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Flugbenzinmangel: Wie der Iran-Krieg globale Lieferketten gefährdet

Kerosin-Krise bedroht Lieferketten

Die Kerosin-Knappheit bedroht Lieferketten und könnte bald zu einem Kollaps führen. Bundesminister haben zu einem Krisengespräch geladen, da Flughäfen bereits die Betankung rationieren. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf den Frachtverkehr haben.

Die zunehmende Kerosin-Knappheit bedroht viele Lieferketten stärker als bisher von vielen angenommen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder haben deshalb nach Berlin zu einem Krisengespräch geladen. Das Ergebnis: Noch ist die Versorgungslage gesichert. Aber nicht mehr lange. Die Rede ist von wenigen Wochen. 

Kerosin-Knappheit gefährdet Lieferketten

Das Risiko betrifft nur in zweiter Linie den Tourismus, aber in erster Linie die Lieferketten der Unternehmen. Je länger der Iran-Krieg dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Kerosin-Versorgung und damit auch die Lieferketten kollabieren. Erste Flughäfen wie Mailand-Linate, Bologna, Venedig und Treviso haben bereits die Betankung rationiert.

Einen Teil der ausfallenden Mengen könnten die zwölf aktiven Raffinerien in Deutschland mit einer jährlichen Rohölverarbeitungskapazität von 89 bis 105 Mio. Tonnen decken. Ihre durchschnittliche Auslastung beträgt derzeit etwa 80% bis 85%. Insgesamt aber, so aber ein Sprecher von Total Energy SE, die die Raffinerie in Leuna betreibt, seien zwar freie Kapazitäten vorhanden, die „Luft nach oben aber dünn“.

Weniger Linienverkehr wird Frachtverkehr deutlich drücken

Käme es bei den Airlines zu Streckenstillegungen oder einem einem eingeschränkten Flugverkehr auch im Linienbetrieb, hätte das auch erhebliche Auswirkungen für die deutschen Unternehmen. Bei Passagierflugzeugen wird der Platz unter Deck (Belly) für Fracht genutzt, nachdem das Gepäck der Passagiere verstaut ist. Eine Auslastung von 22% der gesamten Nutzlast ist auf Langstrecken keine Seltenheit. 

Die schlechter werdende Lage ist einfach zu erklären: Bis zu 50% des in Europa verbrauchten Flugbenzins werden aus anderen Kontinenten eingeführt. Von diesen Importen stammen etwa zwei Drittel aus der Golfregion, was einem Volumen von 375.000 Barrel pro Tag entspricht. Der Transport wiederum geht vorwiegend durch die Straße von Hormus, die aber nach wie vor vom Iran und die USA wieder gesperrt ist.

Raffinerie-Kapazitäten am Limit

Zudem hat der Iran während des Krieges in den Golfstaaten gezielt Energieinfrastruktur zerstört. Darunter sind auch die Raffinerien Mina Al-Ahmadi in Kuwait mit einer Produktionskapazität von 730.000 Barrel pro Tag sowie Anlagen von Saudi Aramco im östlichen Saudi-Arabien. Ihre Reparaturen nach Kriegsende werden sich über Monate hinziehen. Die Konsequenz: Selbst nach einem Friedensschluss wird es Monate dauern, bis die Kerosin-Exporte nach Europa das Vorkriegsniveau erreichen.    

Nach einer Umfrage der FUCHSBRIEFE unter den Branchengrößen Esso, Shell, BP und Total gibt es derzeit kein Lieferproblem bei der Versorgung mit Rohöl. Zwar bezieht Deutschland 98% des fossilen Brennstoffes aus dem Ausland. Doch die großen Pipelines kommen aus Norwegen und Kasachstan, das Gros der Tanker aus dem afrikanischen Raum. Die Druschba-Pipeline aus Russland ist wegen des Ukrainekrieges seit 2023 stillgelegt. Aus der Golfregion bezog Deutschland 2025 ist etwa 6,1% seines Rohöls, hauptsächlich aus dem Irak.

Dauerhaft hohe Preissteigerungen

Bleibt das Preisproblem. Nach Angaben des Branchenverbandes International Air Transport Association (IATA) liegen die Kosten für Flugbenzin aktuell mehr als 80% über dem Niveau des Februars. Die Folge: Fracht und Passagierflüge werden trotz Hedging teurer, da die Gesellschaften wie die Lufthansa in der Regel sich nur bis zu einer Größenordnung um die 80% des Jahresverbrauches absichern. 

In Europa wird das Flugbenzin knapp. Deutsche Raffinerien könnten mehr Kerosin produzieren, um die Versorgung und damit die Lieferketten sicherzustellen. Das ist aber auch eine Frage des Preises.
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