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Lucatis AG, Beratungsgespräch Bankentest TOPs 2018, Qualifikation

Große Versprechen, kleine Leistung

Die Lucatis AG ist ein Family Office, das für mehrere Familien deren Vermögen bewirtschaftet. Wir machen uns auf nach München, um zu entdecken, warum ihr das anvertraut wird. Und machen eine erstaunliche Erfahrung.
Die Lucatis AG ist ihrer Zeit weit voraus. „Das Unternehmen wurde 2005 als privates Family Office gegründet. Heute steuert LUCATIS als Multi-Family Office die Portfolios mehrerer Mandantinnen und Mandanten“, heißt es auf der Präsentationsseite des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter, VuV. Auf der Homepage des Unternehmens selber tönt es wiederum: „Seit über 20 Jahren steuert das Team um Bernd W. Schrüfer bedeutende Familienvermögen und realisiert individuelle Anlagestrategien.“ Interessant. Wir addieren: 2005 plus 20 sind 2025 ... Man kann sich zusammenreimen, dass das Team schon länger existiert als das Unternehmen. Aber glücklich kommuniziert ist das nicht. Die Lucatis AG ist eine eigentümergeführte Asset Management-Gesellschaft. Ihr Anlageziel ist „die Erwirtschaftung einer absoluten, nachhaltigen Rendite“. Näher erläutert finden wir das nicht. Der Laie versteht: stets im Plus, nie im Minus. Nicht schlecht. Erreicht werde diese durch den risikooptimierten Einsatz klassischer und alternativer Anlageklassen. Das machen viele Vermögensmanager. Aber die Lucatis muss etwas können, was andere nicht hinbekommen. Wir lesen weiter: „Die Säulen unserer Anlagestrategie sind die Auswahl herausragender Fondsmanager“. Auch das liest man oft. „Die Beteiligung an Wachstumsunternehmen“ allerdings ist schon eine Besonderheit. Aber auch mit überdurchschnittlichen Verlustrisiken behaftet. Wie passt das zum o.g. Anspruch?

Eigentümergeführtes Family Office

Als eigentümergeführtes, unabhängiges Finanzdienstleistungsinstitut lege man „großen Wert auf die Interessengleichheit zwischen Management und Mandant“, erfahren wir erfreut. Langjährige Erfahrung, fundierte Expertise in klassischen und alternativen Anlageklassen und die Fähigkeit, anspruchsvolle Investments sicher umzusetzen, seien Qualitäten, die die Mandanten schätzten. Ja, das geht uns genauso. Die Adresse finden wir nur über das Impressum. Aber der Chef des Hauses stellt sich auch als erster Ansprechpartner für Kunden dar: Bernd W. Schrüfer. Telefonnummer und Mailadresse sind vermerkt. In den neunziger Jahren gründete Schrüfer gemeinsam mit einer Münchner Unternehmerfamilie sein erstes Family Office. Er leitete dort als Geschäftsführer das Portfolio- und Beteiligungsmanagement. Der studierte Betriebswirt startete seine Karriere im Investmentbanking der heutigen Unicredit Group. Sein Motto: „Vermögen ist immer individuell, und so arbeiten wir auch.“ Sein Versprechen: „Ob dynamisches, renditeorientiertes Portfolio oder generationenübergreifende Anlagelösung – ausgehend von den Voraussetzungen und Zielen unserer Mandanten entwickeln wir leistungsstarke Strategien und realisieren diese in individuellen Mandaten“. Da folgen wir doch gern seiner Aufforderung: „Kontaktieren Sie uns und lernen Sie LUCATIS persönlich kennen.“

Der Kunde und sein Anliegen:

Dem Kunden sind mit der Flüchtlingskrise Bedenken bezüglich der Stabilität der EU gekommen. Und der BREXIT hat für ihn ganz neue Gefahren aufgezeigt: Die EU könnte auseinanderbrechen. Mittlerweile ist der Kunde soweit, dass er ernsthaft überlegt, (ganz) in ein Land außerhalb der EU zu ziehen oder zumindest dort einen zusätzlichen Wohnsitz zu gründen. Er verfügt über ein Gesamtvermögen von ca. 8.000.000 Euro, davon 4.000.000 in Immobilien. Als laufenden Einnahmen stehen monatlich 10.000 Euro nach Steuern zur Verfügung. Das bisherige Depot ist zu. 100 % in Europa angelegt. Das neue Depot soll nur noch zu 25 % in Europa investiert sein.

Performance-Projekt: Vermögende wollen gut beraten werden. Ebenso wichtig ist aber, dass das anvertraute Kapital solide verwaltet und vermehrt wird. Der Markt der Vermögensverwaltung ist intransparent. Getreu unserem Motto „Wir machen Qualität transparent“ verfolgt das Performanceprojekt der Private Banking Prüfinstanz genau dieses Ziel.
Am Performance-Projekt nimmt die LUCATIS AG nicht teil. Das ermöglicht uns keine laufende Beobachtung der Leistungen in der Vermögensverwaltung und zeigt keine eindeutige Wettbewerbsorientierung.

Unsere Frage, ob das Family Office Rechtsstreitigkeiten mit Kunden führt, wird nicht beantwortet.

Das Beratungserlebnis:

Als wir zum Telefon greifen und die Nummer der Lucatis wählen, ist der Berater gerade im Gespräch. Wir vereinbaren einen Rückruf, der auch zur abgemachten Zeit erfolgt. Das Haus offeriert interessante Investment-Ideen in globalen Währungen. Sie seien keine starken "Trader", sondern mehr auf Sicherheit bedacht. Die V-Bank ist die Verrechnungsbank. Das Sekretariat kann uns nicht den Wunschtermin geben. Wir einigen uns auf einen Alternativtermin. Dieser wird uns mittels Mail obwohl bestätigt – wohl sagen wir, da wir die Mail nicht öffnen können.  Die neue Übermittlung dauert 1 Woche ...

Vor-Ort-Gespräch:

Die Lucatis sitzt in einem 1856 erbauten Gebäude in einer Münchner Nobelstraße. Damals baute man noch ohne Aufzug, also auf zu Fuß in den 2. Stock. Wir sind etwas zu früh dran. Ein junger Mann öffnet uns die Tür. Er schaut in einen Beratungsraum und stellt kurz fest: „Ist noch ein Meeting ...“ Offenbar will er uns im langen Korridor stehen lassen. Wir folgen ihm einfach ... bis in die Küche, wo er Kaffee zubereitet. Also warten wir schließlich doch im Korridor, bis endlich eine Empfangsdame kommt. Sie führt uns in den zuvor belegten Beratungsraum und bringt Kaffee und Wasser. Selbstbedienung. Das vorangegangene Meeting ist noch mit der Nase wahrzunehmen. Auch um unseren Mantel müssen wir uns selber kümmern. Es ist ein großer, aber niedriger Raum mit ovalem Tisch, daran acht Stühle. Ein riesiger Fernseher, auf dem Nachrichten laufen, sorgt für die passende Ausstrahlung. Wir warten eine Viertelstunde und haben Zeit, das abstrakte  "Polyurethane , große Gemälde" (also aus Kunstharz) zu betrachten. Die Atmosphäre bei Lucatis empfinden wir als nicht übermäßig zugewandt. Sagen wir es so: Sachlichkeit überwiegt Freundlichkeit und Serviceorientierung. Aber Diskretion ist voll gegeben ...

Schnellstart der Berater

Jetzt kommen zwei Berater herein. Sie starten sofort durch und fokussieren unser Kernanliegen. Eine Änderung der Euro-Situation durch den Brexit sehen sie nicht. Eine Abspaltung Schottlands könne aber durchaus passieren. Einen Italexit, den Austritt Italiens aus dem Euro oder gar der EU schließen sie aus. Informiert ist unser Berater. Er weist bald auf die sehr enge Verbindung des (zum Zeitpunkt des Besuchs) kommenden US-Präsidenten Donald Trump mit der Deutschen Bank hin. Er werde die Zinsgestaltung so beeinflussen, wie es für seine eigenen Schulden gut ist. Eine interessante, manche würden sagen steile These. Jetzt nehmen sie erst einmal Fakten auf. Sie betonen – erst jetzt –, dass man ein Family Office sei, für die Familie Rodenstock arbeite und eine Beteiligung an der V-Bank halte. Unser Berater, zugleich Vorstand und Chief Investment Officer des Unternehmens stellt sich als Spezialist für das Management von komplexen Investmentportfolios vor, der seit über 20 Jahren bedeutende Vermögen verwaltet. Er steuert dabei klassische und alternative Anlageklassen. Wir möchten wissen, was sie uns bei der Geldanlage konkret empfehlen können. Das kann – oder will –  der Berater jetzt noch nicht sagen, das könnten wir dann im Anlagevorschlag lesen. Gold aber, so seine Meinung, sollten wir nicht halten.

Keine konkreten Aussagen

Überhaupt bleiben konkrete Aussagen und Hinweise zur Anlage unseres Vermögens weitgehend aus. Es gibt kein direktes Feedback zu unserem maximalen Verlustrisiko von 30%. Der sich mit im Raum befindliche, aber fast durchweg schweigende Adlatus blättert unser Depot kurz durch, enthält sich aber eines Kommentars. Befriedigend ist das alles nicht. Was hatten wir nochmal zuvor gelesen: „Unsere Investoren wollen Werte sichern und Renditechancen systematisch nutzen. Darum investieren wir bewusst, optimieren das Portfolio im Hinblick auf die langfristigen Ziele und schaffen Unabhängigkeit von unerwünschten Marktbewegungen. Mit unserem fundierten Knowhow, dem direktem Zugang zu attraktiven Investments und einem integrierten Risikomanagement betreuen wir das anvertraute Vermögen immer persönlich und mit vollem Einsatz. Und dieser Philosophie sind wir seit unserer Gründung im Jahr 2005 treu geblieben.“ Verstehen wir da etwas falsch? Wir haben schon deutlich mehr Kundenorientierung erfahren. Weder gibt man sich bei Lucatis sonderlich Mühe, darauf zu achten, dass wir den Ausführungen des Beraters folgen können, noch hört man uns aufmerksam zu. Wir und unser Anliegen stehen nicht im Mittelpunkt des Interesses.

Die Nachbetreuung:

Einen Anlagevorschlag gibt es nicht, wir warten vergeblich darauf. Als wir bei der Koordinatorin deshalb telefonisch absagen, erfahren wir: Die Durchwahl der Berater würde nie herausgegeben. Sie will aber die Absage weitergeben. Sie kann gar nicht verstehen, dass wir von den Beratern nichts Schriftliches erhalten haben und entschuldigt sich dafür.

Fazit: Der Besuch bei Lucatis entpuppt sich als Zeitverschwendung. "Bewusst investiert für realen Werterhalt", das hatte auf der Website gut geklungen. Auch im Telefongespräch hatte unser Berater "interessante Investmentideen" angekündigt. Doch davon ist im Gespräch und auch anschließend nichts zu hören und zu lesen. Vielleicht liegt alles aber auch nur daran, dass wir nicht die Kragenweite der Lucatis haben? Auf der Seite des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter, dessen Mitglied die Lucatis ist, heißt es: Höhe des erforderlichen Anlagevolumens: 10.000.000 EUR. In Worten: 10 Millionen ... Das allerdings hätte man auch früher – etwa im Telefonat – sagen können.

Hinweis:Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2018“.

Wissenswertes

LUCATIS AG: Maximilianstraße 45 80538 München | www.lucatis.de

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

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