Spezialchemie-Unternehmen im Aufwind
Die deutschen Spezialchemie-Unternehmen profitieren stark vom Iran-Krieg. Trotz Waffenstillstand und Verhandlungen über einen Friedensvertrag greifen die USA weiter Ziele im Iran. Auch die Straße von Hormus ist noch längst nicht frei schiffbar. Davon profitieren vor allem Spezialchemiehersteller.
Der Grund für den Aufwind der deutschen Spezialchemie: die Unternehmen können liefern. Der Essener Konzern Evonik hebt deshalb seine Prognose für 2026 deutlich an. Für das 2. Quartal meldet das Unternehmen ein um 23% höheres bereinigtes EBITDA (ggü. vj.). Beim Kölner Lanxess-Konzern, der seine Zahlen Anfang August vorlegt, wird mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet. Bereits im Mai hatte CEO Matthias Zachert einen deutlichen Ebita-Anstieg von 130 auf 150 Millionen in Aussicht gestellt.
Profiteure Evonik und Lanxess
Die Ergebnisentwicklung ist nach Angaben Evoniks auf höhere Verkaufsmengen auf höhere Preise zurückzuführen. Insbesondere im Segment Advanced Technologies profitieren die Essener von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber, deren Versorgung mit Rohstoffen beeinträchtigt ist. „Lieferfähigkeit ist derzeit ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig haben wir für viele unserer Produkte die Preise erhöht, um die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik weiterzugeben“, begründet Zachert seinen Optimismus für das Q2.
Hintergrund für die die positive Geschäftsentwicklung ist die hohe Abhängigkeit der asiatischen Volkswirtschaften von Öl und ölbasierten Vorprodukten aus der Golfregion. So werden laut Joe Douaihy, Branchenanalyst beim Kreditversicherer Coface, etwa 60% bis 70% des Naphthas und 45% des LPG für asiatische Produzenten über die Straße von Hormus transportiert. Deutschland bezieht nur etwa 6,1% seines gesamten Rohöls direkt aus der Golfregion.
VCI: Lage bleibt angespannt
Sowohl Evonik als auch Lanxess erwarten, dass sich die vorteilhafte Situation im Jahresverlauf abschwächt, wenn sich der Schiffsverkehr nach der Öffnung der Straße von Hormus normalisiert. Für die zweite Jahreshälfte bestehen daher große Unsicherheit über die weitere Ergebnisentwicklung.
In der gesamten Chemiebranche bleibt die Lage dagegen angespannt. „In der Industrie bleibt die Lage angespannt. Einzelne Unternehmen profitieren von Sondereffekten wie Lageraufbau oder ausbleibenden Importen aus Asien. Gleichzeitig berichten andere von einer spürbaren Zurückhaltung bei Bestellungen, weil Kunden angesichts der Unsicherheit abwarten“, sagt VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup den FUCHSBRIEFEN.
Chancen auf Entlastung in der zweiten Jahreshälfte
Nach Angaben der Deutschen Bank dämpft der Energiepreisschock nach wie vor den kurzfristigen Konjunkturausblick. Sollte sich das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran als tragfähig erweist, würde das in der zweiten Jahreshälfte für eine spürbare Entlastung an den Energiemärkten sorgen. Sollte es im Nahen Osten zu keiner Entspannung kommen, wäre eine technische Rezession aus Sicht der Bank in diesem Sommer nicht auszuschließen.