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Fürst Fugger Privatbank Aktiengesellschaft im Test für TOPs 2018

Fürst Fugger: Small Talk ist zu wenig

Auch stolze Tradition und offen zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein schützen nicht unbedingt vor durchschnittlicher Leistung. Und Routine führt nicht unbedingt zu einem guten Abschluss. Die Beratung durch die Fürst Fugger Privatbank bestätigt beides – leider.
„Wir zählen zu der Elite der Vermögensverwalter. Unser Handeln orientiert sich dabei an den Geschäften und Errungenschaften unserer legendären Wegbereiter – der Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger“: So selbstbewusst wird der Nutzer der Website der Fürst Fugger Bank begrüßt, wo man sich auf die über 530jährige Tradition des Hauses Fugger beruft. Der Internetauftritt selbst ist – na ja – etwas altbacken. Jedenfalls scheint er uns ein paar Jährchen hinter der Zeit her zu hinken.

Echte Fugger-Werte

Was macht das betagte Augsburger Unternehmen aus? In einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ vom Juni 2016 erklärt Firmenerbin Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, was man heute vom eigentlichen Firmengründer Jakob Fugger (1459 bis 1525) lernen kann: „Erstens Solidität im Wirtschaften. Das Unternehmen hatte eine Eigenkapitalquote von 95 Prozent. Zweitens die Absicherung von Krediten mit realen Werten. Und drittens die immense Bedeutung von Grund und Boden für generationenübergreifenden Wohlstand.“ Die Investitionen der Vorgängergenerationen bildeten heute die wirtschaftliche Grundlage der Fugger und ihrer neun Stiftungen.

Die Familie macht vor allem in Wald

Und womit verdient die Familie Fugger heute ihr Geld? Immer noch vor allem mit der Forstwirtschaft, berichtet die Gräfin. Bei den Fugger-Stiftungen etwa sei sie mit einem Anteil von 75 Prozent die wichtigste Einnahmequelle – die aktuelle Niedrigzinsphase bringe die Stiftung daher im Gegensatz zu vielen anderen Kapitalstiftungen nicht in Bedrängnis. „Wir besitzen drei Forstreviere rund um Augsburg, mit insgesamt 3.200 Hektar Fläche. Im Kern sind das immer noch genau die Reviere, die unsere Vorfahren erworben haben“, erklärt sie die Zusammenhänge.

Zwei Strategien bei der Vermögensverwaltung

Die Verwaltung großer privater und institutioneller Vermögen bildet heute den Kern der Geschäftstätigkeit der Fugger Bank. In den letzten Jahren habe man die Angebote in den Bereichen Vermögensverwaltung und Fondsmanagement konsequent weiterentwickelt und damit auf den zunehmenden Bedarf an professionellen Anlagekonzepten und Alternativen zu niedrig verzinslichen Produkten reagiert. Ergebnis sind aus Sicht der Bank ausgezeichnete Anlagealternativen für die Kunden.
Bei der Vermögensverwaltung unterscheidet die Bank zwischen einem klassischen und einem individuellen Modell. Die klassische Variante bietet ab einem Anlagebetrag von 250.000 Euro fünf alternative Anlagestrategien: konservativ, defensiv, defensiv plus, ausgewogen und offensiv. Die individuelle Vermögensverwaltung hält ab einem Anlagebetrag von 500.000 Euro auf der Grundlage der fünf alternativen Investmentstrategien der klassischen Vermögensverwaltung zusätzlich individuelle Kriterien bereit, wie abweichende Investmentbandbreiten oder verstärkte Anlagen in Themenbereichen wie beispielsweise Nachhaltigkeit und Ökologie. Das kommt uns sehr entgegen. Mal sehen, ob sich die Praxis genauso gut anfühlt wie die Ankündigungen.

Der Kunde und sein Anliegen:

Dem Kunden sind mit der Flüchtlingskrise Bedenken bezüglich der Stabilität der EU gekommen. Und der BREXIT hat für ihn ganz neue Gefahren aufgezeigt: Die EU könnte auseinanderbrechen. Mittlerweile ist der Kunde soweit, dass er ernsthaft überlegt, (ganz) in ein Land außerhalb der EU zu ziehen oder zumindest dort einen zusätzlichen Wohnsitz zu gründen. Er verfügt über ein Gesamtvermögen von ca. 8.000.000 Euro, davon 4.000.000 in Immobilien. Als laufenden Einnahmen stehen monatlich 10.000 Euro nach Steuern zur Verfügung. Das bisherige Depot ist zu. 100 % in Europa angelegt. Das neue Depot soll nur noch zu 25 % in Europa investiert sein.

Vermögende wollen gut beraten werden. Ebenso wichtig ist aber, dass das anvertraute Kapital solide verwaltet und vermehrt wird. Der Markt der Vermögensverwaltung ist intransparent. Getreu unserem Motto „Wir machen Qualität transparent“ verfolgt das Performanceprojekt der Private Banking Prüfinstanz genau dieses Ziel. Am Performance-Projekt nimmt die Fürst Fugger Privatbank teil und ermöglicht somit einen Einblick in die eigene Vermögensverwaltungskompetenz. Dabei wählt sie allerdings den anonymen Status.

Zum Thema Rechtsstreitigkeiten gibt es keine Auskunft von der Fürst Fugger Privatbank, da sie keine Transparenzangaben macht.

Das Beratungserlebnis

Ein freundlicher bayerisch sprechender Mitarbeiter hebt umgehend ab, als wir in der Bank anrufen, und erkundigt sich, ob wir schon Kunde sind oder es vielleicht noch werden wollen. Nach wenigen Sekunden landen wir beim Münchener Filialleiter. Er stellt sich uns als solcher vor und meint, dass er das Gespräch vor Ort in der Bank gern selbst mit uns führen möchte. Zudem kündigt er einen zweiten Berater an. Er gibt uns seine Mail-Adresse und bittet um unsere Kontaktdaten. Wir erfahren noch, dass die Mindestanlagesumme bei 250.000 Euro liege, weil man die Bodenhaftung nicht verlieren wolle. Das ist sehr angenehm zu hören.
Schon im Vorgespräch können wir das Thema Fremdwährungen gut adressieren. Man traue sich problemlos zu, unser vorhandenes Depot entsprechend umzubauen. Man verfüge über ausreichend Expertise in Fremdwährungen, bemerkt der Berater und verweist auf eigene Asienfonds von Fugger. Grundsätzlich sei man in allen Währungen fit, aber man werde sicherlich die gut konvertiblen sowie Fremdwährungsfonds nutzen.

Vor–Ort-Gespräch

Das Gebäude der Bank in der Münchener Kardinal-Faulhaber-Straße hat den Charme der 70er Jahre, eine in die Jahre gekommene Gediegenheit. Das ist bei dem Ambiente der historischen Straße in der Münchener Altstadt auch nicht anders zu erwarten. Ihr Bild wird geprägt von repräsentativ gestalteten Adelspalais und Verwaltungsbauten. Auch das Entree atmet den Geist der 70er Jahre. Was der eine gediegen findet, wirkt auf den anderen leicht angestaubt – als ob die letzten vierzig Jahre spurlos an dem Ambiente vorübergegangen sind. Wir haben keine Zeit lange darüber nachzudenken, denn kurz darauf werden wir in einen großen Besprechungsraum geführt.

Berater wirken seriös und routiniert

Der Besprechungsraum ist gediegen eingerichtet und hat Zugang auf eine große Dachterrasse, die mitten in München eine gewisse Großzügigkeit versprüht. Es bietet sich die Gelegenheit, im Smalltalk mit den beiden Beratern ein paar Basics abzuklopfen. Beide sind Mitarbeiter im besten Alter, im Business-Look gekleidet, sehr seriös und souverän wirkend. Ihrem Auftreten merkt man an, dass sie seit langem im Geschäft sind. Sie machen sich gleich zu Beginn routiniert einen Eindruck von dem möglichen Kunden und wollen sichtlich erkunden, wie er so tickt. Sie fragen aber nicht nur, sondern erzählen auch über sich.
Es ist November 2016 – und natürlich ist Trump großes Thema, als wir über die Märkte sprechen. Bei der Frage, welche Auswirkungen seine Wahl haben könnte, halten sich die Berater sichtlich zurück. Einig sind wir uns in der Frage, dass Anleihen nicht noch mal so eine Kursrally abfeiern können wie in den zurückliegenden Jahren. Beide wollen erstaunlich wenig zu unserem Vermögen wissen, aber dennoch zeitnah ein Angebot abgeben. Das stimmt uns schon ein wenig nachdenklich.

Währungsdiskussion verwirrt uns

Die Berater scheinen ein eingespieltes Team zu sein und harmonieren. Beide lieben offenbar auch gleichermaßen den Small Talk und setzen auf eine lockere Atmosphäre.
Die Währungsdiskussion nimmt viel Raum ein. Doch sie befriedigt nicht. Einer der Berater meint, dass man etwa mit einer Aktie des Gesundheitsunternehmens Johnson und Johnson gut beraten sei und als Aktionär Eigentum an einem Geschäftsmodell kaufe. Die Währung sei dabei eigentlich egal, weil dieses Unternehmen das Auseinanderfallen des Euro definitiv überleben werde. Da das Währungsrisiko nicht wirklich gut berechenbar sei, mache es keinen Sinn, so extrem zu reagieren und überwiegend im Nicht-Euro-Raum investiert zu sein. Im Falle eines Euro-Crashs werde es, lassen uns die Berater wissen, ein weltweites Aktienbeben geben und wahrscheinlich auch eine Rückkehr zu den nationalen Währungen. Eine Neu-Mark werde stark sein und in Europa sei in dem Fall eine Art Währungskrieg zu befürchten, weil alle Beteiligen möglichst schwach anfangen wollen. Diese ganze Diskussion lässt uns ziemlich verwirrt zurück. Wir ahnen jetzt zwar, was alles nicht geht. Eine auf uns passende Strategie lassen die Berater allerdings nicht erkennen. Die Frage nach der bevorzugenden Anlageform beantworten die Berater damit, dass Aktien und Anleihen außerhalb des Euroraums favorisiert würden.

Berater gehen nicht gut auf uns als Kunde ein

Die Rendite- und Verlustdiskussion ist sehr diffus. Zwar werden unsere Renditeerwartungen angesprochen. Die Berater meinen, dass man bei Niedrigzinsen und im derzeitigen Umfeld keine übertriebenen Erwartungen haben dürfe. Nun ja, das wussten wir eigentlich schon vorher. Ein wenig mehr Input hätten wir an der Stelle schon erwartet.
Wir sagen, dass wir nicht aus Renditegründen aus dem Euro aussteigen wollen, sondern weil wir befürchten, dass es zu einem Crash des Euros kommen kann. Zweimal versuchen wir im Verlauf des Gesprächs eine Brücke zum Verlustrisiko zu schlagen, aber darauf gehen die Berater nicht ein.

Small Talk reicht nicht

Insgesamt verstärkt sich im Laufe des Gesprächs den Eindruck, dass sich die Berater lieber reden hören, als sich für uns zu interessieren. Damit ist der zunächst gute erste Eindruck ziemlich verdorben. Immer wieder erklären sie uns, dass sie unseren Ausstieg aus dem Euro nicht unterstützen wollen, zumindest nicht gerne. Nur: Unser Ansinnen hatten wir doch schon im telefonischen Vorgespräch erläutert.
Natürlich müssen sie Bedenken äußern, wenn sie welche haben. Aber dann wäre es wohl ihre Pflicht herauszubekommen, warum wir diesen unbedingten Wunsch haben und uns mit Argumenten vom Gegenteil zu überzeugen. Beides haben wir so nicht empfunden.

Gebühren:

Die all in fee soll sich auf 0,7 Prozent plus Mehrwertsteuer belaufen.

Nachbetreuung

Ein Protokoll des Vor-Ort-Gesprächs schicken uns die Berater nicht. Der Anlagevorschlag kommt aber pünktlich. Daneben gibt es eine einzige Nachfrage, ob wir das Gespräch fortsetzen werden. Schließlich sagen wir per Telefon ab.

Der Anlagevorschlag aus Kundensicht

Der Anlagevorschlag kann nur als Witz bezeichnet werden. Er besteht aus sage und schreibe fünf Powerpoint-Folien und enthält eine Aktienauswahl, in der zum Beispiel BMW vorkommt – nur halt in Dollar statt in Euro. Das Euro-Risiko des Konzerns wird also überhaupt nicht reflektiert. Wir fragen uns, ob die Berater nicht zugehört haben oder ungeachtet unserer Wünsche einfach ihren Stiefel machen. Der Vorschlag verliert auch kein Wort über die eingeschlagene Strategie und mögliche Risiken. Er wird auch nicht dadurch besser, dass die 0,7 Prozent all in fee recht günstig scheinen.

Fazit:Zwei Berater bei Fürst Fugger zeigen viel eingespielte Routine, aber kaum etwas darüber hinaus. Sie hören sich lieber reden als den Kunden. Unsere Wünsche greifen sie nur ansatzweise, was sich schließlich auch im Anlagevorschlag – negativ – niederschlägt.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2018“.

Wissenswertes:

Fürst Fugger Privatbank AktiengesellschaftKardinal-Faulhaber-Straße 14a, 80333 München
www.fuggerbank.de

Dass die Fürst Fugger Privatbank die Transparenzangaben nicht macht, ist doppelt ungünstig. Zum einen wirft es kein gutes Licht auf all die hochtrabenden Versprechen, an deren Wahrheitsgehalt Geheimniskrämerei zweifeln lässt. Zum anderen gibt es keinen eigenständigen Geschäftsbericht, aus dem man vielleicht noch ein paar Informationen filtern könnte. Denn seit 1999 gehört die Fürst Fugger Privatbank zur Nürnberger Versicherungsgruppe, die ihr Haupteigner ist.
Die Fugger Bank ist an sechs Standorten vertreten: Außer am Hauptsitz in Augsburg in Köln, Mannheim, München, Nürnberg und Stuttgart. Als klassische Universalbank erbringt sie alle üblichen Dienstleistungen, der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegt jedoch in der Vermögensverwaltung. Darüber hinaus ist sie Partner im Stiftungsmanagement, der Vermögensberatung oder bei Finanzierungen. Auch für Institutionelle Kunden bietet sie Möglichkeiten. Für das Fondsmanagement sind bundesweit nahezu 400 Anlageberater für das Haftungsdach der Fürst Fugger Privatbank tätig. Die regional ansässigen Berater können Sie vor Ort bei allen Entscheidungen in Fondsanlagen umfassend beraten.

Wiederholte Strategieänderungen

1999 wird nicht nur wie gesagt die Nürnberger Versicherungsgruppe zum Haupteigner der Fürst Fugger Privatbank. Darüber hinaus kommt es in diesem Jahr zu einer erneuten Strategieänderung, in deren Zuge das Firmenkundengeschäft veräußert wird. 2001 erfolgt die Gründung der Tochtergesellschaft Fürst Fugger Privatbank Asset Management GmbH, die für die Vermögensverwaltung gehobener privater und institutioneller Anleger zuständig ist. 2015 wurde die Gesellschaftsform in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Freie Produktwahl

Als Privatbank können unabhängig und objektiv alle relevanten in Deutschland zugelassenen Fonds eingesetzt werden, da die Bank keinen Einschränkungen aus Instituts- oder Konzernzugehörigkeiten unterliegt. Für Produktauswahl und Qualitätssicherung hat sie einen internen Investmentprozess, bestehend aus Auswahl- und Kontrollelementen, entwickelt. Die strategische Zusammensetzung bestimmt die langfristige Ausrichtung des Fonds und bildet den verbindlichen Handlungsspielraum für den Fondsmanager. Zu diesen Kriterien zählen zum Beispiel die Risikoposition und die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Renten, Geldmarktinstrumente, Immobilien, Rohstoffe und Währungen. Diese Konstellation ist in den FFPB Fondsfakten zu finden und wird auch in dem gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsprospekt veröffentlicht. Aus der taktischen Zusammensetzung ergibt sich die aktuelle Positionierung des Fonds. Hierbei werden aussichtsreiche Regionen, Branchen, Themen und Währungen analysiert und Schwerpunkte für die Investition festgelegt. Die taktische Ausrichtung ist Bestandteil eines aktiven Managements und trägt zur Erwirtschaftung von optimalen Erträgen und Gewinnen bei bzw. wird in Abwärtsphasen und in einem turbulenten Marktumfeld zur Verlustvermeidung und -begrenzung eingesetzt. Mit der Einzeltitel- und Fondsauswahl setzt das Fondsmanagement die tatsächliche Zusammensetzung des Fondsvermögens um. Hierbei analysieren Spezialisten, welche Zielfonds die Ansprüche und Erwartungen am besten umsetzen können. Bei der Auswahl geeigneter Zielfonds werden neben den Anlageschwerpunkten die wichtigsten Kennzahlen wie Wertentwicklung, Risikokriterien und das Verhalten zum Vergleichsindex geprüft und bewertet. Laufende Plausibilitätskontrollen und ein umfangreiches Depotcontrolling runden die Auswahlprozesse ab und gewährleisten eine permanente Wert- und Qualitätssicherung der Fondsanlagen.

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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