Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1782
EFG BANK | TOPs 2016 - Beratungsgespräch

Gut gebrüllt, schlecht erfüllt

Die Qualifizierungsampel schaltet auf Rot.
Die EFG Bank hat ein kluges Geschäftsmodell: Der Berater soll sich nicht um Schriftkram und Statistik kümmern müssen, sondern sich voll auf den Kunden konzentrieren können. Den erwarten folglich „überzeugende Lösungen“. Uns auch?
„Bei uns stehen immer der Kunde und sein Berater im Zentrum.“ Hochkarätige Fachleute, die Komplexität vereinfachen, die sich für den Kunden einsetzen und nicht nur Produkte verkaufen; individuell zugeschnittene Beratung, überzeugende Lösungen; und wir als Kunde im Zentrum, unsere Ziele, unsere Leidenschaften, die uns motivieren. Ist das nicht fantastisch? Und dann noch diese kluge Idee der Gründer, den Beratern (wieder mehr) Zeit für den Kunden zu geben: „Das Ziel war ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, in dem Client Relationship Officers (CROs) ihren Kunden nach eigenem Gutdünken den bestmöglichen Service bieten können, und zwar ohne störende Faktoren wie Umsatzziele, interne Richtlinien oder Bürokratie“, schreibt der neue Bankchef, Joachim Strähle, ehemalige Nummer Eins der Schweizer Bank Sarasin, bevor diese einen neuen Eigentümer bekam. Apropos Eigentümer: Laut Wikipedia hält die griechische Reederfamilie Latsis über 49% Anteile an der Schweizer EFG International und 44% an der griechischen Eurobank EFG. EFG steht für European Financial Group. Die Privatbankengruppe EFG International ist an rund 30 Standorten präsent und beschäftigt circa 2.000 Mitarbeiter. Zu Auskünften an die Redaktion über Eigentümer, Kundenstruktur, Produktpolitik etc. war die EFG nicht bereit. Im Aufsichtsrat der Bank sitzt folgerichtig der Magnat Spiros Latsis, einer der reichsten lebenden Griechen. Auf seiner Yacht urlaubte bereits der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Zum „Reich“ der Familie Latsis gehören laut Wikipedia bedeutende Anteile am griechischen Erdölkonzern Hellenic Petroleum und an der griechischen Immobiliengesellschaft Lamda Development sowie weitere Unternehmen wie zum Beispiel die Schweizer Fluggesellschaft PrivatAir. Doch nicht nur Latsis griechische Vermögensteile erlitten in den vergangenen Jahren aufgrund der massiven Wirtschaftskrise im Land erhebliche finanzielle Einbrüche. Auch die Zürcher Privatbank EFG International erlitt im ersten Halbjahr einen Rückschlag. Die Kosten (+7%) stiegen doppelt so stark wie die Erträge (+3%), der Gewinn sank um 6 Mio. Franken. Im Vorjahr sorgten bereits die Auseinandersetzung mit den US-Steuerbehörden, die eine lange Reihe von Schweizer Banken ausficht, und Rechtsstreitigkeiten in der Schweiz, für einen Verlust. Die verwalteten Vermögen stagnierten zuletzt bei 80,2 Mrd. CHF. Ab 500.000 Franken fühlt sich die Bank für Kunden "zuständig". Mittelfristig will CEO Strähle die Bank zu einem beschleunigten Wachstum zurückführen und die Marke von 100 Mrd. CHF an verwalteten Vermögen erreichen. Zugleich will er die Kosten drücken und die Kapazitäten für sehr vermögende Kunden (UHNWI), für Zentral- und Osteuropa sowie den östlichen Mittelmeerraum, inklusive Israel, verstärken. Um sie anzulocken verspricht die Bank „maßgeschneiderte Investmentlösungen“, besonderes Know how bei Hedgefonds-Anlagen und Zugang zu den „klassenbesten Investitionsprodukten“. Auch Anlagefinanzierung und Immobilienfinanzierungen bietet die EFG an. Wir aber freuen uns jetzt auf das „pragmatische, ideenreiche und kompetente Gegenüber mit jahrzehntelanger Erfahrung“, das mit uns „auf den Grund“ unserer Angelegenheiten geht.

Der Kunde und sein Anliegen

Die Testkunden der Private Banking Prüfinstanz sind vermögend und Multimillionäre. Aber sie bringen zunächst nur eine halbe Million zur Anlage mit. Ihr persönlicher Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie für ein jüngeres Familienmitglied in der nächsten Generation mal Sohn oder Tochter, mal Nichte oder Neffe die Zukunft finanziell absichern wollen. Hier geht es zur ausführlichen Schilderung des Testfalls.

Das Beratungserlebnis

Zunächst einmal erleben wir ein sehr freundliches Gegenüber. Der Mitarbeiter am Telefon, der unser Gespräch entgegen nimmt, verbindet uns sofort weiter. Der Berater macht’s kurz: Er fragt nur nach der Höhe des anzulegenden Betrages. Mit unseren 500.000 sind wir dabei. Im Anschluss an die zirka 7 minütige Unterredung kommt prompt die Terminbestätigung per Mail. Der Berater empfängt uns in den repräsentativen Räumen der EFG im Bleicherweg, nicht weit vom Südufer des Zürichsees. Wir müssen nicht lange auf ihn warten, er ist ganz pünktlich, und auch die obligatorische Frage nach dem Getränkewunsch erfolgt. Der Berater ist ein offener, geradezu herzlicher Typ, der das Gespräch sehr locker und angenehm führt. Unser Vorhaben hält er für durchdacht und umsetzbar. Er spricht über seinen Werdegang, dass er sieben Sprachen mächtig sei und präsentiert die Bank. Wir gewinnen den Eindruck, dass er gerne für seinen Brötchengeber arbeitet. Er will unternehmerisch tätig sein und nicht bestimmte Produkte unbedingt an den "Mann" bringen müssen. Dann möchte er unser familiäres Umfeld geschildert bekommen und mehr über unserem Immobilienbesitz erfahren sowie über unsere Erfahrung im Wertpapiergeschäft. Er rät uns zu einem ausgewogenen, nicht zu konservativem Anlageverhalten, um unser Ziel zu erreichen. Außerdem weist er uns auf die Möglichkeit hin, einen "Trust" zu gründen, um das deutsche Erbrecht zu umgehen. Doch so richtig steigt er nicht in die Lösungsfindung ein. Der versprochene Ideenreichtum – noch lässt er auf sich warten. Bestimmte Fragestellungen, die weiter in die "Tiefe" gehen, sollen dann auf jeden Fall vor der Kontoeröffnung geklärt werden, meint er. Tja, aber warum nicht gleich jetzt? Dafür können wir schon jetzt die Unterlagen zur Kontoeröffnung mitnehmen. Auch erfahren wir, was die Vermögensverwaltung pro Jahr kosten würde: 1,5% auf das verwaltete Vermögen.

Ob sich das lohnen könnte? Da die EFG nicht m FUCHS Performance-Projekt von Dr. Jörg Richter und Verlag Fuchsbriefe teilnimmt und zeigt, wie sie das Depot eines Private Banking Kunden mit 1,5 Mio. Anlagevermögen über 5 Jahre managt, fehlt uns dafür der richtige Beleg.

Wir bekommen die Präsentation "EFG-Bank stellt sich vor", vier verschiedene "Infact-Anlagemodelle", die Allgemeine Geschäftsbedingungen und Standardkommissionen und Gebühren mit auf den Heimweg. Jedoch erreicht uns kein Protokoll und auch kein Anlagevorschlag.

Fazit: So herzlich und locker das Gespräch bei der EFG Bank auch verläuft, so angenehm das Umfeld und die Atmosphäre auch sind; die bei uns geweckten Erwartungen an die Gewissenhaftigkeit, den Ideenreichtum und die Lösungskompetenz der Beratung erfüllt der Termin nicht annähernd. Der Berater bleibt doch eher an der Oberfläche, eine gründliche Evaluation unserer Ziele und Wünsche findet nicht statt. Auch für ein nachfolgendes Protokoll reicht die Energie des Beraters nicht. Vielleicht bereits eine der Kostenreduktionsmaßnahmen von CEO Joachim Strähle. Insgesamt macht die Beratung keine Lust auf mehr und unsere Qualifizierungsampel schaltet auf Rot.

Hinweis: Die erreichte Gesamtpunktezahl sowie den Vergleich mit rund 100 weiteren Anbietern lesen Sie im November in „TOPs 2016“.

Fakten: keine Angaben

EFG BANK S.A.
Bleicherweg 8, 8022 Zürich
www.efgbank.com

Hinweis: Dieses Bankenporträt beruht auf den Eindrücken aus einem individuellen Erstberatungsgespräch, das ein zuvor geschulter Testkunde durchgeführt hat. Die wiedergegebenen Eindrücke wurden während des Gesprächs oder unmittelbar danach schriftlich protokolliert. Subjektive Wahrnehmungen lassen sich nicht ausschließen. Der Testkunde hat sich zur Neutralität gegenüber dem getesteten Institut verpflichtet. Die Bewertung wurde nach einem festen Schema vorgenommen, das die Private Banking Prüfinstanz erstellt hat. Es beruht auf der jahrelangen – wissenschaftlich untermauerten – Beschäftigung mit dem Thema Beratungsqualität im Private Banking durch die Private Banking Prüfinstanz, Dr. Richter | IQF und Ralf Vielhaber | Verlag FUCHSBRIEFE.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Berliner Start-up schließt PE-Markt auf

Einfach in Private Equity investieren

Die Eintrittsbarrieren für Investments in Private Equity sind ziemlich hoch. Üblicherweise steht dieses Anlagesegment nur institutionellen Profi-Investoren offen. Ein Berliner Start-up hat nun aber die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt und senkt die Eintrittshürden stark ab. Das macht Private Equity-Investments auch vermögenden Privatanlegern zugänglich.
  • Die Eurozone liefert wirtschaftlich ein schwaches Bild

Der Euro ohne Rückenwind

Europas Wirtschaft kommt nicht aus dem Tal. Mühsam geht es ein paar Schrittchen vorwärts, dann wieder ein paar zurück. So fehlt dem Euro der Rückenwind, um sich im Währungsgefüge zu festigen. Unternehmer und Anleger sollten sich darauf einstellen.
  • Echtheitsprüfung von Geld

Den Euro besser machen

Gerade mit aufkommendem Online-Geldverkehr hat das Thema Fälschungssicherheit eine neue Dimension bekommen. Copyright: Picture Alliance
Gerade mit aufkommendem Online-Geldverkehr hat das Thema Fälschungssicherheit eine neue Dimension bekommen. Die herkömmlichen Zahlungsmittel und die herkömmlichen Zahlungswege sind fälschungsanfällig. Doch es kann Abhilfe geschaffen werden. Auch für den Euro.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Neue Exportmärkte für die deutsche Wirtschaft

Großer Bedarf an Wasserstoff in Deutschland

Die Nachfrage nach Wasserstoff wird steigen.
Der Bedarf an Wasserstoff in Deutschland wird in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen. 2050 werden etwa 300 TWh oder neun Mio. t Wasserstoff verwendet. Dabei wird der größte Teil aus Importen kommen. Jene Länder, die bei erneuerbaren Energien die niedrigsten Erzeugungskosten haben, sind dabei im Vorteil.
  • Fuchs plus
  • Blockchain zur Entschlackung von überbordender Bürokratie

Das sich selbst meldende Bankgeschäft

Blockchain auch im Meldewesen
Das europäische Bankenmeldewesen ist heterogen und zerstreut. Daraus resultieren Risiken für den Finanzsektor und hohe Bürokratiekosten. Sie werden auf die Bankkunden umgelegt. Doch mittels Blockchain können sie deutlich reduziert werden.
  • Fuchs plus
  • Vermögensverwaltungen im Wettbewerb mit ihrer Benchmark

Schräge Vergleiche

Der Gesetzgeber verlangt, dass Vermögensverwalter und Kapitalanlagegesellschaften ihre Leistungen vergleichbar machen müssen. Meist wird dem Anleger eine Grafik präsentiert, die den Verlauf des eigenen Depots oder Fonds mit einer „Benchmark“ zeigt. Doch hier gibt es Gestaltungspotenzial - zu Gunsten der Anbieter.
Zum Seitenanfang