Ende des Iran-Krieges wird zum Konjunkturmotor
In den Unternehmen keimt Konjuktur-Optimismus. Das signalisiert der aktuelle ifo Geschäftsklimaindex. Der ist im Juni um 0,6 Prozentpunkte auf 85,6 Punkte gestiegen. Die Firmen bewerteten über alle Branchen hinweg ihre aktuelle Lage besser (Ausnahme Tourismus). Auch die Erwartungen fielen etwas weniger skeptisch aus. Zudem schätzen die Firmen das Umfeld als weniger unsicher ein.
Die zarten Konjunkturhoffnungen verstetigen sich. Inzwischen hat sich das Geschäftsklima den sechsten Monat in Folge verbessert und ist auf den höchsten Stand seit über einem Jahr geklettert. Ein neuer Aufschwung wird damit immer wahrscheinlicher. Zwar gibt keine feste Regel, wie oft der Index zulegen muss, um eine konjunkturelle Trendwende zu prognostizieren. Doch gilt bereits ein dreimaliger Anstieg in Folge als verlässlicherer Indikator dafür.
Aufschwung braucht Reformen
„Auffallend ist allerdings, dass der Anstieg vor allem auf eine bessere Einschätzung der aktuellen Lage zurückzuführen ist." Das kommentiert Deutschland-Chefvolkwirt der Deutschen Bank, Robin Winkler."Die Erwartungen haben sich weniger spürbar aufgehellt als es angesichts der positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen zu erwarten gewesen wäre.“
Es wird voraussichtlich noch einige Wochen dauern, bis die deutschen Unternehmen der geopolitischen Entspannung im Nahen Osten wirklich trauen. „Ein überzeugendes Reformpaket der Bundesregierung könnte zusätzlich, gerade zu Beginn der Sommerpause, die Stimmung heben”, sagt Robin weiter.
Zwei Sorgenkinder
Ein Problemkind bleibt neben dem Tourismus die Metallbranche, seit dem Wirtschaftswunder Wohlstandsgarant der Republik. Der ebenfalls vom ifo Institut erhobene M+E-Geschäftsklima liegt seit über drei Jahren ununterbrochen im Rezessionsbereich. Zentrale Stimmungsindikatoren zeigen keine Trendwende für Deutschlands Leitindustrie an.
Der zentrale Stimmungsindikator für die mit über 3,7 Millionen Beschäftigten größte deutsche Industriebranche hat sich bei minus 10 Punkten stabilisiert. Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau lag in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um real 2,6% unter dem Vorjahreswert. Die Branche rechnet nicht mehr damit, dass sie dieses Jahr mit einem Wachstum abschließen kann.„Deutschland befindet sich weiterhin in einer dramatischen Strukturkrise. Steuern und Sozialabgaben sowie die Kosten für Arbeit, Bürokratie und Energie sind zu hoch. Deshalb bleiben Investitionen aus und Arbeitsplätze gehen weiter verloren“, sagt Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer.
Konjunkturelle Trendwende?
Vieles hängt nach Einschätzungen von Volkswirten nun davon ab, ob sich das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran als tragfähig erweist. Das würde in der zweiten Jahreshälfte für eine spürbare Entlastung auf den Energiemärkten sorgen und damit auch die energieintensive Metallwirtschaft beflügeln. Denn vor allem hohe Öl- und Gaspreise sowie die Verunsicherung in Chefetagen, wie der Krieg weiter verläuft, dämpfen sowohl den privaten Verbrauch als auch die Unternehmensinvestitionen.