„Prävention bringt den größten Sicherheitsgewinn.“
Herr Neukirch, wie hat sich die Sicherheitslage für UHNWI, HNWI, Unternehmerfamilien und Personen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Jahren verändert?
Die Sicherheitslage für UHNWI, Unternehmerfamilien und Personen des öffentlichen Lebens hat sich in den vergangenen Jahren fundamental gewandelt und ist so komplex wie nie zuvor. Wo früher primär klassische physische Gefahren wie Raub, Erpressung oder gezielte Entführungen im Vordergrund standen, bewegen wir uns heute in einem hochdynamischen, hybriden Bedrohungsumfeld. Physische und digitale Welten sind nicht mehr voneinander zu trennen. Durch die enorme Verfügbarkeit von Daten über soziale Medien, Online-Register und digitale Fußabdrücke können potenzielle Täter Aufenthaltsorte, Bewegungsmuster, Familienstrukturen und Sicherheitslücken heute bequem aus der Ferne im Wege der Open-Source Intelligence aufklären.
Hinzu kommt eine gesellschaftliche Polarisierung, die die Hemmschwelle für digitale Hetze, Stalking und unbedachte, spontane Aktionen vor der eigenen Haustür drastisch gesenkt hat. Gleichzeitig hat die Professionalisierung der internationalen Kriminalität zugenommen: Cyberangriffe, Erpressungen durch Datenlecks oder KI-gestützte Täuschungsversuche wie Voice-Cloning machen an Landesgrenzen nicht halt und treffen oft die schwach geschützte private IT-Infrastruktur der Familie. Als verantwortlicher Sicherheitsberater für Family Offices beobachte ich daher, dass die reine physische Präsenz eines Schutzteams heute nur noch die letzte Verteidigungslinie darstellt; der eigentliche Schwerpunkt moderner Schutzkonzepte hat sich längst auf die vorausschauende Prävention, digitale Hygiene und die kontinuierliche Lageaufklärung im Hintergrund verlagert.
Welche Bedrohungen werden von vermögenden Familien heute am häufigsten unterschätzt?
Neukirch: Aus meiner Praxis sehe ich, dass vermögende Familien die Gefahr meist dort vermuten, wo sie am spektakulärsten wirkt – beim bewaffneten Überfall oder der Entführung. Die realen, hochgefährlichen Bedrohungen sind heute jedoch deutlich subtiler und werden stetig unterschätzt. An erster Stelle steht das Risiko des Innentäters (Insider Threat). Unzureichend überprüftes Hauspersonal, Chauffeure, IT-Dienstleister oder Assistenten werden durch unbedachte Äußerungen, eigene Notlagen oder mangelnde Diskretion schnell zur unfreiwilligen Informationsquelle für Kriminelle. Wer den Schlüssel oder das WLAN-Passwort freiwillig aushändigt, schafft das größte Sicherheitsrisiko.
Der zweite unterschätzte Faktor ist die digitale Angriffsfläche und Social Engineering. Während Stammunternehmen meist gut geschützt sind, bilden private Residenzen, Yachten und die Smartphones von Familienmitgliedern Einfallstore für Cyberkriminelle. Unbedachte Posts der eigenen Kinder, vernetzte Smart-Home-Systeme oder KI-gestützte Täuschungsversuche wie Voice-Cloning ermöglichen Tätern mühelos Erpressungen oder gefälschte Finanztransaktionen. Schließlich wird das Ausmaß von Reputationsschäden und Datenlecks unterschätzt. Das ungewollte Veröffentlichen privater Dokumente oder Finanzdaten zerstört die Handlungsfreiheit und das Vertrauen von Unternehmerfamilien oft nachhaltiger als ein materieller Diebstahl aus dem Tresor. Die größten Gefahren kommen heute nicht mit Gewalt durch das Hoftor, sondern schleichen sich über Datenleitungen und ungeprüftes Personal ein.
Ab wann sollte Sicherheit als strategischer Bestandteil der Vermögens- und Familienplanung betrachtet werden?
Neukirch: Sicherheit darf niemals als nachträgliche Reaktion auf einen Vorfall verstanden werden, sondern muss von Beginn an als fester Bestandteil der Family Governance verankert sein. Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem die Vermögensstruktur die Einbindung eines Family Office erfordert oder Familienmitglieder durch Unternehmensrollen oder Nachfolgeprozesse in den Fokus der Öffentlichkeit treten, ist eine strategische Verankerung unerlässlich. Sicherheit muss bereits bei Bauvorhaben, Unternehmensübernahmen und der Erziehung der nächsten Generation vorausschauend mitgedacht werden.
Jede Form der öffentlichen Sichtbarkeit liefert potenziellen Tätern wertvolle Informationen. Social-Media-Aktivitäten von Familienmitgliedern oder der NextGen verraten in Echtzeit Aufenthaltsorte, Urlaubszeiten, Flugdaten und Sicherheitslücken im Wohnumfeld. Darüber hinaus schaffen demonstrativer Wohlstand und Medienpräsenz enorme Angriffsflächen für Erpressungsversuche und digitale Kampagnen, die innerhalb kürzester Zeit von der virtuellen Welt in reale, physische Bedrohungen vor der eigenen Haustür umschlagen können.
Herr Okada, welche Risiken entstehen durch öffentliche Sichtbarkeit, Medienpräsenz und soziale Netzwerke?
Für Vermögende und alle, die im Rampenlicht stehen, bedeutet eine übermäßige Sichtbarkeit vor allem eines: Angriffsfläche. Ein gewisses Maß an Visibilität ist ja gesund und auch im Geschäftsleben absolut notwendig. Aber es besteht kein Grund, das Privatleben im Internet auszubreiten. Zum Beispiel Fotos aller Familienmitglieder, Telefonnummern und E-Mail-Adressen, Alltagroutinen, häufige Aufenthaltsorte, Schulen oder Sportvereine der Kinder oder den regelmäßigen Urlaubsort. Unsere Erfahrung zeigt, dass Täter solche Informationen systematisch für Straftaten ausnutzen, wenn sie öffentlich auffindbar sind.
Warum geraten gerade vermögende Familien zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen?
Okada: Cybercrime ist ja für die Täter „low risk“, weil sie meistens irgendwo in der Welt anonym in einem Raum sitzen und für die Justiz im Land des Geschädigten so gut wie unangreifbar sind. Vermögende Familien haben den Vorteil für die Kriminellen, dass sie – anders als z.B. Konzerne – oft niemanden haben, der sie zentral und professionell vor zu viel Transparenz und Sichtbarkeit schützt. Das macht sie zu dankbaren Zielen.
Welche Cyber-Sicherheitsmaßnahmen bieten heute den größten Schutz bei vertretbarem Aufwand?
Okada: Backups der IT-Systeme, das ist die wichtigste Komponente. Die Backups dürfen allerdings mit der restlichen IT-Infrastruktur nicht verbunden sein, sonst können die Täter auch auf diese zugreifen und sie verschlüsseln. Aber Backups allein reichen nicht. Eine umfassende Beratung ist da notwendig.
Wie können sich Unternehmerfamilien wirksam gegen Social Engineering und Identitätsdiebstahl schützen?
Okada: Indem sie zunächst von Profis einmal ihre gesamte Familie in öffentlichen Quellen recherchieren lassen. So sieht man, was alles im Internet rumschwirrt. Im zweiten Schritt kann man alles, was unnötig ist, löschen; an anderen Stellen optimiert man durch den Einsatz von Briefkastenadressen oder ähnlichem, um die Familie zu schützen. Insgesamt sind die Erkenntnisse aus der Sichtbarkeit eine essentielle Basis für das spezifische Sicherheitskonzept, das für die Familie erstellt wird.
Welche Bedeutung haben Background Checks bei Mitarbeitern, Haushaltsangestellten, Beratern und Geschäftspartnern?
Okada: Stellen Sie sich vor: Viele Unternehmer wissen von ihren Hausangestellten nur rudimentär, wo sie herkommen und welche Hintergründe sie haben. Sie besitzen oft nicht mal Ausweiskopien von ihnen, lassen sie aber ins Innerste der Familie hinein. Unsere Erfahrung ist, dass es bereits beim Lebenslauf anfängt. Wer dort maßlos übertreibt oder sogar die Unwahrheit sagt – und das ist in ca. 30% der Fälle so – der hat potentiell auch die kriminelle Energie, später Straftaten gegen die Familie zu begehen. Das passiert immer wieder und wer schon einmal geschädigt worden ist, der beauftragt Background Checks zu Hausangestellten und engen Mitarbeitern im Unternehmen, bevor sie eingestellt werden. Aber wünschenswert wäre natürlich, dass das Kind nicht erst in den Brunnen fallen muss, um so eine Sicherheitsmaßnahme zum Standard zu machen.
Herr Okada, welche Warnsignale sollten vor Investitionen, Beteiligungen oder neuen Geschäftsbeziehungen genauer geprüft werden?
Warnsignale gibt es leider unendlich viele, in jeder denkbaren Hinsicht, menschlich, organisatorisch, verhaltensmäßig. Wenn man sich nur auf die Existenz von Warnsignalen verlässt, um etwas zu prüfen, macht man bereits den ersten Fehler. Denn zu einem Geschäft mit erheblicher Größenordnung gehört immer eine sorgfältige Due Diligence, auch ohne Anlass von Warnsignalen. Und zwar nicht nur eine Financial DD und eine Legal DD, sondern auch eine zu den Hintergründen der künftigen Geschäftspartner. Wichtig sind: geschäftliche Historie, Geschäftsgebaren, die Qualität der Netzwerke im Land, potentiell problematische Verbindungen z.B. zur Organisierten Kriminalität. Außerdem sollte man Szenarien durchdenken, was potentiell schiefgehen kann, auch da helfen Sicherheitsprofis beim Brainstorming.
Herr Okada, welche besonderen Sicherheitsrisiken ergeben sich durch internationale Investments, Zweitwohnsitze und globale Mobilität?
Im Grunde vor allem die menschlichen Risiken, die mit einem solch komplexen Lebensstil einhergehen. Denn wenn Unternehmer ihren Lebensmittelpunkt auf mehrere Orte der Welt verteilen und ständig unterwegs sind, erfordert das erfahrungsgemäß zahlreiches Personal, das so ein Leben logistisch unterstützt. Also Heerscharen von Concierges, Assistenten, Nannies, Hausverwaltern, Kümmerern und externen Dienstleistern. Da stelle ich mir die Frage: Wer wacht eigentlich darüber, dass diese Personen alle integer sind? Das bloße Minimum für solche Unternehmerfamilien ist aus meiner Sicht, einen persönlichen Sicherheitschef für die Familie anzustellen, der sich genau darum kümmert. Und zusätzlich um die Sicherheitstechnik in den Häusern der Familie und die Steuerung professioneller Sicherheitsdienstleister.
Herr Neukirch, was versteht man unter „unsichtbarem Personenschutz“ und warum gewinnt dieses Konzept an Bedeutung?
Unter „unsichtbarem Personenschutz“ – auch als Voraufklärung- oder verdeckter Personenschutz bezeichnet – versteht man ein Sicherheitskonzept, das auf unauffälligen Aufklärungskräften, vorausschauender Logistik und intelligenter Umfeldanalyse basiert. Die Personenschützer agieren in ziviler Kleidung, halten sich im Hintergrund auf oder bewegen sich als scheinbar unbeteiligte Passanten im weiteren Umfeld der geschützten Person. Zusätzlich werden die regelmäßig von der Familie frequentierten Örtlichkeiten kontinuierlich bestreift, da die Wahrscheinlichkeit eines Antreffens dort am höchsten ist.
Dieses Konzept gewinnt aus drei zentralen Gründen drastisch an Bedeutung: Erstens garantiert es ein Höchstmaß an Lebensqualität und Bewegungsfreiheit. Die Familie kann ihren Alltag, Geschäftstermine oder Freizeitaktivitäten völlig unbeschwert gestalten, ohne das Gefühl zu haben, auf Schritt und Tritt von einer physischen Barriere eingeengt zu werden. Zweitens vermeidet verdeckter Schutz den ungewollten „Zielscheiben-Effekt“ (Targeting). Ein Großaufgebot an offensichtlichen Bodyguards zieht die Aufmerksamkeit von Passanten, Medien und potenziellen Tätern überhaupt erst an. Ein unauffälliger Auftritt signalisiert kein erhöhtes Bedrohungspotenzial und hält die Privatsphäre gewahrt. Drittens setzt das Konzept auf Prävention vor Konfrontation. Anstatt erst einzugreifen, wenn eine Bedrohung unmittelbar vor der Person steht, scannt der Aufklärer das Umfeld frühzeitig auf verdächtige Verhaltensmuster, Fotografen oder Ausspähversuche. Straftaten werden so bereits während der Tatvorbereitung erkannt und vereitelt, bevor sie den Nahbereich der Familie überhaupt erreichen.
Wie schützt man Kinder von Unternehmerfamilien und vermögenden Privatpersonen in der Öffentlichkeit, ohne deren Alltag und Entwicklung einzuschränken?
Neukirch: Keine Aufgabe im Personenschutz verlangt mehr Fingerspitzengefühl als der Schutz von Kindern vermögender Familien. Das Konzept des „unsichtbaren Personenschutzes“ schafft hier die perfekte Balance: Es bietet maximale Sicherheit im Verborgenen, während das Kind ungestört aufwachsen kann. Unauffällige Teams begleiten das Kind diskret im Alltag, ohne für das soziale Umfeld sichtbar zu sein. Unterstützt werden sie dabei von unaufdringlicher Sicherheitstechnik wie Notruf- und Ortungssystemen.
Der Schwerpunkt liegt auf vorausschauender Prävention. Neben obligatorischen Background-Checks für das Haus- und Betreuungspersonal werden die regelmäßig genutzten Orte der Familie kontinuierlich aufgeklärt und bestreift, um potenzielle Risiken am Ursprung zu neutralisieren. Abgerundet wird die Strategie durch die altersgerechte Aufklärung der Kinder selbst, die spielerisch lernen, worauf im Alltag und im Netz zu achten ist. Das Ergebnis ist ein rundum geschütztes, angstfreies Aufwachsen.
Welche Sicherheitsvorkehrungen sollten vor Auslandsreisen in politisch oder kriminalitätsbedingt sensible Regionen getroffen werden?
Neukirch: Reisen in politisch oder kriminalitätsbedingt instabile Regionen gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Personenschutz. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei fast ausschließlich in der Akribie der Vorbereitung: Wer sich erst nach der Landung vor Ort mit Risiken auseinandersetzt, hat taktisch bereits verloren. Am Anfang steht immer ein tagesaktuelles Reiselagebild (Travel Risk Assessment). Dabei analysieren wir Kriminalitätsraten, politische Unruhen, Entführungsrisiken sowie die medizinische Infrastruktur vor Ort, um klare Verhaltensregeln, Ausweichrouten und Tabuzonen festzulegen. Da ein mitreisendes Team im Ausland ohne Sprachkenntnisse und Ortskunde an Grenzen stößt, arbeiten wir zwingend mit auditierten lokalen Partnern zusammen. Die Chauffeure vor Ort sind im taktischen Fahren geschult, und die Fahrzeuge werden vorab auf Tauglichkeit und Notfallausrüstung geprüft.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Lückenlosigkeit der Transportkette, da Transfers zwischen Flughäfen, Hotels und Terminen die verwundbarsten Momente darstellen. Abholungen erfolgen bevorzugt direkt am Rollfeld oder im VIP-Terminal bzw. GAT, um unkontrollierte Menschenmengen zu meiden. Auch die Unterkünfte werden vorab auditiert, wobei wir Hotels mit kontrollierbaren Etagenzugängen und diskreten Fluchtwegen bevorzugen. Für Auslandsreisen wird die Nutzung gehärteter Reise-Hardware anstelle der regulären Endgeräte dringend empfohlen. Zusätzlich führen die eingesetzten Schutzkräfte stets ein Satellitentelefon mit.
Wann sollten Betroffene externe Intelligence-Spezialisten, Ermittler oder Krisenmanager hinzuziehen?
Okada: Wenn eine Lage die eigenen Möglichkeiten übersteigt, unter hohem Zeitdruck steht oder akute Schäden drohen. Das betrifft vor allem extrem belastende Situationen wie Erpressungsversuche, Stalking, Angriffe auf das Family Office oder Cyberattacken, bei denen es schlicht an der nötigen Erfahrung und Verhandlungspraxis fehlt. Aber auch bei internen Verdachtsfällen – etwa wenn es um Wirtschaftskriminalität, den Abfluss von Know-how oder Sabotage geht – bringen externe Ermittler die unerlässliche Objektivität mit und sichern Beweise gerichtsverwertbar.
Darüber hinaus bieten sie wertvollen Schutz im Vorfeld von Großinvestitionen oder wichtigen Personalentscheidungen, indem sie verdeckte Risiken frühzeitig aufdecken. Im Ernstfall fungieren Krisenmanager zudem als erfahrenes Bindeglied zu den Ermittlungsbehörden und sorgen für schnelle, strukturierte Abläufe. Am Ende zeigt die Erfahrung: Je früher man Spezialisten in eine entstehende Krise einbindet, desto wirkungsvoller lassen sich Schäden für die Familie, das Vermögen und die Reputation abwenden.
Welche Rolle spielen Asset Tracing und digitale Forensik bei der Aufklärung von Betrugs- und Vermögensdelikten?
Okada: Bei der Aufklärung von Betrugs- und Vermögensdelikten bilden digitale Forensik und Asset Tracing das entscheidende Doppelgespann: Die digitale Forensik klärt das Wie und Wer, während das Asset Tracing das Wo der verschwundenen Assets beantwortet. Die digitale Forensik sichert Beweise am digitalen Tatort. Sie stellt gelöschte Daten wieder her, analysiert Systemmanipulationen und deckt Täterspuren in E-Mails, Buchhaltungssystemen oder Chatverläufen gerichtsverwertbar auf. Auf diesen Daten baut das Asset Tracing auf: Spezialisten verfolgen die entwendeten Gelder durch verschachtelte Firmenkonstrukte, Offshore-Konten oder Kryptowährungen. So werden Vermögenswerte weltweit lokalisiert und durch rechtliche Schritte wie Kontensperrungen eingefroren.
Zusammen verwandeln beide Disziplinen einen diffusen Verdacht in hieb- und stichfeste Beweise – und schaffen für Geschädigte überhaupt erst die Chance, erlittene Millionenverluste tatsächlich zurückzuholen.
Herr Neukirch, was kostet professioneller Schutz für UHNWI, HNWI und Unternehmerfamilien heute tatsächlich und wie lässt sich der Nutzen solcher Maßnahmen bewerten?
Die Kosten für professionellen Schutz variieren je nach Umfang und Intensität der Maßnahmen. Für die Strategie und Entwicklung maßgeschneiderter Sicherheitskonzepte berechnen externe Berater üblicherweise Tagessätze zwischen 1.900 € und 2.400 €. Die operative Umsetzung vor Ort durch Sicherheitsexperten schlägt wiederum mit Tagessätzen von 850 € bis 1.000 € pro 12-Stunden-Arbeitstag zu Buche. Für ein modern aufgestelltes Family Office, das neben physischen Immobilien auch digitale Vermögenswerte verwaltet, belaufen sich die jährlichen Ausgaben für laufende Maßnahmen – darunter IT-Sicherheitsprüfungen, Hintergrundchecks von Mitarbeitern, Darknet-Recherchen und Schulungen – auf durchschnittlich etwa 60.000 €, abhängig von der Komplexität und Größe der Struktur.
Neben dem Schutz von Leib und Leben der Familienmitglieder zeigt sich der Nutzen dieser Maßnahmen vor allem im dauerhaften Erhalt des Vermögens und dem Schutz des Ansehens.. Insbesondere für Family Offices, die Vermögenswerte von mehr als 100 Millionen Euro betreuen, ist ein umfassendes Sicherheitsmanagement aus Prävention und Reaktionsstrategien heute unerlässlich. Der Ertrag dieser Aufwände zeigt sich in der wirksamen Abwehr von Cyberbedrohungen, dem Schutz sensibler Finanzdaten, der Absicherung von Büro- und Ferienimmobilien sowie der Einhaltung von Compliance-Vorschriften. Gemessen am Umfang des verwalteten Vermögens stellen die Sicherheitsausgaben somit eine vollkommen angemessene und notwendige Investition zur langfristigen Wert- und Existenzsicherung dar.
Welche Investition bietet heute den größten Sicherheitsgewinn: Cyber Security, Intelligence, Personenschutz oder Prävention?
Okada: Aus der Sicherheitspraxis lautet die ehrliche Antwort: Keine dieser Disziplinen bringt für sich allein den größten Gewinn – der entscheidende Hebel liegt in ihrer intelligenten Verzahnung. Wenn man priorisieren muss, bietet die Prävention den höchsten Wert. Sie ist das Fundament, auf dem Cyber Security, Intelligence und Personenschutz aufbauen. Wer erst reagiert, wenn der Hacker im System ist oder der Erpresser anruft, zahlt ein Vielfaches.
In der Praxis greift ohnehin alles ineinander: Cyber Security bleibt ohne Intelligence blind für Gefahren im Darknet, und Personenschutz nützt wenig, wenn Standorte über gehackte Smartphones abgegriffen werden. Der maximale Sicherheitsgewinn entsteht daher immer durch ein integriertes Gesamtkonzept, das Bedrohungen früh erkennt, Angriffsflächen minimiert und Menschen wie Daten lückenlos schützt.
Ist Sicherheit für UHNWI, HNWI, Unternehmerfamilien und Personen des öffentlichen Lebens heute noch ein optionaler Kostenfaktor oder längst eine unverzichtbare Voraussetzung für den Erhalt von Vermögen, Reputation und Handlungsfähigkeit?
Neukirch: Aus der Praxis des modernen Personenschutzes lässt sich diese Frage ganz eindeutig beantworten: Sicherheit ist für UHNWI, HNWI, Unternehmerfamilien und Personen des öffentlichen Lebens schon lange kein optionaler Luxus oder gar reiner Kostenfaktor mehr. Sie ist zur elementaren Grundvoraussetzung für den Erhalt von Vermögen, Reputation und persönlicher Handlungsfähigkeit geworden.
Wer Sicherheit heute noch als flexibel kürzbaren Ausgabenposten versteht, unterschätzt die Hebelwirkung präventiver Maßnahmen. Ein professionell strukturiertes Sicherheitsmanagement ist im Grunde eine Risikoversicherung für das Lebenswerk. Die finanziellen und gesellschaftlichen Folgeschäden durch Ransomware-Angriffe, den Abfluss sensibler Finanzdaten, Erpressungsversuche oder gezielte Reputationsschäden übersteigen die Kosten jahrelanger Prävention um ein Vielfaches. Der eigentliche Mehrwert modernen Schutzes geht jedoch weit über die reine Schadensvermeidung hinaus: Er garantiert Freiheit. Ein unsichtbares, intelligent organisiertes Sicherheitsnetz im Hintergrund sorgt dafür, dass Unternehmer Handlungsentscheidungen frei von Druck treffen, Geschäfte im In- und Ausland sicher abwickeln und Familienmitglieder – insbesondere Kinder – trotz ihrer herausgehobenen Stellung ein unbeschwertes, normales Leben führen können.
Vielen Dank für das Gespräch.
Sascha Neukirch leitet die Abteilung Personenschutz
Während seiner Laufbahn bei der Berliner Polizei war er imPersonenschutz des Landeskriminalamtes (LKA) tätig und übernahm im operativen Dienst die Sicherheit ausländischer Botschafter und anderer gefährdeter Personen. Dabei halfen ihm seine medizinischen Vorkenntnisse, die er als examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger in einer Berliner Notaufnahme erwarb.
2020 wechselte Sascha Neukirch von der Polizei in die freie Wirtschaft, wo er als Personenschützer die Sicherheit einer Unternehmerfamilie aus München verantwortete. Seit Mitte 2022 leitet er bei Corporate Trust den Bereich Personenschutz und Medic, hält Vorträge auf Veranstaltungen und berät Kunden zu den verschiedensten Konzepten im Bereich der persönlichen Sicherheit.
Copyright: Corporate Trust
Zur Person:
Sebastian Okada ist Prokurist und leitet Corporate Trusts Abteilung für Intelligence & Investigations.
Er ist seit 2004 in Ermittlungen und Corporate Intelligence tätig. Nach Abschluss seines Studiums Magna Cum Laude in Pennsylvania/USA, arbeitete er zunächst drei Jahre lang für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in Berlin, Potsdam, Hamburg und Köln. 2004 wechselte er in die Wirtschaft und war mehrere Jahre in den Forensik-Abteilungen zweier „Big 4“-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften tätig, wo er die Intelligence-Einheiten mitaufbaute.
Nach einer weiteren Zeit in Nordamerika schloss er sich 2011 Corporate Trust in München an. Zu seiner Expertise gehören Ermittlungen und Prävention von Untreue, Betrug, Geldwäsche, Korruption, Wirtschaftsspionage sowie tiefgehende Überprüfungen von Geschäftspartnern weltweit. Er verfolgt interessiert Technologietrends und integriert regelmäßig neue Tools für moderne Ermittlungen und Informationsbeschaffung in sein Portfolio. Mit seinen Berichten unterstützt Sebastian Okada regelmäßig Wirtschaftsgerichtsverfahren, darunter Straf-, Zivil- und Arbitrationsgerichte in ganz Europa.