Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
764
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Mehr Schein als Sein bei Adidas

Erhöhtes Investorenrisiko bei Adidas.
Der Sportartikelhersteller nimmt es bei der Transparenz seiner Compliance-Maßnahmen nicht ganz so genau. Risikodarstellung, das Compliance-Management-System, der Lieferantenkodex - da bleibt vieles im Nebel. Die Kommunikation von potentiellen Risiken hat auch noch Potential. Insgesamt ergibt sich eine mittlere Risikokennzahl. In einem Aspekt ist Adidas allerdings Vorbild.

Die letzte Hauptversammlung war ein Spaziergang für den neuen Adidas-Chef Kasper Rorsted: Ein Umsatzplus von 14 Prozent, ein Rekordgewinn von einer Mrd. Euro. Dennoch ist Rivale Nike weiterhin der Trendsetter im globalen Sportbusiness. Adidas investiert deshalb noch mehr ins Marketing. Das Geld kassieren seit jeher Sportler, Vereine wie der FC Bayern München, an dem der Konzern beteiligt ist, und auch höchst dubiose und mächtige Sport-Verbände wie die FIFA oder das IOC. „Adidas ist so etwas wie der Pate des internationalen Sports", schreibt die taz im Sommer 2016 – auch mit Blick auf den Fall Hoeneß. Die enge Verbindung zu Ex-FIFA-Boss Blatter oder IOC-Präsident Bach werfen einen Schatten auf den Sportartikelproduzenten. Über die massiven Compliance-Risiken des tiefkorrupten Sportbusiness erfährt der Investor nichts.

Verhaltenskodex

Geradezu mustergültig, weil thematisch sehr umfassend und anschaulich beschrieben, ist der Verhaltenskodex: Klare Verbote, verständliche Q&As, rote Karten als Zeichen für absolute NoGos, klare Dokumentation von Zahlungen und Geschenken. Nur ganz wenige typische Bereiche (Geldwäsche, Handelskontrollen) werden nicht oder nur in Randbereichen abdeckt. Die Vorbildfunktion der Führungskräfte wird mehrfach sehr deutlich angesprochen. Auch Arbeitnehmerschutz, Diskriminierungsverbot, Produktsicherheit, etc wird alles schön allgemein beschrieben. Adidas will „gesetzliche Vorgaben nicht nur erfüllen, sondern übertreffen" (S. 32). Hier marschiert Adidas an der Spitze des DAX.

Lieferantenkodex

Als Produzent mit Sub-Zulieferern in Dritte-Welt Ländern ist die Ausbeutung von Billigarbeitern und mangelnde Gesundheits- (giftige Klebechemikalien) und Umwelt-Standards (Vermüllung durch Kunststofffasern) ein Ärgernis. Adidas ist ein perfektes Beispiel wie Großkonzerne solche Risiken proaktiv managen. Ein ständiges Geloben eigener Besserung bei gleichzeitigem Festhalten an den Minimalstandards, die der Markt (angeblich) vorgibt und die man durch politisches Lobbying unten hält. Ein Whistleblower-System für Arbeiter in den Lieferketten gibt es nicht, auch keine Angaben zu Audits oder Zertifizierungen. So wirkt der schöne Kodex wie eine Darstellung wichtiger Punkte ohne Sanktionen und Überwachung, kurz: wie ein „zahnloser Tiger".

CMS Compliance-Management-System

Im Geschäftsbericht steht (2016 S.121), dass vierteljährlich eine detaillierte Compliance-Risikoanalyse in ausgewählten Geschäftsbereichen durchgeführt wird. Das klingt indirekt so, als ob das Unternehmen bisher keine flächendeckende Risikoanalyse über alle Geschäftsbereiche hinweg durchgeführt hat, sondern dies nach und nach punktuell erledigt. Ob Adidas ein Stakeholder-Monitoring der Sportfunktionäre und Politiker auf ihre Bestechlichkeit durchführt, erfährt der Investor nirgends. Das bringt entscheidende Punkteabzüge.

Kommunikation

Laut Homepage arbeitet Adidas unablässig daran, die Welt für Kunden, Sportler, Mitarbeiter und Umwelt besser zu machen. Die Kommunikation ist nicht defensiv, sondern man zieht mit den NGOs gleichsam am selben Strang, verliert aber Kosten und Profit nie aus dem Auge (Botschaft an die Investoren). Das wird bunt und journalistisch flott kommuniziert, wofür Adidas beim Ranking der bestgeschriebenen Verhaltenskodices des Compliance Magazin 2016 den ersten Platz von allen DAX 30 einnahm. Keine Antwort hat Adidas aber auf die radikale Kommerzialisierung der Sportwettbewerbe (inkl. Doping) und auf die Anzeichen einer Übersättigung beim kaufkräftigen westlichen Publikum. Football Leaks meint man überstanden zu haben. Aber die Einschläge kommen näher und der Krug geht bekanntlich so lange zum Brunnen bis er bricht.

 

 

FAZIT:

Mehr Schein als Sein offenbart sich bei adidas. Zweifel an der „gelebten“ Complianceorientierung führen zu einem erhöhten Investorenrisiko.

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Rothschild Bank AG: Wissenswertes TOPS 2020

Rothschild Bank AG: Die Königsmacher

Die Rothschild Bank in Zürich gibt es erst seit gut 50 Jahren, das Bankenimperium der Rothschilds dagegen schon seit Ende des 18. Jahrhunderts. Aus einfachen jüdischen Verhältnissen stammend arbeitet sich der Gründer Mayer Amschel Rotschild empor, seine Nachfolger bewahren und mehren den Reichtum der Familie – bis heute, in der mittlerweile 9. Generation.
  • Fuchs plus
  • Bank Gutmann AG: Wissenswertes TOPS 2020

Bank Gutmann AG: Tradition und Kontinuität

Die Bank Gutmann ist eine Wiener Privatbank mit Fokus auf den Heimatmarkt Österreich. Auch wenn schon seit vielen Jahren die Gründerfamilie Gutmann nicht mehr Eigentümer des auf Vermögensverwaltung spezialisierten Hauses ist, steht der Name doch nach wie vor für Solidität und ein auf Partnerschaft basierendes Management.
  • Die Meinung der Anderen im Oktober 2019

Dollar-Unsicherheit auf 12 Monate

Dollar-Unsicherheit auf 12 Monate Copyright: Pixabay
Bei den europäischen Volkswirten nähern sich die Meinungen an. Die Daten der Prognosetableaus für Währungen und Zinsen rücken näher zusammen. Eine US-amerikanische Bank fällt jedoch deutlich aus dem Rahmen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Unternehmen | Cyber-Sicherheit

Hacker legen Fa. Pilz lahm

Spätestens wenn eigens bei Sicherheitsspezialisten ein Hackerangriff erfolgreich durchgeführt wird, sollten sich Unternehmen nochmals bezüglich der eigenen Vorkehrungen abklopfen. Und falls es doch passiert ist ein gutes Krisenmanagement unerlässlich...
  • Fuchs plus
  • Geschäftsmodelle müssen angepasst werden

FCA fordert neues Geschäftsmodell

Die britische Finanzmarktaufsicht greift vermehrt im Sinne der dortigen Verbraucher durch. Ein Trend, der europaweit zu beobachten ist. Geschäftsmodelle von Versicherern und Autohändlern müssen angepasst werden.
  • Fuchs plus
  • Wer übernimmt die Kosten für höhere Versicherungsprämien?

Geduld und Risikobereitschaft nötig

Für Besitzer einer Eigentumswohnung ist der nachträgliche Einbau einer Ladestation für ein Elektroauto derzeit noch schwierig. Er kann von der Mehrheit der Wohnungseigentümergemeinschaft abgelehnt werden, da es sich um eine bauliche Veränderung handelt. Die Bundesregierung hat für Herbst einen Referentenentwurf angekündigt, der nun den Anspruch auf Einbau eines Ladepunktes festschreiben soll. Damit werden aber erhebliche Haftungsrisiken, Kosten und Verteilungsfragen auf die Privathaushalte umgelegt.
Zum Seitenanfang