Risiko einer Ölkrise gering
Die akute Sorge um eine Blockade der Straße von Hormus ist verflogen - vor allem aber wurde das Risiko intuitiv als zu groß eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur (IEA). Hintergrund: Die Versorgungslage mit Öl ist derzeit sehr gut.
Eine vollständige Blockade der Straße von Hormus hätte nur einen sehr kurzfristigen negativen Effekt. Denn die Produktion von Erdöl lässt sich kurzfristig und stark erhöhen. Selbst mittelfristig besteht kaum ein Risiko für stark steigende Ölpreise. Denn die Produktion wird deutlich stärker steigen als die Nachfrage, so die IEA.
Chinas Ölverbrauch wächst immer langsamer
Die weltweite Nachfrage nach Erdöl wird bis 2030 um 2,5 Mio. Barrel pro Tag steigen (auf 105 Mio. Barrel pro Tag). Zugleich steigt das Angebot um etwa 5 Mio. Barrel pro Tag (auf 114 Mio. Barrel pro Tag 2030). Insbesondere in den USA wird die Öl-Förderung in den kommenden Jahren ausweiten ("drill baby, drill"). Auch Kanada, Brasilien, Guyana und Argentinien planen eine höhere Ölförderung.
Nach 2030 wird es kaum noch Zuwächse bei der weltweiten Ölnachfrage geben, so die IEA. Der Grund dafür ist hauptsächlich in China zu finden. China ist seit der Jahrtausendwende das Land mit den höchsten Verbrauchszuwächsen. Die IEA geht jedoch davon aus, dass das Reich der Mitte seinen Verbrauchsgipfel 2027 erreichen wird.
Fazit: Das Risiko größerer Ölpreisschocks, die zu langfristig deutlich höheren Preisen führen ist gering. Dieses Risiko wird in den nächsten Jahren kontinuierlich sinken, wenn die IEA-Prognosen zutreffen. In den kommenden Jahren dürften die Ölpreise im Trend sinken. Im Jahr 2030 könnten 50 USD je Fass erreicht werden.
Hinweis: Entwickelt sich der Ölpreis aufgrund von Angebot und Nachfrage wie von der IEA prognostiziert, sind Investments in den Sektor mit Argusaugen zu beobachten. Noch sind solche Investments rentierlich. Aber das strukturelle Risiko wächst, dass sie zu stranded assets werden.