. Die deutschen Politiker haben das offenbar nicht verstanden und lassen sich von Tesla einwickeln.

Das amerikanische Hype-Unternehmen Tesla führt deutsche Politiker vor und spielt gekonnt auf der Subventions-Klaviatur. Tesla-Gründer Elon Musk weiß genau, wo die Schwächen im deutschen System liegen und nutzt sie aus. Das zeigt sich gut am Einstieg des US-Autobauers in den deutschen Markt und den Plänen zur Gigafactory vor den Toren Berlins.

Brandenburg hätte viel mehr aus der Ansiedlung machen können. Ein Blick nach China hätte dabei ganz sicher geholfen. Shanghai, wo Tesla ebenfalls eine Gigafactory hochgezogen hat, hat harte Bedingungen gestellt. Und der Autobauer hat sie erfüllt. So wurde das Produktionsgelände nicht verkauft, sondern langfristig verpachtet. Das Land bleibt Eigentümer und generiert langfristige Einnahmen. Hinzu kommt, dass Tesla sich verpflichten musste, mindestens 2 Mrd. USD an diesem Standort zu investieren – zu einem großen Teil finanziert durch chinesische Banken. Außerdem wurde vereinbart, dass der US-Autohersteller ab dem Jahr 2023 jährlich Mindesteuern in Höhe von 323 Mio. US-Dollar zu zahlen hat, egal wie das Geschäft läuft. Kommt Tesla dieser Verpflichtung nicht nach, fällt das gesamte Gelände an Shanghai zurück.

Tesla schielt auf deutsche Subventionen

Die deutschen Politiker haben aber den Wert des Standort D für Tesla nicht verstanden. Deutschland ist einer der größten und wichtigsten Auto-Märkte auf der Welt. Zudem dürfte die Gigafactory das Sprungbrett für Tesla für den europäischen Markt sein. In wichtigen Märkten wie den USA und China werden die Kaufprämien für E-Autos inzwischen zusammengestrichen. So hat Kalifornien die Prämien auf Null gesetzt. Prompt brach der Tesla-Absatz um 50% ein. Auch China reduziert die Prämien sukzessive, lässt sie zum Jahresende vollends auslaufen. Der Absatz von E-Autos bricht zusammen (-33% nach den Subventionskürzungen). Das zeigt: Ohne subventionierte Planwirtschaft ist das E-Auto noch chancenlos. 

Deutschland ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem die Subventionen für E-Autos sogar noch ausgebaut werden. Konkret: Die Kaufprämien wurden verlängert, die Abschreibung für E-Dienstwagen erhöht. Jetzt sollen auch noch milliardenschwere Subventionen für die Batterie-Forschung und Zellfertigung gezahlt werden. Das ist attraktiv für den US-Autobauer, der wesentlich von Subventionen lebt. Ein mit der Materie eng vertrauter Insider zu FUCHS: „Tesla braucht die internationalen Subventionen. Schon mehrfach haben staatliche Geldmittel in Milliardenhöhe das Unternehmen vor der Pleite bewahrt.“

Tesla verdient kein Geld mit den Autos

Die beantragten Subventionen für die Batteriezellfertigung wären für Tesla eine willkommene Einnahme. Zumal Tesla Absatzschwierigkeiten hat. Zwar wurden zuletzt deutlich mehr Wagen vom Typ 3 verkauft. An diesen Fahrzeugen verdient Tesla aufgrund einer schmalen Marge kein Geld. Der Absatz der margenstarken Wagen (Modell S und Y) ist aber stark rückläufig. Die guten zuletzt gemeldeten Zahlen halten einer harten Prüfung nicht stand. Nach GAAP lag der „Gewinn“ bei Minus 862 Mio. Dollar im Jahr 2019. Das akkumulierte Defizit liegt jetzt bei 6,2 Mrd. Dollar. 

Wichtigste Einnahmequelle des Konzerns ist der Verkauf von Emissionsrechten. Diese Quelle speiste 2019 immerhin fast 600 Mio. US-Dollar Erlöse ins Unternehmen. Aber sie wird versiegen. Denn je mehr andere Autohersteller keine Emissionsrechte mehr kaufen müssen, weil sie selber E-Autos verkaufen, desto kürzer wird dieser Hebel für Tesla.

Deutsche Politiker lassen sich blenden und einwickeln

Der Standort D ist für Tesla darum vor allem wegen der Subventionen höchst lukrativ. Aber Brandenburg verscherbelt sich viel zu billig. Das riesige Waldgrundstück in Grünheide (300 Hektar) hat der E-Auto-Bauer zu einem Spottpreis bekommen. Obwohl der Quadratmeter dort um die 40 Euro kostet, muss Tesla für sein Gelände nur schlappe 13 Euro je m2 zahlen(40,9 Mio. Euro). Die Bedenken, eine Fabrik mit einem Wasserbedarf von bis zu 375 Kubikmeter pro Stunde mitten in ein Wasserschutzgebiet zu bauen, werden von der Politik einfach beiseitegeschoben. 

Überhaupt sind die deutschen Politiker recht großzügig und lassen sich von den Marketingargumenten von Tesla einwickeln. So wurde Tesla erlaubt, mit dem Fällen von Bäumen zu beginnen, obwohl der Kaufvertrag noch gar nicht unterschrieben war. Daneben hält die Politik das Argument hoch, dass Tesla „bis zu 8.000“ Jobs in der „strukturschwachen Region“ schaffen will. Tesla selbst hat schon erklärt, dass 8.000 Mitarbeiter „erst in einigen Jahren für die volle Auslastung im Drei-Schicht-Betrieb“ angepeilt seien. Zudem fällt der Autobauer im östlichen Brandenburg gerade negativ mit Werbeplakaten auf. Darauf wird um Fachkräfte geworben – ausdrücklich „mit fließendem polnisch“. Und sicherlich ist es nur Zufall, dass die Berliner Senatoren und Staatssekretäre seit Mitte Januar erstmals auch Tesla-Fahrzeuge als Dienstkarossen auswählen dürfen. 

Fazit: Das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich Standort- und Förderpolitik ausgestaltet sein kann. Tesla benötigt seit Jahren staatliche Subventionen, damit es über die Runden kommt. Immer wieder trickste Musk bisher, um an staatliche Unterstützung zu kommen. Die deutschen Politiker sollten aufpassen, deutsche Steuergelder sinnvoll für den Standort D und seine Unternehmen einzusetzen.
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